Ehrenamt : Himmelgeisterin hilft in Indien

Brigitte Tittmann-Reutter engagiert sich für die indische Region Palani Hills. Die dort lebenden Menschen sind vom raschen Wirtschaftswachstum des Landes ausgeschlossen. Es mangelt an Bildung und medizinischer Versorgung.

Fünf Stunden dauert es, aus dem Tal hoch zu den Dörfern der notleiden Bevölkerung in den Palani Hills in Indien zu kommen. Um die medizinische Versorgung zu sichern, nehmen die Schwestern des Franziskanerinnen-Ordens diesen Weg regelmäßig auf sich und halten acht Stunden lang Sprechstunde. Danach heißt es wieder fünf Stunden zurückfahren. „Die Ordensschwestern arbeiten bis zum Umfallen“, sagt Brigitte Tittmann-Reutter aus Himmelgeist, die erste Vorsitzende des Vereins „Medizinische Hilfe für Palani Hills“ ist. Obwohl die Franziskanerinnen engagiert seien, könnten sie ohne die Unterstützung aus Deutschland ihre Arbeit nicht annähernd im gleichen Maße leisten.

Tittmann-Reutter war mehrfach selbst vor Ort in Indien und hat bereits dreimal selbst den beschwerlichen Weg in die Berge auf sich genommen. „Im vorigen Jahr hat mich mein Mann begleitet und gefragt, warum ich mir das antue. Es sind enorme körperliche Anstrengungen“, sagt sie. Seit 17 Jahren ist sie im Verein aktiv: „Was mich antreibt, sind die Menschen in Indien. Ihre Dankbarkeit, ihre Zufriedenheit sind einfach faszinierend.“ Alleine hätten die Menschen, die in entlegenen Gebieten leben, kaum eine Chance, ihre Grundbedürfnisse zu decken. „Indien wird immer als aufstrebende Wirtschaftsnation gesehen, aber die Ärmsten bleiben auf der Strecke“, erklärt Tittmann-Reutter. In den Palani Hills gehe es vielen Menschen immer noch sehr schlecht, aber durch das Spendengeld seien bereits große Verbesserungen erreicht worden. In der Basisstation, dem Fatima Hospital in Dindigul, welches von Ordensschwester Doktor Sister Helen geführt wird, konnte 2014 eine Zahnarztpraxis eingerichtet werden. „Die Praxis lief am Anfang schleppend, doch inzwischen hat sie sich entwickelt. 2000 bis 2500 Patienten können jährlich versorgt werden“, sagt die erste Vorsitzende. Auch die allge­mein­medizinische Versorgung im Krankenhaus ist abgedeckt. Fach­ärzte kommen bei Bedarf nach Dindigul, denn die Kapazität, diese Kräfte dauerhaft zu bezahlen, fehlt. Seit 2017 reist einmal im Jahr ein deutsches Ärzteteam an, um kostenlose gynäkologische Opera­tionen durch­zuführen. In diesem Jahr konnten beispielsweise 22 Gebärmutter­vorfälle behandelt werden. „Durch schwere Arbeit kann es dazu kommen, dass sich die Gebärmutter senkt und neben Schmerzen auch Blasenstörungen verursacht. In Deutschland wird so etwas sofort behandelt. In Indien leben die Frauen damit teilweise zehn bis 15 Jahre, weil sie sich keinen Arzt leisten können“, erklärt Tittmann-Reutter.

Neben ärztlicher Behandlung ist auch Bildung ein wichtiges Thema für den Verein. So führen die Schwestern des Franziskanerinnen-Ordens Aufklärungsgespräche unter anderem über Hygiene und gesunde Ernährung. In Schulen vor Ort unterrichten sie die Kinder zu ähnlichen Themen. Darüber hinaus gibt es ein Patenschafts­projekt, in dem 46 Kindern und Studenten aus mittellosen Familien die Schul- und Berufsausbildung finanziert wird. Per E-Mail und WhatsApp steht der Verein in ständigem Kontakt mit Doktor Sister Helen und wird über die neusten Entwicklungen unterrichtet.

Gerne würde Brigitte Tittmann-Reutter noch mehr leisten, doch die Mittel des Vereins seien momentan ausgeschöpft. Eigentlich bräuchten sie für ihre derzeitige Arbeit 80.000 Euro jährlich, dieses Ziel kann nicht immer erreicht werden. „Wir sind auf Spenden angewiesen und freuen uns über jede Unterstützung, um die Unge­rechtigkeit in den Palani Hills zu mindern“, sagt die Vorsitzende. Nähere Informationen unter www.palani-hilfe.de.

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