Holthausen Holthausen hat Potenzial beim Einkaufen

Holthausen · Serie Stadtteilzentren: Die Trinkerszene am Kamper Acker ist vielen Kunden ein Dorn im Auge.

Wie in Wersten liegt auch in Holthausen der Sortimentsschwerpunkt im Stadtteilzentrum an der Bonner Straße im Bereich der Nahversorgung. 60 Einzelhändler bieten eine Verkaufsfläche von zusammen fast 10 000 Quadratmeter. Dabei vermissen die Holthausener allerdings Geschäfte, in denen sie Schuhe, Bücher oder Unterhaltungselektronik kaufen können, listet die Industrie- und Handelskammer in ihrer Broschüre über die Stadtteilzentren auf.

Hamed Kheirkhah ist der Sprecher der Werbegemeinschaft Holthausen, die zu großen Teilen eine Ein-Mann-Show ist. Weil ihm das neben seinem Fulltime-Job in der elterlichen Apotheke an der Henkelstraße manchmal zu viel ist, appelliert er an die "Eigenverantwortung", die alle Händler in Holthausen hätten.

Auf die Frage, was er an den Menschen im Stadtteil schätzt, muss er nicht lange überlegen: "Sie sind sehr freundlich. Ich arbeite gerne hier." Ihm gefalle dieser Mix aus Arbeitern, Multi-Kulti und denen, die aus Stadtteilen wie Itter und Himmelgeist zum Einkaufen kommen. Ein Pluspunkt ist für ihn der Wochenmarkt: "In Reisholz und in Wersten gibt es keinen und in Benrath ist man, wie man hört, recht unzufrieden mit dem Angebot. Aber unser Markt ist toll. Und auch die Marktbeschicker sind sehr zufrieden." Eine weitere Parallele zu Wersten ist die herausragende Anbindung sowohl per Straßenbahn als auch mit dem Pkw. "Viel besser geht es nicht", sagt die IHK. "Dieser Stadtteil hat Potenzial", sagt denn auch Kheirkhah. Alleine schon deswegen, weil im Henkel-Chemiepark nebenan rund 10 000 Menschen arbeiten, die man als Kunden gewinnen kann. Er ist sich sicher, dass sich deswegen auch alternative Essensangebote gut machen würden. "Wie das Henkelmännchen deluxe in den Rheinhöfen." Aber viele trauten sich mit modernen Essens-Konzepten nicht nach Holthausen. "Aber ich glaube, das würde funktionieren, die Henkelaner wollen doch nicht jeden Tag in der Kantine essen." Das Fischrestaurant etwa, das vor kurzem aufgemacht habe, laufe sehr gut.

Der Apotheker weiß, dass vor dem Preis der Fleiß kommt: "Nur wer am Anfang investiert, kann am Ende ernten." An Ideen, was man alles noch machen könnte, mangelt es ihm nicht, sondern an Zeit und Mitstreitern, die Lust darauf haben, etwas in Gang zu setzen.

Doch natürlich gibt es einen herausragenden Kritikpunkt: die Trinker-Szene, die sich nach wie vor am Kamper Acker trifft. Für etwas Befriedung haben die verstärkten Kontrollen von Polizei und dem Ordnungsamt gesorgt. Doch Abhilfe, da sind sich die Holthausener sicher, gibt es nur dann, wenn die Praxis schließt, in denen die Abhängigen ihr Methadon erhalten. Auch die Vergrößerung der Spielplatzfläche, auf der kein Alkohol getrunken werden darf, habe keine großen Auswirkungen gezeigt. "Ob viele da sind, ist allein wetterabhängig. Es muss sich grundlegend was ändern", sagt der Apotheker, der überzeugt davon ist, dass es sonst die nächsten fünf bis zehn Jahre zu einer Abwärtsspirale kommt.

Der Trend nach unten macht sich bereits bemerkbar. Karl Kirchesch lebt seit 1950 in Holthausen, findet seinen Stadtteil aber bereits seit einigen Jahren "nicht mehr schön". Mehr als sechs Jahrzehnte hat er hautnah miterlebt, aber inzwischen fährt er lieber nach Benrath. Denn zwar könne man in Holthausen gut den täglichen Bedarf decken, aber "der Marktplatz in Benrath ist viel schöner zum Aufhalten". Was Kirchesch dort besonders mag und in Holthausen vermisst: "Die vielen kleinen Geschäfte", sagt der 70-Jährige. Früher habe es in Holthausen viele kleine Familienbetriebe gegeben: Man habe beim Einkaufen immer jemanden getroffen, den man kannte und "viele Pläuschchen gehalten". Nun aber stünden die meisten Ladenlokale leer, einkaufen könne man nur noch bei den Discountern. Kirchesch findet: "Die Atmosphäre des Zentrums ist verloren gegangen." Für René Brosw sind es vor allem die Junkies, die dem Stadtteilzentrum um den Kamper Acker herum ein schlechtes Bild verleihen. "Sie hängen den ganzen Tag hier 'rum und betrinken sich", sagt der 18-Jährige. "Das ist schon blöd wegen der Kinder, die hier herumlaufen oder auf dem Spielplatz spielen." Zum Lebensmitteleinkauf nutzt Brosw die nahen Lebensmitteldiscounter, für alles andere fährt er in die Innenstadt. Bis vor einem Jahr hat er noch in Bilk gewohnt. "Dort ist es viel schöner", sagt er. "Das Zentrum ist richtig gemütlich." Es gebe viele schöne Cafés und Restaurants und "die Atmosphäre dort ist einfach toll".

Doris Püllen ist in Holthausen aufgewachsen. Sie nimmt die Dinge so, wie sie sind. "Die Junkies stören mich nicht", sagt die 81-Jährige. "Um sie mache ich einfach einen Bogen." Aber sie gibt zu: "Ich wünschte mir das Zentrum schöner." Ihre Einkäufe kann sie in den Geschäften um den Kamper Acker herum erledigen, aber für besondere Wünsche fährt sie mit der Straßenbahn nach Benrath. "Da sind die Geschäfte besser und die Atmosphäre ist schöner", sagt sie. Früher sei es in Holthausen familiärer und netter zugegangen. "Inzwischen haben sich die Strukturen des Stadtteils und die Lebensart der Bewohner so stark verändert und manifestiert, dass man daran nichts mehr machen kann."

(emy)
Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort