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Oberkassel/Flingern: Künstler macht sein Atelier zum Motiv

Oberkassel/Flingern : Künstler macht sein Atelier zum Motiv

Der Maler Lambert Beckers vereint Gegenständliches mit Abstraktem. Für die Bildmotive hat er es nicht weit. Farbtuben, Pinsel, Leinwände sind zum Greifen nah und finden leicht den Weg auf seine aktuellen Werke.

Lambert Beckers könnte von seinem Atelierzimmer an der Columbusstraße in Oberkassel den Rhein sehen. Aber der Künstler dreht dem Fenster seinen Rücken zu und ignoriert die schöne Aussicht ebenso wie die Möglichkeit, sich vom Fluss für neue Landschaftsmalerei inspirieren zu lassen. Stattdessen konzentriert sich Beckers auf Dinge, die direkt neben seiner Staffelei stehen: im Wasser stehende Pinsel, ausgedrückte Farbtuben, schmutzige Lappen und Leinwände auf Keilrahmen. Etwa 30 Bilder hat Beckers mit diesen Motiven gemalt. Unter dem Titel "Im Atelier" zeigt Beckers sie zurzeit in der Treppenhausgalerie Ars Vivendi an der Degerstraße in Flingern.

"Ich empfinde das Malen meines Arbeitsplatzes zurzeit als ganz faszinierend", sagt Beckers. "Es ist wie das Kreisen um die eigene Aktion und die Beschäftigung mit meinem Tun." Aber Lambert Beckers malt nicht rein gegenständlich, sondern gleichzeitig abstrakt. Er deutet auf Exponate mit den Titeln "Farbschatten", "Spiegelhälften" und "Rote Wand". Wegen der abgebildeten Mal-Utensilien entsteht die romantische Vorstellung eines fleißigen Künstlers bei der Arbeit. Weil Beckers aber größere Flächen des Mal-Grundes abstrakt koloriert, ist eine vollkommene Verortung des Dargestellten nicht möglich. "Ein plattes Abbild des Vorhandenen wäre mir zu langweilig. Ich möchte Spannung beim Betrachten entstehen lassen." Mal-Techniken mischt er auch auf anderen Werken. Das Bild "Farbversuche" zeigt einige miteinander verlaufene Farben. "Ich hätte diese Farbverläufe für viele Arbeiten vollständig nutzen können", sagt Beckers. "Aber ich habe diese durch Zufall entdeckte Technik weiterentwickelt. Nun erzeuge ich Verwischungen und übereinander verlaufende Farben ganz absichtlich." Viele Dinge bleiben erkennbar. Auf andere Objekte versperrt der Künstler den Blick des Betrachters durch Barrieren, etwa mit Teilen einer Leinwand, Schatten und abstrakten Formen. Beckers möchte erreichen, dass der Betrachter länger vor einem seiner Bilder verweilt und das Motiv stets neu interpretiert. "Vertrautes kann fremd und geheimnisvoll erscheinen", sagt er. "Es ist ein schmaler Grat zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion." Der 74-jährige Lambert Beckers beschäftigt sich seit einigen Jahrzehnten mit Kunst. Bis Mitte der 1960er-Jahre studierte er an der Kunstakademie Düsseldorf, anschließend arbeitete er als Kunstpädagoge am Max-Planck-Gymnasium in Stockum. Seit seiner Pensionierung widmet er sich wieder verstärkt seiner Malerei und zeigt seine Bilder regelmäßig bei Ausstellungen. Er freut sich über die Einladung von Ulrich Willems und Georg Toth in ihre Treppenhausgalerie. "Kunst in einem Treppenhaus zu zeigen ist eine interessante Idee, auch wenn die Gäste sich zuweilen aneinander vorbeidrängeln müssen", sagt Beckers. Bis 18. Mai hängt seine Werkreihe "Im Atelier" in der Treppenhausgalerie. Für neue Bilder könnte er nun wieder durch das Fenster auf den Rhein sehen und sich inspirieren lassen. Mit Landschaftsmalerei hat sich Beckers schon früher beschäftigt, etwa bei Reisen an die niederländische Küste oder durch die Toscana. "Viele Arbeiten basieren auf Seh-Erlebnissen in der Natur. Ich werde die Landschaftsmalerei sicher fortführen", sagt er. "Aber zurzeit kreisen meine Gedanken weiterhin um das Malen meines Atelierplatzes."

(RP)