Himmelgeist: Ein schwieriges Miteinander in der Jücht

Himmelgeist: Ein schwieriges Miteinander in der Jücht

Freizeitsportler, Reiter und Spaziergänger halten sich gerne im Himmelgeister Rheinbogen auf. Was wo erlaubt ist, ist genau geregelt.

Täglich lockt das Gebiet rund um den Himmelgeister Rheinbogen Spaziergänger, Jogger, Fahrradfahrer und Reiter. Der Rhein ist nah, Schloss Mickeln und die Kirche St. Nikolaus bilden eine reizvolle Kulisse. Felder säumen die Wege und Pferde grasen auf den Koppeln. Wer Naherholung sucht, findet ein Idyll vor der Haustür. Die großartige Landschaft bietet viel Raum für Freizeitgestaltung. Das birgt allerdings auch Konfliktpotenzial.

Margit Ahrens ärgert sich über den Zustand der Wege durch den Himmelgeister Rheinbogen. Ihrer Meinung nach sorgen Reiter für viele Unebenheiten. Foto: Anne Orthen

Margit Ahrens lebt seit 20 Jahren in Itter und hat direkt vor der Haustür ein paar Wanderwege durch die Jücht. Regelmäßig geht sie dort Walken. Doch jetzt ärgert sie sich über den Zustand der Wege. "Seitdem die Pferde jetzt überall laufen dürfen, sind die naturbelassenen Wege völlig aufgewühlt und matschig", sagt sie. Im Januar war noch alles durch die Kälte gefroren und hart, der Weg zwar uneben, aber passierbar. Mit Anstieg der Temperaturen am ersten Märzwochenende habe sich die Situation verändert, sagt sie. Margit Ahrens fragt sich: "Warum dürfen die Pferde jetzt überall hin und machen die Wege kaputt?"

Wer in der Jücht welchen Weg benutzen darf, ist auf den ersten Blick gar nicht so leicht auszumachen. Rund um den Himmelgeister Rheinbogen weisen eine Fülle von Schildern auf Ge- und Verbote hin. Unverzichtbar im Naturschutzgebiet. Wer am Wanderparkplatz hinter der Kirche St. Nikolaus startet, kann sie vor der Fahrt mit dem Rad durch die fünf Kilometer lange asphaltierte Route in Ruhe lesen.

Keine "Mofas" zeigt ein Schild an, gefolgt vom Hinweis, auf den Wegen zu bleiben und Hunde anzuleinen. Rund um Schloss Mickeln gibt eine kleine Tafel mit erhobener Hand die Anweisung: "Bitte nicht reiten", dieser Weg ist mit Genehmigung der Unteren Landschaftsbehörde gesperrt. Auf dem Privatweg ist außerdem das Betreten der Wiesen, Weiden und Felder verboten. Querfeldein laufen ohnehin die wenigsten Besucher. Sie erfreuen sich gerade an Wochenenden an dem verzweigten Netz aus Feldwegen und asphaltierter Strecke.

Recht unterschiedlich ist die Beschaffenheit der Wege in dem großen Gebiet ohnehin. Selbst von Seiten der Reiter kommt der Hinweis, dass aktuell ein offizieller Reitweg Richtung Deich und Forsthaus zerstört sei, seit dort Baumsägemaßnahmen stattfanden.

Dem interessierten Beobachter zeigen kleine Schilder am Wegesrand, wo ein offizieller Reitweg ist. Von den Änderungen, die das Reiten in Nordrhein-Westfalen mittlerweile im Wald erlauben und seit 1. Januar 2018 in Kraft sind, ist die Jücht ohnehin nicht betroffen. In Düsseldorf gilt eine Allgemeinverfügung, die besagt, dass das Reiten in Düsseldorfer Wäldern weiterhin nur auf ausgewiesenen Reitwegen möglich sein soll.

Neben dem Ausritt im Wald ist das Reiten auch sonst geregelt. Die Stadt Düsseldorf informiert darüber auf ihren Internetseiten. Dort heißt es dazu: "Das Naturschutzgesetz regelt das Reiten in der freien Landschaft und im Wald. So ist das Reiten in der freien Landschaft auch auf privaten Straßen und Wegen grundsätzlich gestattet. Wege, die für bestimmte Nutzergruppen ausgewiesen sind, wie zum Beispiel gekennzeichnete Fuß- und Radwege, dürfen zum Reiten oder Führen von Pferden nicht genutzt werden."

Auch auf landwirtschaftlich genutzten Flächen dürfe nicht geritten werden, heißt es dort weiter. Die Informationen der Stadt besagen, dass in Naturschutzgebieten und Landschaftsschutzgebieten das Reiten nur auf Straßen und Wegen erlaubt ist. Ein Querfeldeinritt über Felder oder Wiesen ist laut Stadt absolut tabu. Für das Reiten auf öffentlichen Verkehrsflächen gelte demnach die Straßenverkehrsordnung. Sie besagt, dass Reiter die Fahrbahn zu benutzen haben, nicht aber Fahrrad- und Gehwege.

Frei von Konflikten ist das Zusammentreffen in einem Ballungsraum mit mehr als 630.000 Einwohnern wie in einer Großstadt wie Düsseldorf also nicht. Spaziergänger, Familien, Reiter, Freizeitsportler, Radfahrer und Hundebesitzer müssen sich beliebte Wege und Strecken teilen und das vor allem an den Wochenenden und nach Feierabend.

Margit Ahrens fragt sich, ob sie sich zukünftig eine andere Walking-Strecke suchen muss: "Alternativ könnte ich mit dem Auto in den Südpark fahren; aber das will ich ja eigentlich nicht", sagt sie: "Jetzt haben wir ein bisschen Natur und man könnte das nutzen, aber die Wege sind unpassierbar."

(sime)