Flingern: Kultur für die Kiefernstraße

Flingern: Kultur für die Kiefernstraße

Andreas Schloemer sitzt gelassen auf einer Bank und macht eine Pause. Er hat Hammer, Pinsel und Farbe weggelegt, und mit Kaffee und Zigarette in den Händen lässt er die Arbeit erst einmal Arbeit sein. Schloemer, den seine Freunde meist kurz "Schlömi" nennen, bereitet seine Kunstausstellung im Kulturbüro Kiefernstraße vor.

"Die lieben Nachbarn vom Kulturbüro haben mich freundlicherweise gefragt, ob ich nicht Lust hätte, etwas bei ihnen auszustellen", sagt er.

Im Frühsommer hat das Kulturbüro Kiefernstraße eröffnet. Geführt und finanziert wird es nicht von einem Geschäftsführer, sondern durch die Mitglieder einer Genossenschaft. Auch Schloemer ist Teil dieser Gemeinschaft geworden, zahlte eine Gebühr von 20 Euro und einen Euro pro Monat — mindestens. "Wir möchten, dass jeder mitmachen kann", sagt Inka Konrads, die für das Kulturbüro viele Fäden in den Händen hält. "Am Geld soll's nicht scheitern."

Viele nutzen das K4 für ihre Ideen

Ein Ausstellungsraum für so wenig Geld — da hat Schlömer nicht lange mit seiner Entscheidung gezögert. Ein Recht auf Alleinnutzung der Fläche hat er nicht: Im Kulturbüro Kiefernstraße gibt es viele Veranstaltungen — und gerade das gefällt Schlömer. "Es ist ein schöner kultureller Treffpunkt für alle", sagt er und freut sich, dass das Angebot stetig größer wird und dadurch auch seine Bilder von vielen Besuchern gesehen werden.

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Donnerstags treffen sich Freunde philosophischer Themen. An drei Tagen der Woche (montags, mittwochs und freitags) wird ab 7.30 Uhr Frühstück angeboten, und sonntags ab 19 Uhr gibt es vegan zubereitetes Essen. Die Gäste können dabei mitten in der Ausstellung sitzen. Aber geselliger ist es selbstverständlich, wenn man gemütlich vor dem Kulturbüro sitzt und es sich gutgehen lässt, so wie "Schlömi" das während seiner Pause tut. Er drückt die Glut der Zigarette aus, stellt die Kaffeetasse weg und geht wieder an die Arbeit, damit zur Ausstellungseröffnung auch alles fertig ist. Noch stehen viele seiner Bilder an Mauern gelehnt oder liegen flach auf dem Boden. "Schlömi" überlegt, wo welches Bild am besten aussieht. Die Motive erinnern an die Pop-Art-Malerei von Warhol und Wesselmann, aber derartige Vergleiche lehnt Schlömer ab. "Ich male frei heraus und kümmere mich wenig um Vorbilder."

Nun zeigt der Maler seine Malerei und seine Objekte in dem etwa 20 Quadratmeter großen Raum vom Kulturbüro Kiefernstraße. Wenn Schlömer ein Werk verkauft, fließt ein Teil der Einnahmen an die Genossenschaft. Um seine Bilderschau abwechslungsreich zu gestalten, wechselt er einige Exponate ab und zu aus. Inka Konrads findet diese Idee gut. "Es ist doch schön, dass der Raum alle paar Tage neu gestaltet wird", sagt sie. Für das neue Aussehen des Raumes ist sie Anfang September verantwortlich: Sie ist die Nächste, die im Kulturbüro Kiefernstraße ausstellen wird. Konrads zeigt dann mit zwei weiteren Künstlerinnen Objektkunst und Videoinstallationen. Mit Konrads Schau feiert das Kulturbüro eine Premiere: Als alternativer "Off"-Kunstraum ist das K4 Teil der Aktion Kunstpunkte. Die Off-Szene, also Kunsträume jenseits etablierter Galerien und registrierter Ateliers, nimmt erstmals an den Kunstpunkten teil. Die Off-Räume öffnen jeweils freitags vor den Kunstpunkte-Tagen, 19 bis 22 Uhr.

Inka Konrads sieht's gelassen. "Mal sehen, wer sich zu uns an die Kiefernstraße verirrt. Wir freuen uns über jeden."

Kulturbüro K4, Kiefernstraße 4

(lod)
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