Die ökumenische Hospizgruppe Düsseldorf Kaiserswerth wird 20 Jahre alt.

Hospizarbeit in Düsseldorf : Umfassende Hilfe für den letzten Weg

Vor 20 Jahren wurde die Hospizgruppe Kaiserswerth gegründet. Der Wunsch nach einem stationären Hospiz ist groß.

Es ist ein Wunsch vieler todkranker Menschen, die letzten Tage ihres Lebens in einer vertrauten Umgebung zu verbringen. Seit 20 Jahren unterstützt der Ökumenische Hospizdienst Kaiserswerth, einer der fünf ambulanten Hospizvereine in Düsseldorf, die sterbenden oder schwerstkranken Menschen und deren Angehörige – unabhängig von deren Glauben und Herkunft. Wenn notwendig und gewollt, begleiten und besuchen die ehrenamtlichen Mitarbeiter die Sterbenden auch in Seniorenheimen und Krankenhäusern. Manchmal dauert diese Begleitung nur einen Tag, manchmal auch mehrere Jahre. „Zu unseren Zielen gehört es, in der restlichen Lebenszeit die Lebensqualität zu erhöhen und die Angehörigen zu entlasten“, sagt Dorothée Marquardt.

Gemeinsam mit Christina Paul ist sie als Koordinatorin tätig und damit die erste Kontaktperson für Betroffene und Angehörige. Die beiden Koordinatorinnen entscheiden zusammen mit diesen, welche Art von Hilfe gewünscht wird und versuchen, für die Erfüllung der Bedürfnisse einen möglichst passenden Ehrenamtler für eine Begleitung zu finden. Marquardt und Paul sind die einzigen hauptamtlichen Mitarbeiter des Vereins, der rund 40 ehrenamtliche Helfer – Männer und Frauen im Alter zwischen 40 und 86 Jahren – zählt. Die arbeiten in den Stadtteilen Angermund, Wittlaer, Kalkum, Kaiserswerth und Lohausen. Alle wurden umfassend in einem Kurs geschult, der rund 100 Stunden umfasst und neben theoretischen Einheiten auch die Begleitung von schon fertigen Ehrenamtlern in verschiedene Einrichtungen wie Pflegeheime oder Palliativstationen umfasst. Aber auch danach wird niemand alleine gelassen. Es folgen regelmäßige Gespräche, bei denen das Erlebte reflektiert werden kann.

„Unsere Mitarbeiter können angeben, wie viel Zeit sie investieren wollen und können. Wir suchen dazu dann die passende Aufgabe“, sagt Paul. Die Dienste sind für die Kranken kostenfrei. „Wir führen Gespräche, singen, spielen oder beten bei Bedarf gemeinsam oder sind einfach auch nur da“, sagt Marquardt. Dazu kommt, dass immer mehr Todkranke keine Angehörigen mehr in der Nähe haben und sich einsam fühlen. „Das macht unsere Arbeit immer wichtiger“, sagt Vereinsvorsitzender Bernd Franke.

Manchmal kommt es aber auch vor, dass der Hospizdienst für die Angehörigen wichtiger als für den Sterbenden selbst ist. „Das Thema Tod und Sterben wird gerne verdrängt. Die Menschen wissen deshalb nicht mehr, wie sie damit umgehen sollen“, sagt Franke. Deshalb bietet der Verein auch sogenannte „Letzte-Hilfe-Kurse“ an, in denen die Teilnehmer lernen, was sich für ihre Mitmenschen am Lebensende tun können.

Die Anwesenheit eines Hospizdienstmitarbeiters entlastet zudem die Angehörigen, die unter einem zeitlichen und emotionalen Dauerstress stehen. „Wir leisten psychosoziale Arbeit, sind aber kein Pflege- oder Putzdienst“, sagt Marquardt. Sie bedauert, dass der Hospizdienst häufig erst sehr spät gerufen wird. „Dann ist es uns kaum mehr möglich, eine richtige Beziehung aufzubauen.“ Aber auch nach dem Tod werden die Angehörigen nicht alleine gelassen. So bietet der Verein vielfältige Angebote, um die Trauer zu bewältigen. Dazu gehören zum Beispiel Seminare und gemeinsame Spaziergänge und Mahlzeiten.

„Hospizarbeit macht Freude und hat viele positive Auswirkungen auf das eigene Leben. Der Tod ist nicht mehr etwas Unheimliches und man lernt, das eigene Leben mehr zu schätzen, bewusster zu leben“, sagt Marquardt. Deshalb will der Verein auch mit einer fröhlichen Feier seinen Geburtstag begehen und hat dazu eine Konzertreihe organisiert, die größtenteils von jungen Musikern gestaltet wird. Zudem wird am Mittwoch, 30. Oktober, um 18.30 Uhr in der Stadtkirche ein Dankgottesdienst gefeiert und eine Festschrift herausgegeben.

Und der Wunsch für die Zukunft? „Wir würden gerne ein stationäres Hospiz einrichten. Dazu brauchen wir aber rund 1,5 Millionen Euro und das passende Gebäude“, sagt Franke.

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