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Kaiserswerth: Wie Kinder sich die Welt erschließen

Kaiserswerth : Wie Kinder sich die Welt erschließen

Die Fliedner-Fachhochschule in Kaiserswerth hat zu einer Kinder-Uni eingeladen. Die Vorschulkinder lernen dort viel, und die Studierenden können ihr Wissen in der Praxis erproben.

Neyo ist von dem Ausflug seiner Kindertagesstätte zur Fliedner Fachhochschule begeistert. "Wir erforschen hier tolle Dinge. Ich habe mit einer Lupe einen Komposthaufen untersucht, kleine Tiere entdeckt und beobachtet. Und nun stellen wir selber Vogelfutter her", sagt der Sechsjährige. Zusammen mit anderen Vorschulkindern der Kindertagesstätte Zeppenheimer Weg hat er gestern an der Kinder-Uni der Fliedner-Fachhochschule teilgenommen. Diese fand zum dritten Mal statt und wurde von den Studierenden des Bachelor-Studiengangs "Bildung und Erziehung in der Kindheit" ausgerichtet.

Diese sollen bei der Vorbereitung des Projekttages einen Einblick in ihr künftiges Arbeitsfeld erhalten und feststellen können, ob ihre Ideen sich in der Praxis umsetzen lassen und ob die Kindern die Angebote überhaupt annehmen. Gestern war dies zumindest kein Problem. An verschiedenen Stationen zu Themen wie Natur, Mathematik und Sprache wurde intensiv gebastelt, diskutiert, experimentiert und interessiert nachgefragt. In der Mathematikwerkstatt konnten die Mädchen und Jungen beispielsweise mit Erbsen und Zahnstochern fragile dreidimensionale Gebilde bauen und diese später abzeichnen. 1000 Pappeisbecher standen zur Verfügung, um damit riesige Mauern und Türme zu errichten und mit 3500 Flaschendeckeln wurden Muster und Bilder gelegt und Farben und Formen sortiert. "Ich habe bei der Kinder-Uni bestätigt bekommen, dass sich Kinder sehr gut alleine beschäftigen können, wenn man ihnen die richtigen Impulse gibt. Sie brauchen kein Funktionsspielzeug oder eine permanente Beschäftigung", sagt Student Jesco Groschek. Er befindet sich im fünften Semester und hat schon bei vielen Praktika und bei einem sozialen Jahr praktische Erfahrungen sammeln können. "Dennoch sind solche Projekttage wichtig, damit wir auch nach dem Studium von langjährigen Erziehern akzeptiert und ernst genommen werden und dann nicht überfordert sind", sagt der Student.

Die teilnehmenden Erzieher sind jedenfalls von dem Angebot sehr angetan. "Der Projekttag ist für uns und unsere Kinder eine Bereicherung. Wir lassen uns hier inspirieren, auch wenn nicht alles, was uns gefällt, eins zu eins übernommen werden kann", sagt Erica Schuler, die eine Gruppe der Kindertagesstätte Zeppenheimer Weg leitet, die von Anfang an an dem Projekt teilgenommen hat.

"Gestartet sind wir mit der Kinder-Uni Anfang 2016 mit Gruppen aus den drei Kindestageseinrichtungen der Kaiserswerther Diakonie. Im Juni 2016 haben wir uns mit unserem Angebot an Einrichtungen in ganz Düsseldorf gewendet und hatten insgesamt zwölf Kitas zu Gast. Zur dritten Kinder-Uni haben sich 300 Mädchen und Jungen aus 16 Kitas angemeldet ", sagt Studiengangsleiterin Professor Sonja Damen. Ihr ist es wichtig, dass die Studierenden eine Sensibilität für Kinder entwickeln. Sie sollen erkennen, was diese zu sagen haben, welche Fragen die Kinder haben und was sie aus den Angeboten machen. "Das Konzept hat sich bewährt und es wird auf jedem Fall im Sommer die vierte Kinder-Uni geben", sagt Damen.

Nicht an Praxisprojekten teilnehmen müssen die sogenannten Teilzeitstudenten. Diese haben bereits in einer Ausbildung, beispielsweise zum Erzieher, praktische Erfahrung sammeln können und ihr Studium ist deshalb auch zwei Semester kürzer. Das Studium zum Kindheitspädagogen hat sich bundesweit etabliert.

"Die Absolventen haben gute Chancen einen Arbeitsplatz zu finden. Einige haben sogar direkt Leitungsfunktionen in Einrichtungen der Kinder und Jugendhilfe übernommen", sagt Damen. Inzwischen wird der Studiengang auch bei Männern immer beliebter. Rund 15 Prozent der 300 Studierenden im Bereich Bildung und Erziehung in der Kindheit an der Fliedner Fachhochschule sind männlich.

(brab)