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Düsseldorf: Junge Pächter für Kneipe Zur Rheinfähre in Himmelgeist

Schneeball-Geschichte aus Düsseldorf : Dorf-Wohnzimmer in Himmelgeist gerettet

Lisa Schouven und Kevin Langer haben mitten in der Pandemie ihre Lieblingskneipe „Zur Rheinfähre“ in Düsseldorf-Himmelgeist übernommen. Sie haben es bislang keine Sekunde bereut - und sogar schon ein neues Getränk kreiert.

Manchmal fügen sich die Dinge einfach so: Es war im vergangenen Frühjahr, als Kevin Langer (30) bei einem Bierchen in seiner Stammkneipe „Zur Rheinfähre“ in Alt-Himmelgeist saß. Wegen Corona lief sein Business als freiberuflicher Mediengestalter gerade nicht besonders, und dann erzählte ihm Wirt Klaus Kempen, dass er im Sommer in den Ruhestand gehen wolle.

Das geht doch nicht, war Langers erster Gedanke, der zweite: Und wenn ich übernehme? Zu Hause traf er bei seiner Lebensgefährtin auf offene Ohren: Himmelgeisterin Lisa Schouven ist ausgebildete Systemgastronomin und arbeitete beim Mexikaner Sausalitos an der Bolker Straße. „Ich habe ihm zugeredet“, erzählt die 26-Jährige, die ihren Freund zunächst eigentlich nur in ihrer Freizeit unterstützen wollte.

Anfang Juli 2021 übernahm Kevin Langer den Platz hinter dem Tresen und mit seiner Freundin auch gleich die Wohnung, die über der Kneipe liegt. Zunächst für zwei Jahre hat das Paar das gesamte Haus vom Besitzer gepachtet. Im Oktober dann entschieden sie, dass Lisa ihre Vollzeitstelle aufgibt und sie die die Gaststätte zu ihrem gemeinsamen Ding machen.

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Anders sind die sechs Tage Betrieb – Dienstag ist Ruhetag – ab 16 und bis mindestens 23 Uhr kaum zu schaffen. „Wir haben festgestellt, dass wir gut zusammen arbeiten können“, sagt die 26-Jährige. Nicht eine Sekunde hätten sie seitdem ihren Schritt bereut, berichten beide unisono.

Und das obwohl nicht alles glatt gelaufen ist. Weil sie eine neue Konzession haben beantragen müssen, hätten sie, um warme Speisen anbieten zu können, einen Fettabscheider einbauen müssen. „Das wäre zu teuer gewesen“, sagt Kevin Langer. Noch nicht einmal eine Wurst dürfen sie deswegen aufwärmen und auch keine Frikadellen anbieten. „Das hatten wir uns anders vorgestellt“, sagt die 26-Jährige.

Jetzt gibt es an den gut frequentierten Abenden eben frisch belegte Brötchen. Am Anfang hätten einige Gäste das fehlende gastronomische Angebot bemängelt, deshalb entschieden die neuen Wirtsleute kurzerhand, dass es für sie okay ist, wenn die Gäste per Lieferdienst Essen in die Rheinfähre bestellen.

Für viele Himmelgeister ist die Eckkneipe „Zur Rheinfähre“ das Wohnzimmer des Dorfes. Wie lange es sie genau gebe, sei nicht ganz klar, sagt Langer. Ein historisch bewanderter Himmelgeister versuche das gerade zu recherchieren. Mindestens im 19. Jahrhundert gab es das Lokal schon, damals betrieben von Franz Klein. Ein Foto zeigt eine Schwarz-Weiß-Fotografie aus der Zeit weit vor dem Zweiten Weltkrieg.

Behutsam hat das Paar die Inneneinrichtung ein wenig in die Jetzt-Zeit geholt. Die Lampen über den Tischen sind neu, passen aber gut zu der urigen Möblierung aus dunklen Hölzern und dem Namen der Kneipe, der sich auf die Himmelgeister Fähre bezieht. Wegen Corona ist sie die vergangenen zwei Jahre nicht mehr in See gestochen, das bedauern auch Langer und Schouven. Neu ist auch ein Dart-Automat. „Zunächst stieß der auf Kritik“, erzählt der 30-Jährige, inzwischen vergehe kein Abend, an dem dort nicht gespielt werde. Und natürlich werden auch alle Fortuna-Spiele gezeigt.

Die Kneipe ist eine von wenigen ohne festen Brauereivertrag. In der Woche kommt Schlösser-Alt aus dem Hahn, an den Freitagen Alt von Düsseldorfer Hausbrauereien. Auf der imaginären Getränkekarte ist Schouvens Handschrift zu erkennen. Aus dem Sausalitos hat sie ihre Leidenschaft für Cocktails mitgebracht.

Wenn ein Gast ihr sagt, was er gerne mag, zaubert sie das passende Getränk. So enstand im Sommer der Himmelgeister Spritz. „Stammgäste haben mir von einem Getränk erzählt, das sie auf Borkum so gerne getrunken haben“, erzählt die Systemgastronomin. Sie hat es ein bisschen modifiziert und Himmelgeister Spritz getauft. „Den mögen übrigens auch Männer“, sagt Kevin, „obwohl er pink ist.“

Wenn das Wetter es zulässt, dann wollen sie wieder Tische vor die Tür stellen, allerdings nur zwei, weil es dort nur wenig Platz gibt. Deshalb trauern sie dem großen Biergarten nach, der früher zu der Gaststätte gehörte und auf dessen Fläche nun Wohnhäuser stehen. Was sich für sie geändert hat? Nicht viel, sagt Lisa Schouven und lacht: „Früher saßen wir vor dem Tresen und jetzt dahinter.“