Alteingesessene und Neubürger in Düsseldorf Holthausen

Alt und neu in Holthausen : Die alte und die neue Heimat

Helga und Hermann Becker haben noch nie woanders gelebt als in Holthausen. Reza Ahmadi ist mit seiner Familie aus dem Iran geflohen und fand 2015 im Awo-Familientreff an der Geeststraße einen neuen Lebensmittelpunkt.

Wenn man wie Hermann Becker und seine Frau Helga schon so lange in einem Stadtteil lebt, dann kennt man Hinz und Kunz. Etwa zweimal in der Woche zieht sich der 82-Jährige die Schuhe an und geht auf zwei, drei Bier in die Kneipe, meist in das Jägerstübchen an der Itterstraße. Zwei Stunden später ist er zu Hause und kann seiner Frau viel Neues aus dem Stadtteil berichten. Genauso geht es ihr, wenn sie nur mal kurz einkaufen will. Unter zwei Stunden laufe da auch nichts, sagt Hermann Becker und lacht.

Die beiden sind ein eingespieltes Team, im November haben sie Diamantene Hochzeit. Ihre 60 Ehejahre haben sie komplett in Holthausen verbracht, wo sie sich in der Volksschule an der Itterstraße kennenlernten. Vom Balkon ihrer Wohnung aus haben sie einen besonderen Blick: auf den Chemiepark von Henkel. Dabei hat dort keiner von ihnen gearbeitet, was eher ungewöhnlich für einen Hothausener ist. Er schaffte beim RWE, sie bei der Rheinischen Post.

Nach dem Eintritt in den Ruhestand ging es mit der Arbeit direkt weiter. Hermann Becker engagiert sich fast überall, bei den Schützen und den Jägern; er ist Mitglied des Seniorenrates und organisierte nun schon zum fünften Mal die Senioren-Schiffsstour der Stiftung „Herz und Hand“ für 240 Senioren. Früher lud er mit seinem Verein zudem zum Straßenfest auf dem Kamper Acker, zu dessen Rettung er sich sogar mit dem früheren OB Dirk Elbers anlegte. „Der Platz war eine zeitlang richtig heruntergekommen“, sagt Becker, seit die Methadonpraxis fort sei, habe sich alles entspannt. Seine Frau hält ihm den Rücken frei; sie engagiert sich bei der Kfd in Benrath. Was sie sich für Holthausen wünschen? „Einen Supermarkt und einen Metzger.“

Foto: RP/Dominik Schneider

Seit drei Jahren lebt Reza Ahmadi mit seiner Familie in Holthausen. Als Flüchtling kam er 2015 aus dem Iran – erst nach Wesel und dann nach Düsseldorf. Inzwischen hat er sich hier eingelebt, hat seinen Trainerschein für Kung Fu gemacht, eine eigene Wohnung und einen eigenen Verein gegründet.

„Ich fühle mich hier wohl. Die Menschen hier haben mir sehr geholfen, das zu erreichen“, sagt Ahmadi dankbar. Bereits als kleines Kind hat der 49-Jährige begonnen, die chinesische Kampfkunst zu trainieren, in Deutschland hat er es als einen Weg gesehen, sich einzubringen. Mit Unterstützung der AWO konnte er seine Übungsleiter-Lizenz beim Stadtsportbund machen. Danach folgte die Vereinsgründung, neun Monate dauerten die Formalitäten. „Das ist eben Deutschland“, scherzt der Iraner.

„Meine Frau, meine Tochter und ich sind durch den Sport mit vielen Deutschen in Kontakt“ erzählt er. Zunächst hat er nur Kinder bei der AWO trainiert, inzwischen buchen ihn Vereine und Schulen. Die Nachmittag gehören der Kampfkunst, vormittags studiert Ahmadi, um seinen Abschluss in Marketing in Deutschland anerkennen zu lassen.

Vor einiger Zeit hat ihm ein Sportverein ein gut bezahltes Angebot gemacht, wenn er einen Kursus übernimmt. Das musste Rezo Ahmadi ablehnen, denn es gab eine zeitliche Überschneidung mit dem Kinder-Training bei der AWO. „Hier wurde mir von Anfang an gut geholfen“, sagt er, „und ich möchte etwas zurückgeben. Das geht für mich vor“, sagt der 49-Jährige, der in Holthausen eine neue Heimat gefunden hat.

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