Holthausen: Diktatoren auf Waschlappen in der Galerie

Holthausen : Diktatoren auf Waschlappen in der Galerie

"Töchter & Söhne" zeigt Malerei von Holger Kurt Jäger sowie Objekte von Guido Zimmermann.

"Töchter & Söhne" zeigt Malerei von Holger Kurt Jäger sowie Objekte von Guido Zimmermann.

Ob es den Spaß an der morgendlichen Dusche erhöht, wenn den Waschlappen das Konterfei des syrischen Diktators Baschar al-Assad, seines früheren libyschen Pendants Muammar al-Gaddafi oder des österreichischen Inzest-Psychopathen Josef Fritzl ziert, mag dahin gestellt bleiben. Auf jeden Fall lösen die von Holger Kurt Jäger auf Waschlappen gemalten Porträts eine Irritation aus, deren Nachhall den ersten Belustigungs-Effekt deutlich übertrifft.

Jäger, Jahrgang 1979, kam zunächst als Gasthörer von Peter Doig an der Kunstakademie Düsseldorf intensiv mit Kunst in Kontakt. Später wechselte er an die Hochschule für Bildende Kunst in Essen, die er als Meisterschüler von Stefan Schneider abschloss. "Auf meinen Waschlappen-Bildern dominieren asymmetrische Biografien, da ist einerseits die Erhöhung durch das Porträt an sich, dann nimmt man wahr, um welche Charaktere es sich da in Wirklichkeit handelt", sagt Jäger. Und schon ist der Betrachter im Strudel widersprüchlicher Persönlichkeiten zwischen Fakten und Fiktion gefangen.

Die gleiche Verunsicherung geht von dem Bild einer jungen Frau aus, deren gebückte Haltung als erotische Pose, genauso gut aber auch als Yoga-Übung begriffen werden kann. Hinzu kommt, dass sie auf dem Bild als Griff einer Spülbürste dargestellt ist. Diese Direktheit wurzelt in der Street Art-Vergangenheit Jägers, in der er erstmals auf den Frankfurter Künstler-Kollegen Guido Zimmermann traf.

Eine gewisse Skurrilität wohnt auch dessen "Cuckoo Blocks" inne, ein Wortspiel aus der klassischen Kuckucksuhr und Block als Bezeichnung für das klassische Wohn-Hochhaus. Seine Objekte sind nach originalen Vorbildern renommierter Architekten wie Marcel Breuer oder Ernö Goldfinger entstanden. Seine Miniatur-Plattenbauten stattete Zimmermann (Jahrgang 1978), mit der Kuckucksuhr-Technik nach Schwarzwälder Vorbild aus. Tatsächlich erscheint in Fenstern oder Türen ein mechanischer Kuckuck. Und der erinnert daran, dass in diesen Wohnsilos der Kuckuck vielfach in Form eines Pfandsiegels auftaucht. Zudem kann sein Kuckuck-Ruf auch als Weckruf für eine städtebauliche Umkehr verstanden werden. "Das Beispiel des Hotels La Flaine in den französischen Alpen, entworfen von Marcel Breuer, ist ein Beispiel dafür, wie brutale Architektur die Ästhetik der Natur zerstören kann", sagt Zimmermann, dessen Cuckoo Blocks mit Vorliebe von Architekten gesammelt werden.

Die Ausstellung bei Töchter & Söhne ist bis zum 15. Juni, jeweils mittwochs, donnerstags, samstags und sonntags von 12 bis 17 Uhr zu sehen. Individuelle Besichtigungstermine können unter Telefon 0173-52 30 540 vereinbart werden.

(RP)
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