Lierenfeld: Kritik an Bauprojekt an Königsberger Straße

Bezirksvertretung 8 : Viel Kritik an Bauprojekt in Lierenfeld

In etlichen Punkten weicht der Bebauungsplan für das frühere Röhrenlagergelände an der Königsberger Straße von den Wettbewerbsergebnissen ab. Die Bezirksvertretung 8 muss heute über das weitere Vorgehen entscheiden.

Die Mitglieder der Bezirksvertretung (BV) 8 haben in ihrer heutigen Sitzung Gesprächsbedarf. Beim Blick in die Unterlagen für die geplante Bebauung an der Königsberger Straße/Ecke Tulpenweg hat so mancher seinen Augen nicht getraut. „Gegenüber dem Wettbewerbsverfahren haben die Pläne mehrere Veränderungen erfahren“, sagt etwa Christian Rütz (CDU). Ein Jahr ist gerade mal vergangen, seit die Ideen für das 22.000 Quadratmeter große Gelände des früheren Röhrenlagers von Hoberg und Driesch in der Bezirksvertretung 8 vorgestellt wurden, für die eine Jury vorab in einem Wettbewerbsverfahren gestimmt hatte. Am besten kam damals der Entwurf des Architekturbüros Planquadrat aus Darmstadt an. Einige Anregungen hatte es 2017 von der Stadtteilpolitik dazu gegeben, vor allem bei den Themen Geschossigkeit und Verkehr. Die aber sind kaum berücksichtigt worden im Bebauungsplanverfahren, kritisiert die CDU.

Während das Wettbewerbsverfahren von vier Geschossen plus Staffelgeschoss ausging, ist in der Vorlage nun von fünfgeschossigen Gebäuden plus Staffelgeschoss die Rede, und auch die Bebauung an der Schützenwiese soll höher werden. Statt 200 Wohneinheiten sollen jetzt 220 entstehen. Wie die Aufteilung der Wohnungen aussieht, das hat die Verwaltung noch nicht bekannt gegeben, unklar ist außerdem, wie viele Stellplätze es in der Tiefgarage geben wird. Gerne hätte die CDU auch eine Visualisierung der Riegelbebauung aus Sicht der geplanten Einfamilienhäuser und der Bestandsbebauung Tulpenweg. „Welcher Stellplatznachweis ist für Fahrräder vorgesehen und wo sollen die Stellplätze nachgewiesen werden?“, fragt Christian Rütz. Außerdem ist – zumindest in der Vorlage zum B-Plan-Verfahren – noch offen, wie viele Wohnungen verkauft werden und in welcher Form das Handlungskonzept Wohnen (HKW) umgesetzt wird. Mit dem HKW hat die Linke grundsätzlich ein Problem. „20 bis 30 Prozent öffentlich geförderter Wohnungsbau reicht bei weitem nicht, um den jährlichen Verlust an öffentlich geförderten Wohnungen auszugleichen“, sagt Lutz Pfundner, der der Vorlage nicht zustimmen will. Vor allem, weil die viergeschossige Riegelbebauung entlang der Königsberger Straße als Lärmschutz für die dahinter liegenden Reihenhäuser diene. Das seien vor allem jene Mietwohnungen, die öffentlich gefördert würden. „Um es vereinfacht auszudrücken: Arm dient als Schallschutz für Reich“, sagt Pfundner.

Das größte Problem der BV wird aber sein, dass die Mitglieder nur die Öffentlichkeitsbeteiligung beschließen sollen, nicht aber über den B-Plan abstimmen dürfen. Lediglich eine Empfehlung können sie aussprechen, die an den Ausschuss für Planung und Stadtentwicklung geht, wo dann der Bebauungsplan beauftragt wird. „Ich werde dafür werben, dass der zuständige Ausschuss die Pläne so nicht abstimmt“, sagt Dagmar von Dahlen (CDU), die ebenfalls unzufrieden ist mit dem Vorhaben der Stadt.

Immerhin ist die Gestaltung der Fassade und die Regelung von Parkplätzen und Zufahrten gelungen, findet Rütz. Zwei Stellplätze pro Reihenhaus sind eingeplant, 34 Reihenhäuser sollen auf dem Areal gebaut werden. Außerdem sind 57 Besucherparkplätze oberirdisch an der Straße Auf der Schützenwiese, am Tulpenweg und im Quartier selbst vorgesehen.

Ganz gleich, wie die Debatte in der heutigen Sitzung ausgeht: Bevor es losgeht mit der Bebauung, muss der Flächennutzungsplan geändert werden, der ebenfalls auf der Tagesordnung steht und über den die Stadtteilpolitik auch nicht abstimmen, stattdessen nur eine Empfehlung aussprechen wird an den Ausschuss für Planung und Stadtentwicklung, der am 14. November tagt.

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