Serie Stadtteil-Geschichten : Ein Pfad durch Holthausens Vergangenheit

Der Kulturpfad Holthausen soll seit sieben Jahren die Identität des Stadtteils bewahren und Zugezogenen nahe bringen.

Heute ist die Itterstraße geprägt von mehrstöckigen Wohnhäusern, doch noch vor etwas mehr als 100 Jahren bestimmten Wirtschaftsgebäude, Ställe und Felder das Bild. Im Zuge der Industrialisierung und der neuen Stadtplanung wichen Bauern und Höfe, um Platz für die Arbeiter der nahen Fabriken zu schaffen. Viele Landwirte mussten ihre Betriebe aufgeben, so auch Hans Cohnen seinen Pütze Hoff – der einer der letzten landwirtschaftlichen Betriebe in der Gegend gewesen war. Cohnen errichtete dort, wo früher sein Hof gestanden hatte, einen Wohnblock und wurde zum Vermieter. Aus Dankbarkeit für die positive Schicksalswende errichtete der gläubige Marienverehrer im Innenhof seines Wohnbocks einen kleinen Marienschrein, der dort heute noch zwischen Blumen und Hecken steht. „Genau hier zeigt sich der Kontrast zwischen dem alten und dem neuen Holthausen“, sagt Anne Mommertz.

Die 53-jährige Künstlerin ist federführend am Kultur- und Naturpfad „Holthausen auf der Spur“ beteiligt. Im Rahmen des Projekts haben Anwohner aller Generationen – von Schulkindern bis zu Senioren – einzelne Punkte aus der Geschichte des Stadtteils zusammengetragen, historische Orte und solche, wo die Geschichte unter der Moderne versteckt liegt, wie den Pütze Hoff. Tipps für die nächsten Stationen sammelt Mommertz bei den Holthausenern. „Viele alte Einwohner des Stadtteils sprechen von Orten, die für sie selbstverständlich sind, die aber Außenstehende verwirren, weil es sie so nicht mehr gibt“, erzählt Mommertz, die selbst aus Aachen stammt und für ihr Studium nach Düsseldorf kam.

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich Holthausen von einem landwirtschaftlich geprägten Stadtteil in ein belebtes Industriequartier verwandelt: Zahlreiche alte Gebäude mussten der Modernisierung weichen, Ackerland wurde Bauland und viele Menschen kamen neu in den Stadtteil. „Aber die alten Holthausener sind noch da, nur wenige sind weggezogen, anders als in anderen Arbeiterstadtteilen“, sagt Mommertz. Die Menschen hier seien stolz auf ihren Stadtteil, auch wenn er sich verändert habe. Es sei wichtig, die Identität aufrecht zu erhalten. Dabei soll auch der Kulturpfad helfen.

40 Stationen hat er inzwischen, von Schulen und Kindergärten über ehemalige Bauernhäuser wie den Pütze Hoff bis zum Schmitze-Büdchen, wo sich die Nachbarschaft seit Jahrzehnten mit Bier, Zigaretten und Klatsch versorgt. „Solche Einrichtungen prägen das Bild des Stadtteils und sind wichtig für die Menschen, die dort wohnen“, sagt Mommertz.

Die Stationen des Kulturpfades, die mit Bürgern erarbeitet und vom Zentrum plus finanziert werden, sollen eine Brücke schlagen zwischen dem alten, bäuerlichen Holthausen und den Zugezogenen, so hofft die Künstlerin. Von der Idee bis zur fertigen Station mit Infotafel dauere es normalerweise ein halbes bis ein Jahr, 2011 wurde an der Hügelstraße der Anfang gemacht.

Für Mommertz geht es bei dem Projekt um Identität. „Ich finde, die äußeren Stadtteile werden im alltäglichen kulturellen Leben in Düsseldorf etwas stiefmütterlich gehandelt“, sagt sie. Sie will dem entgegenwirken, indem sie mit offenen Augen und Ohren durch Holthausen geht und immer wieder denkt: „Da muss eigentlich auch ein Schild hin.“