Kaiserswerth: Große Bühne für talentierte Schüler

Kaiserswerth: Große Bühne für talentierte Schüler

Die Schauspiel-AG des Theodor-Fliedner-Gymnasiums in Kaiserswerth führt bei den Theatertagen das Stück "Tagschatten" auf. Die 21 Schüler haben sich dafür eigene Szenen nach Motiven von E.T.A. Hoffmann ausgedacht.

Es ist eine bahnbrechende Erfindung, die "Professorin" Isabel Rayermann gemacht hat: Eine sprachgesteuerte Puppe, die Gefühle und Emotionen empfinden kann. Zuerst angedacht, um der einsamen Professorin Gesellschaft und soziale Interaktion zu ermöglichen, wittert diese dahinter schnell eine Geschäftsidee und entwirft eine zweite, "lebende" Puppe. Doch entgegen dem Sinne des Erfinders entwickeln die beiden von Lynn Grothe und Paula Fina gespielten Puppen nicht Gefühle für ihren jeweiligen Besitzer, sondern stattdessen zueinander.

Als dann "Puppe" Paula von der frisch geschiedenen Marie Tull gekauft wird, nimmt die Katastrophe ihren Lauf. Die beiden künstlichen Intelligenzen ermorden ihre jeweiligen Besitzer, um endlich wieder vereint sein zu können. Doch ehe es zur Wiedervereinigung kommt, sinken beide zu Boden. Erzählerin Lena Siedhoff gibt dem Publikum Aufklärung über das überraschende Ende. "Der Akkustand ist niedrig, ihr Gerät schaltet sich in Kürze ab." Was zunächst wie die Zusammenfassung einer Erzählung von George Orwell klingt, ist in Wahrheit entnommen aus einem Stück der Schauspiel-AG des Kaiserswerther Theodor-Fliedner-Gymnasiums.

Unter dem Titel "Tagschatten" haben sich dabei 21 Schüler in kleinen Gruppen eigene Szenen ausgedacht, die nach Motiven des Romantik-Autors E.T.A. Hoffmann entworfen wurden. "Wir durften uns aus sieben Oberthemen eines als Ansatz aussuchen", sagt Isabel Rayermann. Insgesamt sind schließlich vier Szenen entstanden, die die Schüler zu Stichwörtern wie "lebende Automaten" oder "Elixiere des Teufels" aus Hoffmanns Romanen eigenhändig choreografiert haben. "Die Szenen vereint jeweils ein romantischer Aspekt verbunden mit dem philosophischen Alptraum, dass sich die Technik gegen uns wendet", erklärt AG-Leiter Peter Schulz. Damit das Schauspiel lebendig und näher am Publikum ist, wurde sogar die Bühne der Aula in den Publikumsbereich verlängert. Selbstgefertigte Masken in verschiedenen Farben und musikalische Untermalung durch die Schüler komplettieren die Atmosphäre des Theaterstücks.

Viel Zeit haben die 13- bis 15-jährigen Schüler in den vergangenen Wochen investiert. "Da opfert man auch schon einmal ein ganzes Wochenende vor der Premiere", sagt Lena Siedhoff. Nicht nur für sie, sondern auch für ihre Mitschüler ist das Schauspielen aber eine Herzensangelegenheit. "Mein Kindertraum war es schon immer, Schauspielerin zu werden", sagt Siedhoff. Bereits kurz nach der Einschulung ins Gymnasium wollten sie und Marie Tull bei der Schauspiel-AG mitmachen - für die großen Stücke waren die beiden damals allerdings noch zu jung. Schulz rief daraufhin kurzerhand eine jüngere Gruppe für kleinere Stücke ins Leben. Und seitdem hat das Schauspielen die Schüler nicht mehr losgelassen. "Wäre das nicht so ein instabiler Beruf, würde ich das später auch gerne professionell machen", sagt Siedhoff. Besonders freuen sich die jungen Schauspieler aber auf ein Event im Herbst. Dann geht es nämlich auf Theaterfahrt nach Irland. Im Rahmen einer Schul-Kooperation dürfen die Düsseldorfer Schüler dort dann Szenen aus "King Arthur" aufführen.

Vom Stück "Tagschatten" durften sich bei der Doppel-Premiere am vergangenen Sonntag und Montag zunächst nur Kaiserswerther ein Bild machen. Jetzt bekommen aber auch Bürger aus anderen Stadtteilen die Gelegenheit, am kommenden Wochenende die Aufführung zu sehen. Denn im Rahmen der nun beginnenden Schultheatertage des Forum Freies Theater dürfen die Schüler sich auch auf der ganz großen Bühne zeigen.

(RP)