Flingern Künstlerischer Blick über den Tellerrand

Flingern · Düsseldorfer Künstler möchten enger mit Kollegen aus Wuppertal arbeiten. Dazu besuchen sie sich zurzeit gegenseitig und stellen gleichzeitig aus. Der Titel des Projekts lautet entsprechend "Parallel".

Zwei kleine Räume, zusammen nur rund 40 Quadratmeter groß, kahle weiße Wände — für die Künstler war es wie ein "leeres Blatt Papier", das mit Leben gefüllt werden sollte. Mit ihren abstrakten Zeichnungen, Skulpturen und Gemälden verwandelten sie die Ausstellungsfläche für den Besucher in eine Erlebnisreise durch viele verschiedene Gattungen der Kunst, vollkommen offen und ohne festes Thema.

Einmal im Jahr organisiert das BBK-Kunstforum Düsseldorf eine Ausstellung für Künstler aus anderen Städten und Verbänden. "Wir wollen uns mit anderen Vertretern unseres Faches austauschen", sagt die Kuratorin Hanne Horn. "Es ist wichtig, über den Tellerrand hinaus zu schauen und sich bei den Kollegen neue Inspiration zu suchen." Sehr auffällig sind die hängenden Fahnen von Daphna Koll. Auf drei Papiertransparenten, die von der Decke bis zum Boden reichen, zeichnete die Künstlerin verschiedene grafische Darstellungen mit Tusche nach. "Teilweise sind es die spontanen explosionsartigen Muster aus dem Kosmos", sagt sie. "Diese Dynamik fällt schon von weitem ins Auge und beflügelt die Fantasie." Aber auch bekannte Strukturen zeichnete sie auf den Fahnen nach, etwa eine großdimensionale Tonleiter. Koll freut sich darauf, die Reaktionen eines neuen Publikums auf ihre Arbeit zu beobachten: "Es ist schön, dass wir uns mal in einer anderen Umgebung präsentieren können. Schließlich leben wir Künstler von dieser öffentlichen Vernetzung."

Direkt neben den Transparenten steht der "Baukasten", eine Skulptur, die aus mehreren Würfeln zusammengesetzt ist. Das Besondere daran: Die Quader sehen aus wie Marmorblöcke, sind jedoch aus Holz gefertigt und mit gefärbtem Papier verkleidet. "Hierbei geht es um die Illusion", sagt Petra Pfaff. "Der Betrachter soll glauben, schwere massive Steine zu sehen. Erst bei näherem Hinsehen erkennt er, dass es sich um ein ganz leichtes Material handelt." Nicht nur die Verarbeitung der Würfel ist ausgefallen. Die Skulptur kann außerdem jederzeit wieder in ihre einzelnen Bestandteile zerlegt und entsprechend des jeweiligen Raumes neu angeordnet werden — so wurden einige der Quader sogar an der Wand festgemacht. Ein eisernes Schloss, das ebenfalls immer neu positioniert werden kann, besiegelt dann die vorläufige Form.

Auch in dem benachbarten kleineren Raum dreht sich alles um das Thema Suggestion. In der Installation mit dem Titel "Birkenwald" kann es durchaus passieren, dass sich der Besucher zwischen den insgesamt 40 Baumstämmen verläuft. "Und das soll auch so sein", sagt Bühnenbildnerin Teresa Wojciechowska. "Man soll das Werk nicht einfach nur betrachten, sondern ein Teil von ihm werden." Bei Wojciechowskas begehbarem Labyrinth handelt es sich jedoch nicht um echte Bäume, sondern um zusammengenähte Nylonschläuche, die an der Decke gespannt sind. Die Illusion ist ein Teil der Kunst.

(mro)
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