Die Kulturkirche in Kaiserswerth bietet ein vielseitiges Programm.

Kaiserswerth : In dieser Kirche wird viel mehr als gepredigt

In der Stammhauskirche von Pfarrer Theodor Fliedner wird heute Kultur geboten. Gottesdienste finden aber auch weiterhin statt.

Das würde dem vielseitig begabten und engagierten Theodor Fliedner bestimmt gefallen: Die 1843 errichtete Stammhauskirche, die der von ihm gegründeten Diakonissenanstalt im selben Gebäude angeschlossen war, ist auch heute noch ein lebendiger Ort der Begegnung, Lehre und Besinnung. Denn der Kirchenraum wird seit 2010 als Kulturkirche genutzt. Dort, wo Theodor Fliedner früher Gottesdienste abhielt und predigte, finden weiterhin regelmäßig Gottesdienste statt, aber auch viele verschiedene kulturelle Veranstaltungen. Außerdem bildet die Fachhochschule Kaiserswerth in der Kirche in Vorlesungen – ganz dem Ursprungsgedanken Theodor Fliedners folgend – junge Studenten im Bereich Sozialarbeit aus.

Vor einem Jahr haben Nina Hundert und Gudrun Jansen im Auftrag der Diakonie Düsseldorf, in deren Trägerschaft sich inzwischen das Altenzentrum Stammhaus und die Kirche befinden, die Aufgabe übernommen, ein neues Konzept für die Kulturkirche zu entwickeln, um das kulturelle Angebot in Kaiserswerth, Düsseldorf und Umgebung weiter auszubauen. Zu der wöchentlichen Reihe „Kultur im Stammhaus“ des Zentrum plus kam ein monatliches Kulturprogramm am Abend hinzu. „Wir hatten direkt einen guten Start und seitdem einen beständigen Erfolg“, sagt Nina Hundert. „Wenn das weiter so gut läuft, könnten wir uns vorstellen, noch mehr Veranstaltungen zu organisieren.“

Die schöne Räumlichkeit, in der bis zu 200 Besucher bequem Platz finden und die dank einer Holzdecke über eine sehr gute Akustik verfügt, hat sich inzwischen in der Künstlerszene herumgesprochen. „Wir bekommen viele Anfragen von Künstlern, die gerne einen Abend gestalten würden“, sagt Jansen. Dabei sind die Darbietungen ganz unterschiedlicher Art. Erlebt werden konnten zum Beispiel schon Theateraufführungen, Poetry-Slams und Konzerte etwa mit Jazz, Singer-Songwritern, Balkanmusik oder klassischen Werken. „Wir wollen offen sein für viele verschiedene Sparten, uns breit aufstellen und immer wieder über den Tellerrand blicken“, betont Hundert. Und das Angebot will Menschen jeden Alters ansprechen. „Zu uns kann die Großmutter zusammen mit ihrem jugendlichen Enkel kommen.“

Zudem wollen die beiden Organisatorinnen Raum für Begegnungen schaffen. Vor und nach den Veranstaltungen und in der Pause können die Gäste in einem großen Nebenraum bei einem Getränk untereinander und mit den Künstlern ins Gespräch kommen. „Unser Ziel ist es, dass die Menschen hier einen schönen Abend haben“, sagt Jansen.

Im Schnitt 90 Teilnehmer folgen jedes Mal dieser Einladung – Tendenz steigend. „Wir haben inzwischen viele treue Stammgäste, die neue Besucher mitbringen.“ Und diese kommen nicht nur aus Kaiserswerth, sondern aus ganz Düsseldorf und Umgebung. Die Höhe des Eintritts, den sie zahlen müssen, hängt von der Art der Darbietung ab. Manchmal wird auch nur eine Hutsammlung für den Künstler durchgeführt. „Die Kulturkirche arbeitet nicht gewinnstrebend, das heißt, wir investieren alle eingenommenen Gelder wieder in neue Veranstaltungen. So sind wir natürlich immer auch offen für Spenden, die gezielt an die Kulturkirche gehen“, sagt Hundert.

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