Düsseldorf: Lierenfelder wünschen sich ruhigere Straße

Verkehr in Düsseldorf : Zu viel Verkehr in Lierenfeld

Die Siedlung zwischen Erkrather- und Königsberger Straße wird oft als Ausweichroute genutzt. Viele Anwohner sind genervt und wünschen sich eine Sackgasse an der Ecke Wickenweg/An der Schützenwiese.

Kurz nach dem Krieg ist Winfried Diehlmann in die Siedlung in Lierenfeld gezogen, damals, als es eigentlich noch gar keine Siedlung gab, als überall nur Gartenlaben auf den Grundstücken standen. „wir gehörten zu den ersten, die hier gewohnt haben“, sagt Diehlmann. Seitdem hat sich viel verändert zwischen Königsberger und Erkrather Straße rund um die Straße An der Schützenwiese, Häuser wurden gebaut, Gewerbe hat sich angesiedelt. Gewerbetreibende sind wieder gegangen, neuer Wohnraum ist stattdessen geplant worden. Und was sich auch verändert hat, ist die Verkehrssituation in Lierenfeld. Immer mehr Autofahrer versuchen, durch das Wohnviertel eine Abkürzung zu nehmen, Staus zu umfahren. Und immer mehr Lkw und Transporter sind unterwegs auf der schmalen Straße, regelmäßig würden die sich festfahren. Winfried Diehlmanns Angst ist groß, dass es noch schlimmer wird, weil die Erk­rather Straße stadtauswärts seit ein paar Tagen nur noch einspurig befahrbar ist, um den ÖPNV zu beschleunigen. Spätestens, wenn das neue Wohngebiet mit mehr als 200 Wohneinheiten an der Ecke Königsberger Straße/Tulpenweg fertig ist, werde das Chaos groß sein.

Bezirksbürgermeister Gerwald van Leyen (CDU) würde Diehlmann gerne helfen, „aber uns sind die Hände gebunden“, sagt er. Vor 25 Jahren, als er ins Eller Rathaus gewählt wurde, „war mein erster Termin hier An der Schützenwiese.“ 25 Jahre, ein viertel Jahrhundert, in dem es gegen die Verkehrsbelastung keine gute Lösung gegeben hat . Vermutlich auch, weil die Nachbarschaft gespalten ist. „2002 wurde auf Beschluss der Bezirksvertretung 8 eine Abbindung der Straße An der Schützenwiese in Fahrtrichtung Erkrather Straße vorgenommen“, sagt ein Stadtsprecher. Damals sei der Straßenabschnitt vom Sebastiansweg bis zur Erkrather Straße als unechte Einbahnstraße ausgewiesen und mit einer entsprechenden Beschilderung auf der Erkrather Straße flankiert worden. „Diese Beschilderung der Straße wurde aufgrund zahlreicher Beschwerden von Anwohnern 2003 wieder aufgehoben“, sagt der Sprecher. Unter anderem seien die unzumutbaren Umwegfahrten in Folge der einseitigen Abbindung von der Erkrather Straße kritisiert worden.

An einem ähnlichen Modell halten Winfried Diehlmann und Gerwald van Leyen aber weiterhin fest. Im Februar hatte die Bezirksvertretung 8 einstimmig die Verwaltung gebeten, zu prüfen, ob auf der Straße An der Schützenwiese bei einem Verkehrsversuch zunächst für die Dauer von bis zu sechs Monaten durch eine Abpollerung an der Einmündung Wickenweg aus beiden Fahrtrichtungen nach Art einer Sackgasse die Durchfahrt für den motorisierten Individualverkehr unterbunden werden kann, um die Siedlung vom Durchgangs- und Gewerbeverkehr zu entlasten. Obwohl es sich An der Schützenwiese um eine Sammelstraße handelt, die nicht nur den Verkehr aus den angeschlossenen Wohngebieten aufnimmt, sondern auch der Erschließung des angrenzenden Gewerbes dient, liegt die Verkehrsbelastung dennoch deutlich unter der empfohlenen maximalen Verkehrsbelastung einer Sammelstraße, heißt es aus der Verwaltung.

Im März 2018 habe eine Zählung stattgefunden, damals seien in einem Zeitraum von 16 Stunden 1329 Autos Auf der Schützenwiese gefahren. 400 bis 800 Fahrzeuge pro Stunde sei der vorgegebene Maximalwert für eine Sammelstraße. Weil nicht einmal die empfohlene maximale Belastung einer Wohnstraße von unter 400 Fahrzeugen pro Stunde überschritten wird, „ergibt sich folglich auch keine Notwendigkeit, verkehrsberuhigende und verkehrsmindernde Maßnahmen einzuleiten“, sagt der Stadtsprecher. Vielmehr würde die Abpollerung in Höhe des Wickenwegs zu noch mehr Verkehrsproblemen führen, weil keine Wendemöglichkeiten für Lkw und Lastzüge bestünden, die das Gewerbegebiet entlang der Straße beliefern. Das Amt für Verkehrsmanagement fürchtet, die Fahrzeuge würden auf die schmalen Wohnwege wie den Tulpenweg oder den Sebastiansweg ausweichen.

Damit wollen sich Wilfried Diehlmann und einige seiner Nachbarn nicht zufrieden geben. Sie haben schon Unterschriften gesammelt, 112 Stück waren es zuletzt, die sie jetzt der Politik übergeben. Ob damit die Verwaltung umgestimmt werden kann, ist offen. Zumindest verspricht die Stadt, den Verkehrsversuch an der Erkrather Straße und den Verkehr durch die geplante Wohnbebauung auf dem ehemaligen Hoberg&Driesch-Gelände zu beobachten. Verkehrszählungen oder Verkehrsgutachten soll es geben, „sodass die Stadtverwaltung kurzfristig auf eine gegebenenfalls auftretende Erhöhung der Verkehrsbelastung reagieren kann“, sagt der Stadtsprecher.

Mehr von RP ONLINE