Himmelgeist: Kleine Jecken spenden Nistkästen

Himmelgeist: Kleine Jecken spenden Nistkästen

Junge Jecken unterstützen mit einer Spende den Naturschutz. Von dem Geld platzierte der Ornithologe Jürgen Schumann jetzt in Wersten vier neue Nistkästen.

Ab Aschermittwoch herrscht in vielen Wohngebieten wieder freie Fahrt. Der Narrenzoll hat ein Ende. Denn an den tollen Tagen waren in zahlreichen Vierteln im Düsseldorfer Süden immer wieder an Kreuzungen Seile gespannt, die Autos an der Weitefahrt hindern sollen. Die kleinen Jecken stehen an den tollen Tagen häufig verkleidet am Straßenrand und hoffen auf Spenden. Eine Form des Brauchtums, die für manchen mittlerweile Überhand nimmt.

So wurde in den sozialen Netzwerken auf Facebook in der Gruppe Himmelgeist/Itter diskutiert, dass Autos bis zu fünfmal halten mussten. Wer nichts spende, werde dann häufig von den verkleideten Jungen und Mädchen mit üblen Schimpfworten tituliert.

Die Meinungen, ob der Narrenzoll ein fröhlicher Ausdruck des Brauchtums ist oder eine nervende Belästigung, gehen dabei weit auseinander. Mancher packt vorausschauend einfach Süßigkeiten ein, die er den Kindern als Spende zusteckt, andere geben Geld. Manche fahren aber auch langsam durch die Sperren weiter. Denn auch gefährliche Situationen können im Straßenverkehr durch den verlangten Narrenzoll entstehen. Ein Nutzer auf Facebook beschreibt, dass ihm im Dunklen sogar ein Clown vor das Auto gesprungen sei.

Neu ist, dass der Narrenzoll dem Naturschutz zugute kommt. Vor einem Jahr spendeten Johannes Strzyzewski (9) und Adrian Eggers (10) aus Himmelgeist ihren Narrenzoll dem Naturschutzbund Düsseldorf. "Die Kinder kamen auf die Idee, dass sie etwas für den Naturschutz sammeln möchten", sagt Mutter Stefanie Strzyzewski. Die rund 100 Euro, die beide Jungs bei ihrer Aktion einnahmen, wurden in neue Nistkästen investiert. Gemeinsam suchten die Familien sie aus - insgesamt vier Exemplare wurden gekauft. Jetzt nutzte Ornithologe Jürgen Schumann die Karnevalszeit, um sie aufzuhängen. "Ende Februar ist dafür die richtige Zeit. Anfang März werden die Nistkästen besetzt", sagt er. Beliebt sind sie dann bei Kleinvögeln wie Kohl- oder Blaumeisen.

Häufig fehlen natürliche Nisthöhlen in der Stadt, so dass Nistkästen eine Alternative bieten. Seit den Anfängen des Vogelschutzes zählt das Bauen und Anbringen von Nistkästen zu den festen Bestandteilen aktiver Naturschutzarbeit vor Ort, erklärt der Naturschutzbund Deutschland. Die künstlichen Nisthilfen seien gerade dort besonders sinnvoll, wo Naturhöhlen fehlten, weil alte und morsche Bäume nicht mehr vorhanden seien, oder weil an Gebäuden geeignete Brutnischen fehlen.

Noch sind die Kästen in den nicht belaubten Bäumen für Spaziergänger gut sichtbar. Jürgen Schumann platzierte die gespendeten Nistkästen in der Nähe des Boxerplatzes in Wersten und auf der gegenüberliegenden Hundewiese am Brücker Bach zwischen der Brücke am Mendelweg und der Himmelgeister Landstraße. Wenn die Vögel einziehen, wollen auch die jungen Spender nochmal mit dem Ornithologen vorbeischauen, und sehen, was aus dem Narrenzoll wurde.

(RP)