Unterrath : Klönen im Café Petrus

Seit zehn Jahren ist das Café Petrus ein wichtiger Treffpunkt für die Senioren in der Unterrather Gemeinde. Dieter Ratz kümmert sich seit den Anfängen ehrenamtlich um die Gäste. Sorgen bereitet der Verkauf des Gemeindesaals.

Schon vor 14.30 Uhr treffen sich die ersten Senioren und warten darauf, dass Dieter Ratz die Türen zum Café Petrus öffnet. "Wenn die Gäste kommen, muss alles fertig sein", sagt Ratz. Dabei überlässt der 75-Jährige nichts dem Zufall: "Ich komme dienstags immer um 6.30 Uhr ins Café und decke die Tische ein. Das braucht seine Zeit."

Schon seit den Anfängen des Gemeinde-Treffpunkts für Senioren kümmert sich Ratz ehrenamtlich um die Gäste und das Café. Jeden Dienstagnachmittag treffen sich die älteren Gemeinde-Mitglieder zu Kaffee und Kuchen – und das in diesem Jahr schon seit zehn Jahren. Anschließend spielen einige Rumikub oder Mensch ärgere dich nicht. "Ich komme fast jeden Dienstag hier her", sagt Gisela Hessler (82). "Vor fast drei Jahren bin ich zu meinem Sohn nach Wuppertal gezogen. Aber hier treffe ich regelmäßig meine alte Unterrather Nachbarschaft", sagt sie.

"Das ist schon viel Arbeit"

"Als wir mit dem Treffpunkt begonnen haben, wollte ich die Sache eigentlich nur anschieben. Aber die Leute sind auf Personen fixiert. Da bin ich geblieben", sagt Ratz und lacht. Unterstützt wird er dabei von seiner Frau und Ingeborg Marx, einer weiteren Ehrenamtlichen. Bei jedem Treffen werden mindestens drei unterschiedliche Kuchen angeboten, die gestiftet worden sind. Auch Ratz backt ab und zu einen Kuchen. "Ich habe für heute Frankfurter Kranz gebacken. Das ist schon viel Arbeit", sagt er.

Das Café ist sehr beliebt bei den Besuchern. "Hier werden Freundschaften geschlossen und man hat die Möglichkeit, sich mit Gleichaltrigen über Probleme des Alltags auszutauschen", sagt Andrea Faust, Leiterin des "Zentrum Plus" in Lichtenbroich, die das Café mitorganisiert. Dabei stehen nicht nur nette Gespräche im Vordergrund. Viele der Senioren knüpfen in dem Café Kontakte und helfen sich privat gegenseitig. "Es ist hier alles sehr menschlich", sagt Ruth Monschau (87), die das Café schon seit einigen Jahren regelmäßig kommt.

Treffen unter Gleichgesinnten

"Wenn man alleine ist, findet man hier viele Gleichgesinnte, mit denen man darüber sprechen kann", sagt sie. Viele der Senioren besuchen das Café, seitdem ihr Partner verstorben ist. Auch Stefan Kläs, der erst seit rund einem Jahr Pfarrer der Gemeinde ist, ist zufrieden mit dem Café und weiß, wie wichtig der Treffpunkt für die älteren Gemeindeglieder ist: "Das Café Petrus ist eine Netzwerk-Idee im anlogen Sinne."

Ein viel diskutiertes Thema unter den Besuchern ist der Verkauf des Gemeindesaals, in dem das Café einmal in der Woche stattfindet. "Es wird schwierig sein, einen neuen Raum zu finden, der so gut zu erreichen ist, wie dieser hier", sagt eine Besucherin. Zurzeit sucht die Gemeinde nach einem neuen Treffpunkt. Das Café soll auf jeden Fall weitergeführt werden. Für Dieter Ratz steht fest, dass er das Café noch lange weiter betreiben möchte. "So lange es die Menschen hier gibt und ich das kann, mache ich weiter", sagt er. "Ein bisschen Nächstenliebe kann man leben."

(RP)