Coaching : Mit Pferden für Menschen

Iris Brosen hilft auf ihrem kleinen Hof in Itter Menschen in schwierigen Lebenslagen. Bei ihrer Arbeit als Coach spielen ihre Pferde eine wichtige Rolle.

Tini ist mit 22 Jahren zu alt, um als Schulpferd zu arbeiten. Lotte wurde geradewegs von einem Schlachthof weggekauft, und auch Luna hat bei Iris Brosen ein angenehmeres Leben gefunden. Denn auf ihrem Hof in Itter müssen sie nicht mehr um ihr Leben fürchten: Sie sind Co-Trainer.

Iris Brosen ist ein sogenannter pferdegestützter Coach. Sie arbeitet mit Menschen in schwierigen Lebenslagen, hilft Eltern mit pubertärem Nachwuchs, Kindern mit Prüfungsangst, bei Trennungen und innerfamiliären Problemen. „Ich bin keine Therapeutin, kann aber oft Therapien begleiten“, sagt Iris Brosen. Bei ihr stehen die drei Pferde im Vordergrund, die sie auf einer Weide mit Stall in Itter hält. Brosen selbst nimmt beim Coaching meist die Rolle des stillen Beobachters ein. Nach einem Vorgespräch stellt sie ihren Klienten Aufgaben oder lässt sie mit den drei Ponys interagieren. Ihre Klienten sollen beispielsweise einen Parcours für die Tiere bauen und mit ihnen abgehen. „Daran, welche Hindernisse wie positioniert werden und wie der Mensch auf Probleme reagiert, erfahre ich schon einiges über den Klienten lernen und auf dieser Grundlage mit ihm arbeiten“, erklärt Pferde-Coach Brosen.

Warum nutzt sie dazu gerade die Pferde? Iris Brosen erklärt, dass Pferde besonders unvoreingenommen sind und die Emotionen des Menschen so spiegeln wie kein anderes Tier. Daher müssen ihre Ponys auch nicht besonders fügsam oder anhänglich sein. „Im Prinzip kann ich mit jedem Pferd arbeiten, dass nicht beißt.“

Im Alter von zwei Jahren saß Iris Brosen zum ersten Mal im Sattel, in ihrer Jugend war sie als Turnierreiterin aktiv. Irgendwann wollte sie den Stress sich und den Tieren jedoch nicht mehr antun. „Ich war auf der Suche nach einer schonenderen Form der Haltung“, sagt sie. 2016 ließ sie sich dann zum pferdegestützten Coach ausbilden.

Inzwischen lebt Brosen vom Coaching mit den Pferden – und davon, dass sie selbst Trainer ausbildet. Sie hat drei Pferde, die auf ihrem kleinen Hof in Itter stehen. Eine Stunde Coaching kostet zwischen 49 und 69 Euro, momentan arbeitet sie mit fünf Familien. Wer wie sie die Ausbildung zum pferdegestützten Coach absolvieren will, kann dies in Kleingruppen in Düsseldorf tun. Der Kurs dauert vier Tage. Brosen reist auch für Einzelkurse durch Deutschland. „Viele Reithallen wollen einen Coach in ihrem Angebot haben, außerdem bilde ich Sozialpädagogen und Reitlehrer aus“, erzählt sie. Einzige Voraussetzung ist eine gewisse Affinität zu Pferden. „Man muss kein Top-Reiter sein, da beim Coaching nicht geritten wird“, sagt sie.

Intensives Reiten würden die drei Pferde auf dem Hof in Itter nicht mehr aushalten. Doch in ihrer Rolle als Assistenz-Trainer fühlen sich Tini, Lotte und Luna wohl.