Golzheim/Stockum: Kunst-Schau würdigt Maler

Golzheim/Stockum : Kunst-Schau würdigt Maler

Horst-Dieter Lettmann führte in den 1970er Jahren ein Antiquitätengeschäft in der Altstadt und lernte viele Kreative der nahen Kunstakademie kennen. Seine Kontakte wurden so intensiv, dass Lettmann selbst zum Pinsel griff und zu einem leidenschaftlichen Maler wurde.

Der Autodidakt machte diese Leidenschaft zum Beruf und gab sein Geschäft auf, um sich ganz der Kunst zu widmen. Er malte bis zu seinem Tod im Jahr 2008 zahlreiche Bilder. Ein guter Kunsthändler seiner eigenen Werke war Lettmann jedoch nicht. Erst jetzt ist seine Malerei in einer größeren Ausstellung zu sehen.

Sein Freund und Weggefährte Peter Rübsam erinnert sich. "Lettmann bemühte sich nicht um Ausstellungen in Galerien", sagt er. "Er war sogar der Meinung, seine Bilder könne man gar nicht an seriösen Orten zeigen." Lettmann habe auf Anfragen zuweilen grob reagiert und Interessierte weggeschickt. Lettmanns Tochter Natalie erzählt, ihr Vater habe seine Werke ab und zu in Altstadtkneipen gezeigt und auf diese Weise seine Bilder verkaufen können. "Und wenn er mal knapp bei Kasse war, zahlte er seine Zeche mit seinen Bildern." Nach seinem Tod lagerte Natalie die Bilder ein.

Im vergangenen Sommer wandte sie sich an Rübsam, der in Golzheim als Bildhauer arbeitet. "Natalie fragte mich, ob wir zusammen eine Lettmann-Ausstellung organisieren können", sagt er. Weil er von der Qualität der Malerei seines Freundes überzeugt ist, stimmte er dem Vorschlag sofort zu. Rübsam erklärt: "Lettmanns Bilder sind voller sexueller Andeutungen. Aber weil er die Motive durch viel Blau und Grün verfremdete, wirken sie nicht pornografisch. Vielmehr zeigen sie, dass Lettmann im Lauf der Jahre einen persönlichen Malstil entwickelte."

In der Schau mit dem Titel "Köpfe und Körper" präsentiert Rübsam auch seine eigenen Skulpturenporträts in unterschiedlichen Materialien und Stilen. Zum Beispiel die Plastik von Chet Baker. Rübsam zeigt den Kopf des amerikanischen Jazzmusikers außergewöhnlich grob und mit zahlreichen Furchen und Kanten. "Die Figur ist eine sehr individuelle Interpretation von Baker", sagt Rübsam. Der Charakter Bakers sei gut zu erkennen, betont Rübsam.

Die Drogensucht des Musikers habe ihre Spuren in dem zerklüfteten Gesicht hinterlassen. "In Marmor hätte ich Baker nicht darstellen können." Einen solchen weißen Stein nutzte der Bildhauer für die Figur, mit der das Haupt eines Freundes darstellt. "Sein schlanker und haarloser Schädel war wie geschaffen für Marmor", sagt Rübsam. Er stellte das Objekt auf einen Eichenholzsockel, was durch das tiefe Braun einen farblich reizvollen Kontrast zum Weiß des Steines herstellt.

Peter Rübsam zeigt seine Skulpturen nicht nur, um sie zu verkaufen. "Ich möchte eher Bilanz über meine Arbeiten ziehen und bekanntmachen, wie ich mittels Stein und Ton Porträts schaffe." Auch Natalie Lettmann betont, die Ausstellung habe keinen großen kommerziellen Anspruch. "Ich freue mich, dass die Bilder meines Vaters endlich einmal an einem so schönen Ort zu sehen sind und gewürdigt werden."

(lod)
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