Düsseldorf findet keinen Ausstellungsort für das Plattbodenschiff

Kulturgut : Ausstellungsort für Plattbodenschiff gesucht

Das Boot wird Ende des Jahres fertig konserviert sein. Die Stadt ist jedoch nicht darauf vorbereitet, es auch zu präsentieren.

Die Mitglieder der Bezirksvertretung 5 hatten das verhindern wollen, doch wie es aussieht, wird das historische Plattbodenschiff zunächst nicht ausgestellt werden können, sondern die Einzelteile werden erst einmal in Kisten verschwinden und eingelagert. Das Boot, welches 2009 bei Deichsanierungsarbeiten in Kaiserswerth entdeckt wurde, wird von Fachleuten als wichtiges Kulturgut bezeichnet. „Umso ärgerlicher ist es, dass in den letzten Jahren von der Verwaltung kein Ausstellungsort gefunden wurde“, sagt Bezirksbürgermeister Stefan Golißa.

Vor einem Jahr hat er an einer zweitägigen Tagung rund um das Boot aus dem 17. Jahrhundert teilgenommen und danach über die Bezirksvertretung die Verwaltung aufgefordert, einen geeigneten Ausstellungsort zu suchen. Diese hatte daraufhin mitgeteilt, dass das vorrangige Ziel sei, das Schiff nach den Konservierungsarbeiten in einem musealen Kontext in Düsseldorf der Öffentlichkeit zu präsentieren. „Hierfür hat derzeit die Suche nach einem geeigneten Standort die höchste Priorität“, sagte die Verwaltung vor mehreren Monaten.

In einer Informationsvorlage, die heute der Bezirksvertretung vorgestellt wird, teilt sie nun mit, dass bislang kein geeigneter Raum gefunden wurde. „Es wurden in den vergangenen Jahren bereits verschiedene Standorte auf Eignung für die dauerhafte Präsentation des Schiffes geprüft. Dabei wurde die mögliche Ergänzung von Bestandsgebäuden als auch die Errichtung eines Neubaus berücksichtigt“, sagt die Verwaltung.

Sie will jetzt eine Machbarkeitsstudie erstellen lassen, welche unter anderem den grundsätzlichen Flächenbedarf und die baulichen Rahmenbedingungen für einen Ausstellungsort ermitteln soll. „Für mich ist nicht nachvollziehbar, warum das jetzt erst erfolgt. Es ist seit Jahren bekannt, dass das Schiff Ende 2019 nach Düsseldorf zurückkehren soll“, sagt Golißa. Ärgerlich findet er auch die Einlagerung des Bootes in Kisten aus finanziellen Erwägungen. „Das ist eine reine Geldvernichtung.“ Denn nicht nur für das Schiff mit einer Länge von 17,40 Metern und einer Breite von drei Metern gelten besondere Lagerbedingungen. Die Experten raten zu einer konstanten Raumtemperatur von 20 bis 24 Grad, einer Luftfeuchtigkeit von 55 Prozent und den Verzicht auf Tageslicht, da sich das Holz unter diesen Bedingungen am längsten hält. Die Verwaltung teilt allerdings nun mit, dass die Kisten in einer bereits von der Stadt genutzten Halle untergebracht werden können.

Die Weitergabe des Schiffs als Leihgabe an eine Institution außerhalb Düsseldorfs, wie etwa das Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven, lehnt Golißa strikt ab. Er will deshalb im Februar in der Bezirksvertretung eine Anfrage stellen, um zu erfahren, ob auch Orte außerhalb der Landeshauptstadt geprüft werden.

Das Kaiserswerther Plattbodenschiff ist das einzige seiner Art, das bisher gefunden wurde. Es hat den französischen Besatzungskräften als Versorgungsboot gedient und kam so aus dem Straßburger Raum ins Rheinland. Es wurde wahrscheinlich versenkt, als die Franzosen Kaiserswerth verließen. Das Boot wird seit sechs Jahren in der archäologischen Werkstatt des Landes Schleswig-Holstein in Schloss Gottorf für rund 600.000 Euro konserviert. Die Arbeiten sollen Ende 2019 abgeschlossen sein. Dann muss die Stadt Düsseldorf das Boot übernehmen.

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