Holthausen: Stadt schließt Kindertreff jetzt doch

Holthausen : Stadt schließt Kindertreff jetzt doch

2011 und 2015 kämpften Eltern und Politiker erfolgreich für den Erhalt. Jetzt soll das Angebot wie schon damals geplant in die Einrichtung Kamper 17 umziehen. Bereits seit Freitag gibt es an der Geeststraße kein offenes Spielangebot mehr.

Der Arbeitskreis Holthausen, in dem seit 1986 unter anderem die Sozialverbände und die Kirchen zusammengeschlossen sind, fürchtet um den Erhalt des Kindertreffs an der Geeststraße 99. Erst 2015 - und davor schon 2011 - wurde nur durch ein großes Engagement von Eltern, deren Kinder die Einrichtung besuchen, diese vor dem Aus bewahrt. Das Deutsche Rote Kreuz hatte damals angekündigt, sich zum Jahresende 2015 als Träger zurückziehen zu wollen.

Zunächst hatte die Stadt geplant, die Angebote in der städtischen Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtung (JFE) "Kamper 17" weiterzuführen. Die liegt rund 700 Meter von der Geeststraße entfernt. Doch nach dem Protest auch aus der Politik sicherte die Stadt erstmal an Ort und Stelle den Mittagstisch und die Hausaufgabenbetreuung für die Sechs- bis 13-Jährigen als Dependance vom "Kamper 17" .

Doch jetzt werden Nägel mit Köpfen gemacht: Bereits seit Freitag gibt es in der Geeststraße im Anschluss an die Hausaufgabenbetreuung kein offenes Spielangebot mehr für die Kinder. Offen kommuniziert wurde das vorab allerdings nicht. Die Schulkindergruppe soll noch bis zu den Sommerferien montags bis freitags von 12 bis 15 Uhr dort hinkommen können. Dann ist in den Räumen an der Geestraße ganz Schluss. Durch den Umzug einer Ganztagsgruppe aus dem Kamper 17 in die Klarenbachschule werden in der JFE an der Kamperstraße Räume für die Schulkinderbetreuung frei. Auch ein Mittagessen soll es da künftig geben. Ursächlich für diese Entscheidung soll unter anderem ein Schimmelbefall in der stark sanierungsbedürftigen Einrichtung an der Geeststraße sein. Das Gebäude ist in die Jahre gekommen. Allerdings gab es keine Anweisung von der Bauaufsicht, es zu schließen.

Für den Sprecher des Holthausener Arbeitskreises, Florian Langfeld, denkt die Verwaltung in ihrer Entscheidung zu kurz: "Die Enttäuschung bei vielen ist sehr groß. Es sind sogar Tränen geflossen. Die Angebote wurden von vielen Familien aus der Geeststraße und umliegenden Straßen eifrig genutzt." Für ihn ist dabei der Sozialraum an der Geeststraße mit seinen Bewohnern der klare Verlierer. Ob alle Kinder den Umzug zur Kamper 17 mitmachen, diese Frage kann derzeit niemand beantworten. Auch für Bezirksbürgermeister Karl-Heinz Graf ist der Umzug keine gute Option: "Wegen der sozialen Struktur vor Ort ist die Einrichtung an der Geeststraße wichtig." Der Arbeitskreis hat sich schon Ende April, als die ersten Zeichen auf Schließung standen, mit einem Brief an Oberbürgermeister Thomas Geisel gewendet. Der hatte sich 2015 noch für den Erhalt an Ort und Stelle eingesetzt Eine Antwort steht bislang aus. Das Jugendamt argumentiert, dass mit der Integration der Betreuung aus der Geeststraße in die Angebotsstruktur der JFE Kamper 17 dem Anspruch nach einem ganzheitlichen pädagogischen Ansatz effektiver entsprochen werden könne als am bisherigen Standort. Kinder könnten so nahtlos vom Grundschulalter bis zum jungen Erwachsenenalter betreut werden. "Auch darin sieht die Stadt eine strukturelle Verbesserung gerade für Kinder aus belasteten Sozialmilieus", heißt es.

(rö)
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