Itter: Erneut Schüsse im Naturschutzgebiet

Itter : Erneut Schüsse im Naturschutzgebiet

Bürger aus Itter bemängeln den Abschuss eines Fuchses durch die örtliche Jägerin. Dieser sei unnötig gewesen und habe Passanten gefährdet. Zudem monieren sie die hohe Lärmbelastung am Abend. Von der Stadt sind sie enttäuscht.

Nur kurz freuten sich die Anwohner am Mickeler Busch über den Anblick eines Fuchses, der allabendlich am Rande Itters seine Bahnen zog, denn das Tier ist tot. "Als wir am Donnerstagabend auf der Veranda saßen, hörten wir einen Schuss", sagt Heiko Haupt. Die örtliche Jägerin hatte den Fuchs erschossen. Neben Haupt und seinem Sohn ist auch die Familie von Sonja Krüger-Hopmann durch die Schüsse aufgeschreckt worden. "Ich bin sofort aus dem Haus und habe die Jägerin zur Rede gestellt", berichtet sie. Diese habe Krüger-Hopmann erläutert, dass der Fuchs den Menschen zu nah gekommen sei und keine Scheu gezeigt habe. Ebenfalls habe sie auf die Gefahr durch den Fuchsbandwurm verwiesen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Anwohner sich über die Jagdmethoden in diesem Gebiet beschweren. Bereits im Dezember 2014 gab es einen ähnlichen Fall, bei dem aus einem Auto geschossen worden sein soll. Damals wurde Anzeige erstattet, jedoch ohne Erfolg. Die Anwohner bemängeln die abendliche Lärmbelastung durch die Schießerei und die aus ihrer Sicht mangelhaften Sicherheitsvorkehrungen. "Zum Zeitpunkt der Schüsse befand sich ein Hundehalter in unmittelbarer Nähe des Fuchses. Es wurde aber weder abgesperrt, noch auf den bevorstehenden Abschuss hingewiesen", sagt Haupt. Dies hätten auch die herbeigerufenen Polizeibeamten bemängelt, die sich noch am gleichen Abend der Sache vor Ort angenommen hätten. "Besonders zur Sommerzeit, in der es lange hell bleibt und dementsprechend viele Menschen im Naturschutzgebiet unterwegs sind, ist dies äußerst gefährlich und unverantwortlich", ergänzt er. Haupt bezeichnet sich nicht als Gegner der Jagd, fordert aber eine Balance zwischen den Interessen der Jägerschaft und denen der Anwohner. "Wenn ohne Grund ein offenkundig ungefährliches Tier erschossen wird oder wenn im Winter auf eine Hand voll Gänse geschossen wird, die angeblich die Saat der Felder beschädigen, und wenn dies dann auch noch in den späten Abendstunden geschieht, dann stimmt etwas nicht", meint Haupt. Seine bisherigen Beschwerden beim Ordnungsamt blieben ohne Erfolg. "Nach Wochen bekam ich zum Teil technische Antworten, die einseitig die Jägerschaft in Schutz nahmen", sagt er. "Ich habe das Gefühl, dass die Stadt sich mehr um die Interessen der Jäger kümmert, als um die der Anwohner."

Gerade Itter sei als Stadtteil so attraktiv, weil er viel Natur und damit auch Tiere böte, die beispielsweise Kinder anderswo nur in Büchern zu sehen bekämen. Sonja Krüger-Hopmann, die ihrer Tochter den Fuchs am Wochenende zeigen wollte, kommt nun in Erklärungsnot. Die Frage ihrer Tochter, warum der Fuchs erschossen wurde, könne sie ihr nicht beantworten, sagt sie.

Ähnlich sieht es Heiko Haupt. Er fordert von der Stadt, sich den Bedürfnissen der Anwohner anzunehmen. "Es würde doch reichen, wenn die Jäger kurz in einer Mail ankündigen, wann, wo und warum gejagt wird. Das fände ich klasse", meint Haupt. Er sei sich sicher, dass sich das Problem mit mehr Kommunikation von Seiten der Stadt und der Jägerschaft lösen lasse, bleibt aber bei seiner Einschätzung, dass niemand durch den Fuchs gefährdet gewesen sei und der Abschuss somit nicht rechtens war.

Laut Dankwart von Dörnberg, Forstverwalter am Garather Schloss, muss der Schusswinkel immer so sein, dass die Kugel in den Boden gehe und niemanden verletzten könne: "Bei uns wird deshalb nur von einer Kanzel aus geschossen." Bei Schrot sehe das aber anders aus. Zu unterscheiden sei, ob es sich um einen Jungfuchs oder einen ausgewachsenen Fuchs handele. "Jungfüchse dürfen immer, ältere erst wieder ab dem 16. Juni geschossen werden", meint Förster von Dörnberg. Laut Stadt ist die Jagdausübung im Außenbereich auch in der Nacht zulässig. "Wir werden den Einzelfall auch mit Blick auf die Sicherheit prüfen und den Bericht der Polizei heranziehen", sagt Sebastian Veelken, stellvertretender Leiter des Ordnungsamtes.

(maxk)
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