Im Repair Café Holthausen werden Elektrogeräte repariert

Repair Café : Eine neue Chance für den Mixer

Im Holthausener Repair-Café versuchen Fachleute, alte Elektrogeräte vor dem Müll zu retten.

Manchmal ist es nur das Kabel. Manchmal muss Dieter Frank zum Lötkolben, zur Zange oder zum Starkkleber greifen. Und manchmal bleibt ihm nur ein „Tut mir Leid, aber da ist nichts mehr zu machen.“ Seine Kunden verstehen das. Schließlich zahlen sie nichts dafür, dass Frank und seine Kollegen ihren alten Elektro-Geräten eine zweite Chance geben.

An jedem ersten Mittwoch im Monat findet im Zentrum plus in Holthausen das Repair-Café statt. Die Idee stammt aus den Niederlanden: Es geht darum, kaputte Gegenstände wieder zu reparieren, und zwar sollen dies im besten Fall Fachleute und Besitzer gemeinsam tun. Es trifft also Nachbarschaftshilfe auf Hilfe zur Selbsthilfe. Diese ist kostenlos, oft wird jedoch um Spenden gebeten. Das Konzept ist rechtlich geschützt, jedes neue Repair-Café muss sich online registrieren.

In Holthausen organisiert Ute Frank, Leiterin des Zentrum plus, das Café. Die Fachleute, die helfen, sind Profis, haben beruflich im technischen Bereich gearbeitet. Drei Männer kümmern sich um kleine Elektrogeräte von der Kaffeemaschine bis zum i-Pod, eine gelernte Hauswirtschafterin flickt Kleidung und Hüte. „Sie alle arbeiten hier ehrenamtlich“, erzählt Ute Frank. Die Werkzeuge hat das Zentrum plus angeschafft, durch Spenden konnte die Ausrüstung erweitert werden.

Seit anderthalb Jahren gibt es das Repair-Café in Holthausen, mit großem Erfolg. „Die Menschen kommen aus der ganzen Umgebung zu uns“, sagt Frank zufrieden. Ihr ist wichtig, dass das Café nicht als Ersatz für einen Reparaturservice gesehen wird. „Wir übernehmen nur Dinge, bei denen die kommerziellen Werkstätten passen.“

Dafür, dass die Geräte am Ende des Tages tatsächlich wieder funktionieren, gibt es keine Garantie; am Eingang unterschreiben die Gäste einen Haftungsausschluss. Dennoch kann die alte Maschine oft wieder in Betrieb genommen werden. Ute Franks Mann Dieter sitzt an einem der Tische im Café, vor sich einen Kasten mit Werkzeugen. Er hat beruflich Straßenbahnen konstruiert und repariert und ist von Anfang an beim Repair-Café dabei. „Ich kann so etwa 60 bis 70 Prozent reparieren“, sagt er. Zehn bis 15 Aufträge bearbeitet er an jedem Termin.

Im Moment beschäftigt sich Dieter Frank mit einem Rührbesen, den ihm eine ältere Dame mitgebracht hat. Beim Mixen ist ihr eine Gabel zwischen die Rührstäbe geraten, einer ist nun verbogen und an einer Stelle gebrochen. Mit einer Zange biegt Frank das Metall wieder in Form, mit einem Kleber flickt er die Bruchstelle. „Das muss jetzt bis morgen früh trocknen“, sagt er der Besitzerin. „Und schweren Teig schafft es vermutlich nicht mehr.“ Trotzdem, da sind sich der Fachmann und die Kundin einig: Besser als Wegwerfen. Dann wendet sich Dieter Frank einem alten Radio zu, bei dem das Stromkabel kaputt ist. Er öffnet das Gehäuse, zieht ein paar Schrauben nach. „Das Gerät ist in Ordnung, so ein Kabel gibt es im Laden zu kaufen“, sagt er zur Zufriedenheit der Besitzerin.

Neben dem praktischen Ergebnis steht im Repair-Café auch eine politische Botschaft im Hintergrund. „Neue Geräte kriegt man oft kaum noch geöffnet“, erzählt Dieter Frank aus Erfahrung. Es gebe fest verschweißte Gehäuse und Sollbruchstellen. „Es ist, als würden die Hersteller gar nicht mehr wollen, dass man Dinge repariert.“ Auch seine Frau hat diesen Eindruck. „Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft“, sagt sie. Wenn etwas nicht mehr funktioniere, werde einfach ein neues Modell gekauft. „Dabei kann man durch Reparatur Geld sparen und die Umwelt schonen“, sagt Ute Frank. Und sie freut sich über all die Kaffeeautomaten, Haartrockner und Bohrmaschinen, die dank des Repair-Cafés nicht im Abfall landen.

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