Holthausen/Benrath: Kritik an Plänen für Gefahrenstofflager

Holthausen/Benrath: Kritik an Plänen für Gefahrenstofflager

Die Firma Scheren Logistik möchte in ihrem Lager am Karweg künftig hochgiftige Stoffe lagern. Beim gestrigen Erörterungstermin äußerten Politik und Anwohner große Bedenken.

500 Tonnen sehr giftige Stoffe, 2500 statt wie bisher 500 Tonnen giftige Stoffe und 4850 statt 2400 Tonnen entzündbare Chemikalien. Die Pläne der Firma Scheren Logistik zur Erweiterung ihres Gefahrenstofflagers am Karweg haben bei Bürgern und Anwohnern für einen Sturm der Entrüstung gesorgt. Gestern lud nun die zuständige Bezirksregierung zu einem öffentlichen Erörterungstermin.

Die vierzig Stühle, in einem Viereck formiert, im Benrather Bürgerhaus glichen an diesem Tag einer Angriffsformation. Auf der einen Seiten der Geschäftsführer Helmut Jörg Scheren mit Mitarbeitern, Anwalt und mehrere seiner Sachverständigen. Auf der anderen Seite ernste Mienen und enttäuschte Gesichter der Bürger, die Einwände gegen die geplante Erweiterung eingereicht hatten. Dazwischen nahmen rund 20 Gutachter und Vertreter vom städtischen Umweltamt und Bauaufsichtsamt Platz.

Bis zum 17. November bestand für Bürger die Möglichkeit, Einwände gegen die geplante Erweiterung des Gefahrenstofflagers einzureichen. Diese Chance blieb nicht ungenutzt. "Ein Gefahrenstofflager so nah an einem Wohngebiet erweitern zu wollen, ist skandalös", sagt Kristian Witsch, der einer der Kritiker ist. Die unmittelbare Nähe zur Wohnbevölkerung war zugleich der größte Kritikpunkt der Gegner. Sie befürchten gesundheitliche Schäden bei möglichen Störfällen im Lager.

Die Nähe zur Wohnbevölkerung stieß jedoch nicht nur den Bürgern übel auf. Auch die zuständige Bezirksvertretung äußerte bereits im November Zweifel an dem Projekt und beschloss ebenfalls einen Einwand gegen den Ausbau an die Bezirksregierung zu schicken. "Von den neuen Inhaltsstoffen, die dort gelagert werden sollen, geht ein zusätzliches Gefahrenpotenzial aus", sagt Udo Skalnik (SPD), stellvertretender Bürgermeister der Bezirksvertretung 9. Im Ernstfall könne davon die hundert Meter entfernte Flüchtlingsunterkunft, die Sporthalle am Karweg und die rund 500 Meter entfernte Wohnbebauung betroffen sein, sagt Skalnik. "Es sind zu viele Fragen noch nicht abschließend geklärt."

"Es werden keine neuen Hallen gebaut, sondern die bestehenden lediglich für andere Stoffe genutzt", erklärt Mark Scheren, Sohn des Geschäftsführers. Zudem wolle man die Sicherheitsvorkehrungen modernisieren.Dennoch gibt es seitens der Bürger und Politiker Bedenken, da in den Hallen auch wassergefährdende Stoffe gelagert werden sollen, die nicht ins Grundwasser oder den Rhein gelangen dürfen.

Ein weiterer Diskussionspunkt war die bereits durchgeführte Vorprüfung der zuständigen Behörden, die zu dem Ergebnis kamen, dass "erhebliche nachteilige Umweltauswirkungen durch das Vorhaben nicht zu erwarten sind." Kritisch beurteilen die Bürger, dass es laut Behörden keine Verpflichtung für Umweltverträglichkeitsprüfung gebe.

Am Ende des Erörterungstermins stand ein mehrseitiges Ergebnisprotokoll, das der Bezirksregierung nun als Entscheidungsgrundlage für die Genehmigung dienen soll. Skalnik: "Mit einem endgültigen Ergebnis ist frühestens im Januar zu rechnen. Dann hoffe ich, dass wir als Bezirksvertretung noch einmal mitreden können."

(RP)