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Düsseldorf-Holthausen: Ein Hoffnungsschimmer für den Gutshof

Stadtrat soll über die Sanierung des Guthofes Niederheid in Eigenregie entscheiden : Ein Hoffnungsschimmer für den Gutshof

In einem Gutachten von 2013 ist von Sanierungskosten in Höhe von mindestens fünf Millionen Euro die Rede. Der nur noch bis Oktober amtierende alte Stadtrat wird über eine Sanierung in Eigenregie wohl nicht mehr entscheiden. Die Kommunalwahlen in NRW sind am 13. September.

Oberbürgermeister Thomas Geisel hatte bei seinem Besuch auf dem Gutshof Niederheid vergangene Woche Sonntag ein Geschenk für die Betreiberin des Kinderbauernhofes, Christina Tschorn, im Gepäck. Er ist inzwischen der Meinung, dass nach der gescheiterten Ausschreibung die Stadt die unter Denkmalschutz stehende Hof­anlage in Eigenregie sanieren solle, um das Angebot des therapeutischen Reitens zu erhalten.

Geisel kann das allerdings nicht alleine bestimmen; er braucht dafür ein Votum der Politik. Und so ordnet Andreas Hartnigk, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion im Stadtrat, diese Stippvisite auch unter der Rubrik Wahlkampf ein: „Herr Geisel hätte seit 2016 Zeit gehabt, eine positive Zukunft für den Hof und das Angebot anzugehen.“

Ratsfrau Ursula Holtmann-Schnieder (SPD) geht nicht davon aus, dass der nur noch bis Oktober amtierende alte Stadtrat über eine Sanierung in städtischer Hand entscheiden wird, vor allem auch vor dem Hintergrund, dass die Fraktionen aktuell wegen der Sommerferien nicht tagen. Die Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses. findet, dass darüber der neue Stadtrat entscheiden solle, der sich nach der Kommunalwahl am 13. September einen Monat später konstituiert.

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Wie viel Geld die Sanierung kosten wird? Das weiß derzeit niemand. In einem 2013 erstellten Gutachten geht die Stadt von „grob geschätzten fünf Millionen Euro“ aus. Rechnet man alleine die Preissteigerung hinzu, wird man bei einer Summe von über sieben Millionen Euro landen. Seit 2014 dürfen Teile der Anlage auf Grund einer Nutzungsuntersagung nicht genutzt werden.

Anfang 2016 war öffentlich geworden, dass sich die Stadt von ihrer stark sanierungsebedürftigen Immobilie trennen wollte. Weil schnell 2000 Unterschriften für den Erhalt des dort beheimateten Kinderbauernhofes zusammenkamen, sicherte die Stadt zu, zu versuchen, das Angebot zu erhalten. Zunächst war mit dem Betreiber eines ähnlichen Reitangebotes in Rommerskirchen verhandelt worden. Allerdings kam es nicht zu einem Vertragsabschluss. Stattdessen beschloss die Verwaltung Ende 2019, der Politik eine Ausschreibung vorzuschlagen.

Auf diese meldete sich ebenfalls ein Investor, der aber zu viele eigene Ideen hatte. Auch wenn durch das Verfahren wieder Zeit verloren worden sei, freut sich Holtmann-Schnieder, dass Geisel nun dieses Angebot gemacht hat: „Es ist gut, dass die Stadt nicht jeden Forderungen eines Investors nachgibt.“ Ihr ist es wichtig, dass das tolle Angebot des Kinderbauernhofes aufrecht erhalten bleibt. „dafür haben sich damals schon fraktionsübergreifend viele Ratsmitglieder stark gemacht“.

Karl-Heinz Graf, Bezirksbürgermeister im Stadtbezirk 9, präferiert nach wie vor die Lösung mit dem Anbieter aus Rommerskirchen: „Er hat sich zwar nicht nochmal auf die Ausschreibung beworben, aber er hat mir gesagt, dass sein Angebot weiter steht. Wenn es einen guten Investor gibt, dann bin ich der Überzeugung, dass der das alleine besser macht als die Stadt – und vor allem schneller.“ Der CDU-Mann hat nämlich die Sorge, dass die Sanierung in städtischer Eigenregie nur zu einer weiteren Verzögerung führt: „Bei dem Termin am vergangenen Sonntag konnte Herr Geisel mir trotz mehrfacher Nachfrage keine Zeitschiene nennen. Und der Zustand der Gebäude wird ja immer schlechter.“

120.000 Euro hat die Bezirksvertretung 9 noch von ihren frei zu verteilenden Bauunterhaltungsmitteln auf der hohen Kante. Das ist ein Zuschuss für das neue Dach für die Scheune. Bei einer Gesamt­summe jenseits der fünf Millionen ist das aber nur ein, wenn auch dickerer Tropfen auf dem heißen Stein. Der Idee, in diese Künstlerateliers unterzubringen, kann Graf nichts abgewinnen: „Im Reisholzer Hafen gibt es schon eine Künstlerkolonie und mir wurde berichtet, dass es dort noch Kapazitäten gibt.“ Auch der Vorschlag von Oberbürgermeister Thomas Geisel, auf dem Gelände eine Kindertagesstätte einzurichten, ist nicht neu. Bereits 2017 kam das ins Spiel. „Dafür muss jetzt aber auch erst noch das Gespräch mit dem Jugendamt gesucht werden. Alles Aspekte, die weiter Zeit kosten werden.“

Christina Tschorn, die den Kinderbauernhof als Pächterin der Stadt betreibt, hatte sich wegen der ungewissen Zukunft im März von der Reitschule und deswegen auch von einigen Tieren getrennt. Sie wollte das Angebot umstrukturieren, damit die Kosten für sie überschaubarer werden. Doch dann kam auch ihr Corona dazwischen. Gebuchte Angebote können aktuell nur eingeschränkt stattfinden. Noch die ganzen Sommerferien ist der Hof für Besucher geschlossen.