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Holthausen: Milch- und Kohlenhändler gibt's nicht mehr

Holthausener Natur-und Kulturpfad : Milch- und Kohlenhändler gibt’s nicht mehr

Am Mittwochnachmittag erweiterten die Senioren des „Zentrums plus“ ihren historischen Rundweg zum Stadtteil Holthausen.

Es ist unerträglich heiß auf den Straßen von Holthausen, nur wenige Passanten sind unterwegs. Mühsam ziehen sie ihre Schatten hinter sich her, die die Sonne in scharfen Konturen auf den Asphalt malt.

Die Senioren der Einrichtung „Zentrum plus“ treffen sich heute trotzdem — ein wichtiger Termin steht an. Etwa zwölf von ihnen haben sich am Mittwochnachmittag vor dem Blumenhaus Schwering versammelt. „Wir sind der harte Kern von Holthausen“, sagen sie lachend — „nicht klein zu kriegen.“ Gemeinsam hängen sie die 39. Informationstafel ihres Natur- und Kulturpfades „Holthausen auf der Spur“ auf, der den Stadtteil historisch beleuchtet. Die neue Station, im alteingesessenen Blumenladen verortet, erinnert an die vielen Einzelhändler, die es einst im Stadtteil gab.

„Früher haben hier überall kleine Geschäfte ihre Waren angeboten“, erinnert sich Ingrid Möller und zeigt auf die Häuser an der Kölner Landstraße. Sie zog 1962 nach Holthausen und kaufte damals regelmäßig in den kleinen Läden ein. „Es gab hier zum Beispiel Milchläden, Spielzeuggeschäfte und viele Bäckereien. Die fehlen uns heute“, sagt die Düsseldorferin. Die großen Geschäfte hätten die vielen kleinen Händler verdrängt.

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Mit der neuen Station auf dem Kulturpfad möchte die Gruppe an die alte Zeit erinnern. Gemeinsam mit Künstlerin Anne Mommertz haben sie alte Fotos gesammelt und ihre Recherchen und Erinnerungen aufgeschrieben: „Es gab Drogerien, Milchläden, Geschäfte für Tabakwaren, Kurzwaren, Eisenwaren, Haushaltswaren, Weißwaren und Schreib- und Spielwaren“, zählen sie im Informationstext der Station auf.

Heinz Schwering erinnert sich gut an diese Zeit. „Früher war hier in jedem Haus ein Geschäft“, sagt der Düsseldorfer, der seit 38 Jahren den Blumenladen an der Kölner Landstraße betreibt. „Aus dem Jahr unserer Eröffnung besteht einzig noch die Apotheke nebenan.“ Zwar hätten sich die Blumen-Wünsche der Kunden mit den Jahren verändert, aber das Geschäft floriere wie am ersten Tag. „Wir sind ja auch ein Fachgeschäft“, sagt Schwering zur Erklärung. Jeden Morgen steht er kurz vor drei Uhr auf und fährt zum Blumengroßmarkt in Derendorf. „Wir können auf jeden einzelnen Kundenwunsch eingehen“, sagt er, das leiste ein Discounter nicht.

In seinem Schaufenster macht nun die neue Station von „Holthausen auf der Spur“ auf die Blütezeit der Einzelhändler aufmerksam. Wer die Schwarz-Weiß-Fotos auf der Tafel betrachtet, begibt sich auf eine Reise in die Zeit, als noch keine Supermärkte den Stadtteil rund um den Kamper Acker prägten: Auf einem Foto ist ein Schreib- und Spielwarengeschäft zu sehen. Laternen für St. Martin hängen über dem Eingang, im Hintergrund stapelt sich Spielzeug. Daneben sind die Verkäuferinnen einer Drogerie abgebildet. In dem Regal, das hinter ihnen in die Höhe ragt, lagern Kerzen, Putzmittel und Nagellack.

„Das Projekt trägt wesentlich zur Identifikation mit diesem Stadtteil bei“, sagt Ute Frank vom „Zentrum Plus“ des Düsseldorfer Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB). Auch zugezogene Bürger würden von den 39 Informationstafeln profitieren, die die Gruppe inzwischen in Holthausen aufgestellt habe. Im ganzen Stadtteil weisen die Stationen auf die Geschichten alter Häuser und Straßenzüge hin, auch Themen wie die Musik oder der Sport in Holthausen werden historisch beleuchtet. Ideen zu weiteren Tafeln gehen den Mitglieder der Gruppe nicht aus.