Kaiserswerth: Neues Leben für den alten Fliednerhof

Kaiserswerth: Neues Leben für den alten Fliednerhof

Die Kaiserswerther Diakonie hat das Gebäude umgebaut. Flüchtlinge, Senioren und Behinderte sollen dort eine Gemeinschaft bilden.

Der Fliednerhof an der Fliednerstraße blickt auf eine lange Geschichte zurück. Zunächst fanden in dem 1833 errichteten Gebäudekomplex mit großem Innenhof aus der Strafgefangenschaft entlassene Frauen Asyl, später waren dort ein Waisenhaus, eine höhere Mädchenschule, ein Internat und zuletzt betreutes Wohnen für Senioren untergebracht. Risse im Mauerwerk sorgten 2011 dafür, dass drei der sechs historischen Gebäude, die immer wieder umgebaut worden waren, leergezogen werden mussten. "Wir gingen davon aus, dass der Untergrund nicht mehr stabil genug ist und für eine Sanierung sahen wir keine Möglichkeit", sagt Klaus Riesenbeck, Vorstand der Kaiserswerther Diakonie, in deren Besitz sich der Fliednerhof befindet.

Erst als eine Sponsorin eine Großspende in Höhe von 1,1 Millionen Euro in Aussicht stellte und damit den Wunsch verknüpfte, etwas für die Flüchtlinge zu tun, kam der Fliednerhof wieder ins Gespräch. Es entstand die Idee, das Ensemble wieder mit Leben zu füllen und eine neue Wohnform auszuprobieren. So werden dort künftig Personen leben, die unterschiedliche Hilfen benötigen, aber auch unterschiedliche Stärken mitbringen. So wurden Wohnungen für Flüchtlinge, Senioren und Eltern mit Behinderungen eingerichtet, deren Größe zwischen 38 und 90 Quadratmetern liegen und die zwei bis vier Zimmer haben. Zudem gibt es ein Büro für die sozialen Dienste, ein Gemeinschaftsraum und eine Gemeinschaftsküche.

Fast drei Jahre haben die Planungen und der Umbau gedauert, der 1,8 Millionen Euro gekostet hat. "Das war nur mit weiteren Spenden möglich und wir sind auch weiterhin auf Spenden angewiesen", sagt Riesenbeck. Denn Matthias Sandmann wird künftig als Quartiersmanager für den Fliednerhof zuständig sein, mithelfen, dass die besondere Wohnform funktioniert. Doch für seine Leistungen gibt es kein Programm, über das diese Arbeit abgerechnet werden könnte. Und die ist vielseitig, denn Sandmann soll Nachbarschaftsbeziehungen entstehen lassen und den Fliednerhof mit dem Stadtteil vernetzen. Dabei sollen bestehende Angebote, welche beispielsweise die Flüchtlingshilfe oder die Kirchen machen, mit genutzt werden.

"Wir wollen Hilfe zur Selbsthilfe leisten und die Kompetenzen der Bewohner stärken", sagt Sandmann. Senioren, die sonst isoliert leben, könnten etwa auf Kinder aufpassen, während die Behinderten für sie mit einkaufen. "Da sind bestimmt viele Ressourcen vorhanden", sagt Sandmann. Eine Dame habe beispielsweise schon angeboten, Hochbeete im Hof anzulegen.

"Die Menschen sollen selber überlegen, was sie miteinander wollen, nach welchen Regeln sie leben möchten", sagt Elke Auracher, Bereichsleiterin der Sozialen Dienste. In den nächsten Tagen werden die ersten Bewohner in den Fliednerhof einziehen. Noch sind nicht alle Wohnungen vergeben. "Wir haben aber eine Warteliste und schauen uns die Bewerber gründlich an, damit ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den einzelnen Gruppen bestehen bleibt", sagt Sandmann. Und ganz wichtig sei, dass die Bewohner bereit wären, sich auf so eine Gemeinschaft einzulassen. "Hier gibt es viele Belastungen bei den Bewohnern und auch viel Leid, aber das ist nicht spürbar, sondern man merkt, dass hier etwas tolles entsteht", sagt Auracher.

(brab)