Holthausen : Papa arbeitet direkt um die Ecke

Seit 75 Jahren können die Henkel-Mitarbeiter ihren Nachwuchs in einen betriebseigenen Kindergarten bringen. Ein Angebot, das viele Eltern gerne annehmen. Gestern wurde das gefeiert.

Als Thoralf Bork im Jahr 2001 bei Henkel anfing, waren eigene Kinder für ihn noch kein Thema. Das hat sich inzwischen geändert. Seine Tochter Emilia ist sieben, Sohn Nicolas fünf Jahre alt. "Emilia war bis vor einem Jahr im Gerda-Henkel-Kindergarten, Nicolas wird noch ein Jahr dort sein", sagt er.

"Würde ich heute einen Arbeitgeber suchen, wäre eine Betriebs-Kita sicher ein Argument für die Firma", sagt der IT-Fachmann. "Durch die Kita hier weiß ich nicht nur, dass die Kinder gut betreut sind, sondern auch, dass ich gleich um die Ecke bin, falls mal etwas passieren sollte."

Mit einer Jubiläumsfeier samt antikem Kinderkarussell und Leierkastenmann feierten Eltern, Kinder und Betreuer gestern das Jubiläum des Kindergartens.

Seit 75 Jahren unterstützt das Unternehmen die Mitarbeiter bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Eine Idee, die eigentlich aus der Not geboren wurde: 1940 waren viele Männer im Krieg oder bereits gefallen. Die Frauen waren somit alleinerziehend und mussten den Lebensunterhalt verdienen. Sie arbeiteten in den Fabriken, auch bei Henkel. "Damals gab es kaum öffentliche Betreuungsangebote, deswegen hat Henkel kurzerhand selbst einen Kindergarten eröffnet", weiß Regina Neumann-Busies, Leiterin der Sozialen Dienste bei Henkel. "So etwas war damals noch sehr selten in Deutschland." 35 Plätze gab es anfangs, doch der Bedarf stieg ständig. 1962 zog der Gerda-Henkel-Kindergarten vom Betriebsgelände an die benachbarte Bonner Straße um, seit 1997 hat die Arbeiterwohlfahrt die Trägerschaft inne.

Heute werden mehr als 240 Mitarbeiter-Kinder an drei Standorten betreut. 2008 eröffnete die Kita "Kleine Löwen", 2013 folgten "Die Waschbären." Besonders in den vergangenen zehn, 15 Jahren habe sich viel getan, sagt Neumann-Busies. "Viele Mütter fangen relativ früh nach der Geburt wieder an, in Teilzeit zu arbeiten. Deswegen nehmen wir bereits Kinder ab vier Monaten auf." Auch durch die Öffnungszeiten von sieben bis 18 Uhr können die Eltern die Betreuung flexibel nutzen. "Wir legen viel Wert auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf." Das Angebot könne jeder nach seinen Wünschen nutzen. Neumann-Busies hat auch bemerkt, dass immer mehr Väter die Chance auf Elternzeit nutzen. Mitarbeiter, die Fragen rund um das Thema Kinderbetreuung haben, könnten sich jederzeit an den Sozialen Dienst wenden. "Wir unterstützen Eltern immer dabei, eine passende Lösung zu finden. Sei es durch einen Platz im Betriebskindergarten, einer anderen Einrichtung oder durch eine Tagesmutter.

Vater Thoralf Bock ist froh, dass seine Kinder beide zur Kita an der Bonner Straße gehen konnten. Der große Innenhof mit den Spielgeräten biete viel Freiraum für die Kinder. Außerdem sei im Gebäude viel renoviert worden, von Fenstern und Türen bis hin zur Heizungsanlage. "Jetzt gibt es im Außenbereich sogar ein paar Hühner, um die sich die Kinder mit kümmern", ist er begeistert. Die Eier werden zugunsten des Fördervereins verkauft.

(RP)
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