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Paul Brücker ist einer der letzten Taubenzüchter in Düsseldorf Kalkum

Taubenzucht in Düsseldorf Kalkum : Das Rennpferd des kleinen Mannes

Paul Brücker züchtet seit mehreren Jahrzehnten Tauben. Der Orientierungssinn der Tiere und ihre Schnelligkeit faszinieren ihn.

Wenn die Tauben von Paul Brücker in das jugendliche Alter kommen und erstmals alleine den Weg nach Hause finden müssen, dann geht es dem Taubenzüchter und seiner Frau Elisabeth genauso wie Eltern, deren pubertierendes Kind abends noch alleine unterwegs ist. Immer wieder schauen die Brückers dann auf die Uhr und murmeln: „Wo bleiben die denn? Langsam könnten sie ja mal nach Hause kommen.“ Und obwohl Paul Brücker bereits seit mehr als 60 Jahren Tauben züchtet, ist die Spannung in dieser Situation bis heute geblieben.

Angefangen hat alles 1953 als der heute 81-Jährige von seinem Bruder Johannes die kleine Taubenzucht mit rund 25 Tieren übernahm. „Damals gab es noch im Düsseldorfer Norden viele Taubenzüchter, da es in den Gärten genug Platz für die Schläge gab,“ sagt er. Die Taubenfreunde hatten sich teilweise in dem Wittlaerer Verein Rheintreue zusammengeschlossen, dem Brücker 1956 beitrat. Inzwischen gibt es kaum mehr Züchter, weshalb der Kalkumer mittlerweile Vereinsvorsitzender und das letzte Vereinsmitglied in einer Person ist. „Das ist halt ein arbeitsintensives Hobby, denn die Tiere müssen jeden Tag versorgt werden“, sagt Brücker.

Bis zu drei Stunden am Tag ist er damit beschäftigt, die Tiere zu füttern, zu begutachten und die Ställe zu säubern. Er ist froh, dass seine Frau das mitträgt. Diese hat sich in den vielen Jahren ebenfalls zu einer Taubenkennerin entwickelt. „Schließlich ist das neben den Kindern und Enkeln und den Geschehnissen im Dorf eines der Hauptthemen, über die wir uns unterhalten“, sagt Elisabeth Brücker.

Rund 110 Vögel gehören zur Zucht. 40 Tiere davon wurden im März geboren und gehen zurzeit erstmals auf die Reise. Denn das Ziel der Taubenzüchter ist die Teilnahme an den Rennen, die zwischen März und September ausgetragen werden. Daran werden die Vögel Stück für Stück von Paul Brücker herangeführt. Zunächst dürfen die Tiere über dem Garten kreisen, dann müssen sie den Weg zum heimischen Schlag vom Ortsrand von Kalkum aus finden, bevor der Radius immer mehr erweitert wird. Schließlich werden die Tiere bei verschiedenen Züchtern eingesammelt und mit einem Transporter zu einem Startpunkt gebracht und dort losgelassen. Die ersten Rennen der Saison starten bei 40 Kilometer Entfernung, die letzten Rennen haben dann eine Strecke von rund 600 Kilometern.

„Wir werden vom Rennleiter informiert, wann genau der Start war, und dann heißt es warten und mitfiebern.“ Denn auf so einem Flug können viele Gefahren wie Greifvögel, Unwetter und Stromleitungen eine glückliche Rückkehr verhindern. Geht alles gut, kann eine schnelle Taube die 600 Kilometer in sieben Stunden bewältigen, weshalb Brieftauben auch als Rennpferd des kleinen Mannes bezeichnet werden. „Wie das funktioniert, dass die Tauben den Weg zurückfinden, das weiß keiner“, sagt Brücker. – Um die genaue Flugzeit zu ermitteln, bekommen die Tiere mit zehn Tagen einen Ring über den Fuß gezogen, auf dem ein Kennzeichen Auskunft über den Züchter, dessen Verein und den Standort des Schlages Auskunft gibt. Ein daran befestigter Chip wird eingelesen, sobald das Tier in den Schlag über einen Scanner einfliegt. Gleichzeitig wird dann die Uhrzeit registriert und ein Piep-Ton ausgelöst. Zu gewinnen gibt es bei diesen Rennen nichts – außer Ruhm unter Gleichgesinnten. Denn die Sieger werden in den einschlägigen Fachzeitschriften veröffentlicht. „Mich fasziniert das Hobby einfach, Geld verdienen kann man mit so einer Zucht nicht“, sagt Paul Brücker.