Kalkum : Hohe Hürden für Schlossverkauf

Einen Käufer für die Anlage in Kalkum zu finden, ist schwer. Viele Faktoren wie der hohe Sanierungsbedarf und der Denkmalschutz schränken die Möglichkeiten stark ein.

Die Nutzungsmöglichkeiten für Schloss Kalkum bleiben weiterhin durch den Denkmalschutz stark eingeschränkt. Das bestätigte der für die Veräußerung zuständigen Bau und Liegenschaftsbetrieb (BLB NRW) auf Anfrage unserer Redaktion. Das bedeutet, dass kaum etwas am Gebäude verändert werden darf. "Wir hoffen, dass trotzdem ein Investor gefunden werden kann, der mit den Denkmalvorgaben zurechtkommt", heißt es seitens des BLB. Vielleicht könnten dann in einem konkreten Fall auch Abweichungen genehmigt werden, hofft man beim Landesbetrieb.

Kaufinteressenten gab es bereits mehrere. Einige haben auch ihre Nutzungskonzepte vorgestellt, die aber in der Regel keine Chance auf eine Realisierung hatten, da keine großen Veränderungen im Grundriss und an der Fassade vorgenommen werden dürfen. Neue Fenster beispielsweise oder die Umgestaltung der Repräsentativräume im Erdgeschoss des Südflügels sind nicht erlaubt. Das wurde nun in einem Bescheid der Denkmalbehörde festgelegt. "Es muss fast alles so bleiben, wie es ist", sagt der BLB.

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"Das wird dazu führen, dass der Denkmalschutz erhalten bleibt, aber das Schloss irgendwann verfällt", befürchtet Landtagsabgeordneter Markus Weske (SPD). Er würde sich eine Lockerung des Denkmalschutzes wünschen, wie sie auch bereits von Oberbürgermeister Thomas Geisel angeregt wurde. Dieser kann sich vorstellen, den äußeren Eindruck in vollem Umfang zu erhalten, aber im Innenhof und den Räumen mehr Gestaltungsmöglichkeiten zuzulassen. Denn nur dann könne eine wirtschaftlich attraktiven Nutzung geschaffen werden. Weske wiederum will nun prüfen, ob bei Schloss Kalkum auch ein Ministerentscheid herbeigeführt werden kann, wie er benötigt wurde, um den unter Denkmalschutz stehenden Tausendfüßler abreißen zu können.

"Durch den Stillstand und den Leerstand entsteht ein hoher finanzieller Schaden. In diesem Jahr mussten 1,3 Millionen Euro nur in die Instandhaltung investiert werden. Das wird nicht weniger werden, wenn das Schloss vor dem Verfall bewahrt werden soll. Es wird Zeit, dass sich hier endlich etwas tut", sagt Weske. So gebe es auch immer noch kein für einen Verkauf gesetzlich gefordertes Verkehrswertgutachten. "Ich denke aber, bei den gegebenen Einschränkungen wird der Wert bei Null liegen, denn es wird wahnsinnig teuer werden, das Gebäude überhaupt nutzbar zu machen", sagt der Politiker. Zumal der denkmalgeschützte Schlosspark weiterhin für die Öffentlichkeit erhalten bleiben soll. Dafür kämpfen seit Jahren die Lokalpolitiker und die Initiative Schloss Kalkum, die für dieses Anliegen bereits 3000 Unterschriften gesammelt hat.

Zurzeit finden die letzten Arbeiten des ersten Bauabschnitts zur Sanierung des Schlosses statt, mit denen die Verkehrssicherung gewährleistet und verhindert werden soll, dass die Bausubstanz weiter angegriffen wird. Unter anderem wurde die Dacheindeckung des Torhauses und der beiden Ecktürme mit Schieferplatten erneuert und im Bibliotheksturm wurden zwei Zwischendecken eingezogen.

Zudem wurde die große Dachlaterne mit dem Engel in einer Spezialwerkstatt in Kevelaer restauriert. Sie soll am 4. August wieder auf das Dach montiert werden. Im zweiten Bauabschnitt, der Anfang 2017 beginnen soll und zwei Jahre dauern wird, sollen dann der Außenputz, die Fenster und Tore saniert werden.

(brab)