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Düsseldorf-Himmelgeist: Feuerwehr im Dauereinsatz

Himmelgeist : Freiwillige Lebensretter im Dauereinsatz

In diesem Jahr hatte die Feuerwehr bereits 41 Einsätze auf dem Rhein. Bei etwa der Hälfte war die Freiwillige Feuerwehr Himmelgeist/Itter beteiligt. Im Juli mussten die Helfer sogar bis zu drei Mal am Tag ausrücken.

Ein entspanntes Abendessen mit der Familie, ein Tag mit Freunden im Freibad oder einfach mal die Seele baumeln lassen — was für viele diesen Sommer normal ist, ist für die Helfer der Freiwilligen Feuerwehr Düsseldorf derzeit so gut wie gar nicht möglich. Vor allem die Anzahl der Einsätze im Rhein ist rekordverdächtig. Auch die Wache in Himmelgeist hat alle Hände voll zu tun. Das zehrt meist nicht nur an den Helfern selbst, sondern beansprucht oft auch die Familie, die Freunde und den Arbeitgeber.

Maximilian Drews (29) ist seit 18 Jahren Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr in Himmelgeist. Der Juli war auch für ihn einer der einsatzreichsten Monate überhaupt. „Normalerweise rechnen wir mit drei bis fünf Einsätzen im Monat. Jetzt waren es 25. Das war sowohl für uns auf der Wache als auch für unser Privatleben ziemlich anstrengend“, blickt er zurück. In den vergangenen Wochen war er fast täglich für die Feuerwehr unterwegs, oft gab es zwei oder drei Einsätze pro Tag. Das muss der Arbeitgeber erst einmal mitmachen. „Wenn man morgens um acht im Büro ist und um elf schon wieder auf einen Einsatz fährt und dann nicht mehr zurückkommt, dann bleibt da einiges liegen“, sagt Drews, der Unternehmensberater ist.

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Aber auch private Aktivitäten mit der Familie oder Freunden fallen dann aus, das weiß zum Beispiel Kevin Fritz (27). „Die Feuerwehr sieht dich eigentlich mehr als deine Familie. Aber so ist das halt. Wenn jemand in Not geraten ist, muss man helfen. Dann essen Frau und Kind halt auch mal alleine“, sagt er.

Das Boot der Wasserretter aus Himmelgeist war im Juli besonders oft im Einsatz: 20 Mal waren Menschen im Wasser. In diesem Jahr musste die Düsseldorfer Feuerwehr insgesamt 41 Mal auf den Rhein ausrücken, dabei wurden zwölf Personen lebend gerettet, weitere zwei nur tot.

 Der Himmelgeister Strand: Hierhin müssen die Helfer besonders oft Menschen aus dem Wasser retten.Viele geraten in die gefährlichen Strömungen direkt an den Steinkribben.
Der Himmelgeister Strand: Hierhin müssen die Helfer besonders oft Menschen aus dem Wasser retten.Viele geraten in die gefährlichen Strömungen direkt an den Steinkribben. Foto: Florian Rink, DLRG Neuss

Bei einem solchen Einsatz werden oft neben der Wasserschutzpolizei, einem Polizeihubschrauber, der Polizei und einem Rettungshubschrauber auch drei Rettungsboote samt Taucherstaffel und ein Löschboot der Feuerwehr Düsseldorf sowie die Rettungskräfte aus Neuss angefordert. „Dann sind meistens sechs bis sieben Boote auf dem Wasser“, sagt Drews. Zudem kommen sogenannte Strömungsretter zum Einsatz, die speziell ausgebildet sind und die treibende Person über Wasser halten sollen.

Der Grund für die vielen Einsätze der Himmelgeister ist trivial: Bei dem heißen Wetter wollen sich viele Menschen im Rhein abkühlen und unterschätzen dabei immer wieder die Strömungen. Aber auch der niedrige Rheinpegel von aktuell 90 Zentimetern verleitet viele dazu, tiefer als üblich ins Wasser zu gehen. Viel zu gefährlich, sagt Maximilian Drews: „Bei 90 Zentimetern denken sich viele: Ach, da kann ich ja noch stehen. Was sie aber vergessen: Es sind 90 Zentimeter über dem Fahrwasser. In der Fahrrinne geht es dann also noch einmal zweieinhalb Meter runter“.

Auch Kevin Fritz kennt die vielen Gefahren des Rheins: „Die meisten schwimmen bis zum Ende der Steinkribben. Und gerade dort herrscht die größte Strömung“, warnt er, „aber auch Sandbänke sind am Rhein typisch. Da ist man nur bis zum Knöchel drin, geht einen Schritt weiter und plötzlich fängt schon die Fahrrinne an“.

Ist man einmal in einen Wirbel in der Seitenströmung zwischen den Kribben oder gar in die Hauptströmung des Flusses geraten, kann es oft schon zu spät sein. „Entweder wir finden die Person, oder sie wird unter Wasser gesaugt und taucht irgendwo anders auf“, erklärt er, „eine Person ist beispielsweise in Kleve erst wieder aufgetaucht. Eine andere ist nach dem dritten Untertauchen nicht wieder hochgekommen“. Deswegen appelliert die Feuerwehr immerzu, auf das Baden im Rhein am besten ganz zu verzichten.

Solche Situationen sind auch für die Helfer nicht leicht. Für Armin Hares verlief sein letzter Rettungseinsatz auf dem Rhein zwar gut, der Mann konnte gerettet werden. Einfach war es für den 19-jährigen Auszubildenden trotzdem nicht. „Man spricht danach immer mit der Mannschaft darüber, aber der Anblick war schon erschreckend“, erinnert er sich.

Die Mannschaft — für viele ist sie der Grund, überhaupt bei der Freiwilligen Feuerwehr mitzumachen. „Wir sind hier unter Freunden. Man arbeitet im Team, man kann den Menschen helfen. Das macht einfach Spaß“, erklärt Helfer Felix Granzow (25). Für ihr Engagement bekommen die Ehrenamtler viel Positives zurück. Über den Facebook-Kanal der Himmelgeister Retter wird oft mit den Menschen kommuniziert. „Was wir an Feedback bekommen, ist durchweg positiv. Die Leute sagen uns, dass wir tolle Arbeit leisten und bedanken sich“, sagt Drews.