Lierenfeld: Ein Wirt, seine Mutter und die Schützen

Lierenfeld: Ein Wirt, seine Mutter und die Schützen

Joachim Labahn betreibt das Michaelshaus, das der Treffpunkt für die Lierenfelder Kompanien ist. Kurz vor dem großen Schützenfest wird es hektisch für den Gastronomen und seine Mutter, die ihm hilft und 25 Jahre die Schützen-Wirtin war.

In ihrem ganzen Leben hat Margarete Labahn noch kein Bier getrunken. Überhaupt ist Alkohol für die 78-Jährige kein Thema, "nach einem halben Prosecco war sie beschwipst", erzählt ihr Sohn Joachim - einmal ist das passiert. Wie ein gutes Alt schmecken muss, das weiß Margarete Labahn trotzdem: "Kalt muss es sein und mit Schaum drauf", sagt sie. So mögen es die Gäste, die fast 25 Jahre ihre Gäste waren, im Michaelshaus am Gatherweg, als sie die Kneipe noch führte, wo sie heute noch ihrem Sohn unter die Arme greift, wenn ein großes Event ansteht. So wie in der nächsten Woche, wenn die Lierenfelder ihr Schützenfest feiern. Das Michaelshaus ist das Versammlungslokal von acht der neun Gesellschaften in Lierenfeld, "früher hatten alle unterschiedliche", erzählt Schützenchef Wolfgang Liembd, "so viele Gaststätten gibt es aber nicht mehr hier".

Ein alter Zigarettenautomat steht in der Ecke, Fortuna haben sie gefeiert im Michaelshaus, wo Flaggen hängen und Poster und Schals, auch wenn Joachim Labahn nicht der größte Fan ist. "Aber meine Lebensgefährtin", erzählt der Gastronom, der das Lokal eigentlich nur nebenberuflich führt, seit 2014, vorher zwei Jahre der Chef in der Vereinskneipe des DSV gewesen ist. Eigentlich arbeitet Joachim Labahn als Servicetechniker im Wohnungswesen, viel ist er mit dem Auto unterwegs. Wenn er Feierabend hat, öffnet er um 17 Uhr das Michaelshaus, von mittwochs bis samstags und auch an anderen Tagen, für Hochzeiten, Geburtstage und Beerdigungen. Und er macht erst zu, wenn die Letzten gegangen sind, um eins oder um zwei kann das manchmal sein, das macht ihm nichts - am nächsten Tag klingelt der Wecker um sechs.

Jetzt, so kurz vor dem Lierenfelder Schützenfest, wird es hektischer für ihn, zwei Tage Urlaub hat er sich sogar genommen in der nächsten Woche. Weil er nämlich nicht nur die Schützen bewirten muss, sondern selbst auch noch Schütze ist. Seit 1960 nämlich, mit drei Jahren hat er zum ersten Mal eine Uniform getragen, in Gerresheim ist das gewesen, seit 1978 gehört er der Gesellschaft 1. Grenadiere an, ist Regimentschießmeister und damit der wohl zweitwichtigste Mann beim Königsschuss. Am Samstagnachmittag wird der Schuss fallen, das Michaelshaus wird dann geschlossen sein. Aber nicht lang: Es ist der Hotspot der Schützen, Dreh- und Angelpunkt, wo am Freitag die Schützen antreten und sich am Samstagmorgen mit einem Frühstück für den Tag stärken werden. Weiter geht es am Sonntag ab 11 Uhr mit einem Platzkonzert gleich vor dem Michaelshaus, "die Graf-von-Spee-Gesellschaft feiert 125-Jähriges", sagt Labahn. Einen Grill wird der 61-Jährige aufbauen, beim Empfang der Ehrengäste rechnet er mit bis zu 900 Leuten, für die es ein Bierzelt geben wird, um das sich Joachim Labahn mit seiner Mutter Margarete kümmert, 15 20-Liter-Fässchen hat er bestellt. "Die sollten reichen für drei Stunden", hofft Labahn, der dann die Türen schließen wird bis Mittwoch, wenn das Fest vorbei ist. Für die Lierenfelder zumindest. Denn Joachim Labahn ist noch immer Mitglied bei den Gerresheimer Schützen, die eine Woche später feiern, und er ist Mitglied in Eller, wo am gleichen Wochenende ein Fest steigt. Eine Rindfleischsuppe aus der Tüte hilft ihm oft in der Festzeit, die er sich warm macht, wenn er spät nach Hause kommt. Und manchmal noch ein Aspirin, dann ist der Schützen-Wirt am nächsten Tag wieder fit.

(RP)