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Holthausen/Oberbilk: Künstler wollen ins Atelierhaus investieren

Holthausen/Oberbilk : Künstler wollen ins Atelierhaus investieren

Zahlreiche Mitglieder des Vereins "Kunst im Hafen" verfolgten die Bürgeranhörung zum geplanten Ausbau des Reisholzer Hafens mit gemischten Gefühlen. Das Atelierhaus genießt jetzt aber erst einmal Bestandsschutz.

Er sei doch immer wieder erstaunt über die unterschiedlichen emotionalen und fachlichen Ebenen bei derartigen Veranstaltungen - mit diesen Worten beendete Bezirksbürgermeister Karl-Heinz Graf nach mehr als zweistündiger Diskussion die Bürgeranhörung für das Holthausener Projekt "D.Port/Reisholzer Hafen".

 Der Zahn der Zeit nagt an den Gebäuden im Reisholzer Hafen. Auch Graffiti-Sprayer haben sich auf den Häuserwänden bereits verewigt.
Der Zahn der Zeit nagt an den Gebäuden im Reisholzer Hafen. Auch Graffiti-Sprayer haben sich auf den Häuserwänden bereits verewigt. Foto: Andreas Bretz

In der Tat kochten immer wieder Emotionen aus der Zuhörerschaft hoch - vom schlicht unhöflichen Dazwischenrufen bis zum mittlerweile leider rechtspopulistischen Pegida-Protest verkommenen Ausrufes "Wir sind das Volk". Der maßgebliche Grund für die Emotionalisierung der Anhörung dürfte nicht zuletzt in dem grundlegenden Misstrauen der Mitglieder der Bürgerinitiative "Hafenalarm" liegen, die sich bereits vor vollendete Tatsachen gestellt sehen - im Klartext den maximalen Ausbau als Containerhafen auf 56 Hektar. Als Beweis wurden entsprechende Aussagen von NRW-Minister Michael Groschek angeführt.

Stephan Keller, zuständiger Dezernent der Stadt, versuchte immer wieder deutlich zu machen, dass das Projekt in den Händen der Stadt liege, und dass das rechtlich vorgeschriebene Anhörungsverfahren lediglich der erste Schritt sei. In dem mittlerweile vier Jahren dauernden Prozess ist das neue Hafengebiet inzwischen auf 35 Hektar verkleinert worden.

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Auch weiterhin sollen die Einwände der Bürger aufgenommen werden, um sie innerhalb der Verwaltung abzuarbeiten, sicherte die Leiterin des Planungsamtes, Ruth Orzessek-Kruppa zu. Weitere Kritik zielte auf ein Verkehrsgutachten, das durch den potenziellen Investor, also die Gesellschaft Neuss-Düsseldorfer Häfen, in Auftrag gegeben wurde und von daher kaum ergebnisoffen erstellt sein könne. Weitere Kritikpunkte von Bürgern waren einerseits die bislang in der Diskussion ausgesparten Beeinträchtigungen für Natur und Umwelt sowie die Zahlen hinsichtlich des künftigen Bedarfs an Hafenkapazitäten.

"Da das Projekt nur eine Chance mit Fördergeldern des Bundes habe, könne man sicher sein, dass die Bedarfsanalyse besonders kritisch geprüft werde", entgegnete Keller, und man werde auch die Umweltverträglichkeit genauesten prüfen. Der Initiativen-Forderung, die Verwaltung möge eine komplette Alternativ-Lösung entwickeln, erteilte er jedoch eine klare Absage. Das wird Ulf Fleming, Betriebsratschef bei der Firma Komatsu gerne gehört haben. Der Hafen sei für das an der Forststraße ansässige Unternehmen "überlebenswichtig". In der Vergangenheit habe Komatsu bereits große Maschinenteile mit dem Lkw quer durch die Republik fahren müsse.

Zahlreiche Mitglieder des Vereins "Kunst im Hafen" verfolgten die Anhörung mit gemischten Gefühlen; in die Diskussion selbst mischten sie sich allerdings nicht ein. Das überließ man den verteilt im Zuhörerraum sitzenden Mitgliedern der Initiative "Hafenalarm".

Denn inzwischen steht fest, dass das große Backsteinhaus in der Nähe der 350 Meter lange Kaimauer erstmal nicht überplant wird. "Einerseits bleiben unsere Ateliers und die Ausstellungshalle erhalten, andererseits wird sich die beschauliche Atmosphäre insbesondere durch die 1200 Lkw, die künftig am Tag durch den Hafen fahren sollen, massiv ändern", sagte Günter Krajewski, Vorsitzender des Vereins "Kunst im Hafen". Gleichwohl wollte Dirk Balke eine Verlängerung des bestehenden Mietvertrags angehen. "Wir würden noch einiges Geld in die Ausstellungshalle investieren, doch dafür brauchen wir Planungssicherheit." Betroffen durch die Planung sind jedoch die Ateliers von Gisela Machalz, Tim Eiag sowie Bertolt Mohr. "Die gesamte Atmosphäre hier im Hafengebiet wird durch den Lkw-Verkehr leiden" ist sich auch Vera Herber von der Galerie "Töchter und Söhne" sicher.

(sb-)