Hubbelrath im Stadtteil-Check : Ein Dorf genügt sich selbst

Der Stadtteil ist groß, aber dünn besiedelt. Das gesellschaftliche Leben ist übersichtlich, aber die Bewohner sind zufrieden damit.

Das Dorf Hubbelrath hat nur knapp 300 Einwohner, der Stadtteil Hubbelrath immerhin rund 1700. Denn Hubbelrath ist auch nach der Abspaltung von Knittkuhl 2014 mit 13 Quadratkilometern flächenmäßig immer noch der zweitgrößte Ortsteil von Düsseldorf – entsprechend dünn besiedelt zwar, aber auch die Stratenhofsiedlung und der Rotthäuser Weg (zumindest zum Teil) gehören dazu, die Bergische Kaserne nicht zu vergessen, die Zentraldeponie, die wunderschönen Natur- und Landschaftsschutzgebiete Rotthäuser und Hubbelrather Bachtal sowie gleich zwei Golfclubs.

Das Dorf aber ist wie ein Stadtteil für sich, und Christoph Wicharz ist so etwas wie der Bürgermeister. Immerhin ist er der Schützenchef und bis vor Kurzem auch Leiter der Freiwilligen Feuerwehr, „aber das sollen jetzt mal Jüngere machen“, sagt der 59-Jährige. Bis auf drei Jahre hat er immer in Hubbelrath gelebt, berufsbedingt und der Liebe wegen kehrte er seiner Heimat mal kurz in Richtung Essen den Rücken, dann war die Liebe vorbei und Wicharz kam zurück. Dass Hubbelrath gemeinhin als Rückzugsort der Reichen gilt, stimme nur bedingt, „es gibt gerade hier im Dorf oder am Stratenhof auch ganz normale Einfamilienhäuser“, sagt Wicharz, Geschosswohnungsbau sucht man hier allerdings vergebens.

Christoph Wicharz ist der Chef der Schützen in Hubbelrath, bis vor kurzem leitet er auch die Feuerwehr im Ort. Foto: Marc Ingel

Idyllisch ist es hier rund um die katholische St. Cäcilia Kirche (die evangelische wurde entwidmet), Außenstehende würden vielleicht langweilig sagen. Aber Menschen wie Wicharz (und davon gibt es viele in Hubbelrath) reicht es, was geboten wird: Schützen- und Dorffest, St. Martin und der Tag der offenen Tür bei der Feuerwehr, dann spielen auch immer die Hubbelrather Dorfmusikanten.

Die jüngeren Bewohner engagieren sich in der Hubbelrather Landjugend, die Jäger im Hubbelrather Hegering. Der Schützenzug ist der kürzeste in Düsseldorf – wenn überhaupt 100 Meter vom Friedhof bis zum Bürgerhaus. Dort steht das heimliche Rathaus, und Wicharz wird von Wirtin Petra Heller mit einem Küsschen auf die Wange begrüßt.

Am Golfplatz steht die einsamste Bushaltestelle der Stadt, weit und breit kein Stromanschluss, im Dunklen müssen die Fahrgäste mit dem Handy auf sich aufmerksam machen, damit der Busfahrer sie wahrnimmt. So ist Hubbelrath. Dass Knittkuhl sich von Hubbelrath losgesagt hat, sieht Wicharz kritisch: „Vorher waren wir ein politisches Leichtgewicht in Düsseldorf, jetzt geht unser Einfluss gegen Null.“ Aber was soll‘s, Hubbelrath kommt auch so klar.

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