Düsseldorf-Himmelgeist: Ein Dorf inmitten der Großstadt

Düsseldorf-Himmelgeist : Ein Dorf inmitten der Großstadt

Alteingesessene wie auch Zugezogene schätzen die Gemeinschaft im Stadtteil, der durch seine lange Rheinfront geprägt wird. Lediglich mit der Anbindung an den ÖPNV hapert es.

Es lebt sich wunderbar hier“, sagt Marcus Türk. Seit einigen Jahren wohnt er mit seiner Familie im Norden von Himmelgeist und ist froh, dass seine Kinder hier aufwachsen können. „Für sie ist es toll. Es gibt viele Gleichaltrige in der Nachbarschaft, in der näheren Umgebung können sie gemeinsam mit ihren Freunden in der Natur spielen.“

Marcus Türk und seine Frau genießen die Nähe zum Rhein und zur Jücht, die sich ideal für Sonntagsausflüge und Fahrradtouren eignen. „Es ist einfach etwas Besonderes, zum Bauern gehen und einen Liter frische Milch kaufen zu können“, erzählt Türk vom Landleben im Düsseldorfer Süden. Gleichzeitig sei aber auch die Stadt nicht weit entfernt. „Ich fahre viel mit dem Rad und bin so schnell zum Einkaufen in Bilk oder der Innenstadt“, erzählt der junge Vater.

Problematisch sei im ländlich-abgeschiedenen Himmelgeist allerdings die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr: „Ich bin fit und kann mit dem Rad fahren, aber mit Bus und Bahn kommt man hier nicht gut weg“, sagt er mit Blick vor allem auf ältere Menschen. Eine drei Viertel Stunde dauert die Fahrt bis in die Altstadt. Auch Angebote wie Car2Go oder die Eddie-Leihroller seien selten in Himmelgeist. „Hinter Wersten hört es damit meist auf“, hat Türk festgestellt.

Lobende Worte hingegen findet er für die Gemeinschaft im Stadtteil: „In den Neubausiedlungen gibt es viele junge Familien, man ist befreundet und passt in den Ferien auf die Häuser der anderen auf.“ Vor allem die Alteingesessenen seien sehr aktiv im Brauchtum und Vereinsleben: „Es gibt ein Schützenfest und es wird Karneval gefeiert; es ist wirklich beeindruckend, was die Menschen hier auf die Beine gestellt haben“, sagt Türk. Dominik Schneider

Ulrike Michaelis ist vor 45 Jahren der Liebe wegen von Benrath nach Himmelgeist gezogen. Hauptsache Düsseldorfer Süden, sagt sie. Foto: Anne Orthen (ort)

Von ihrem Fenster im Haus hat Ulrike Michaelis Aussicht auf den Rhein. Zweimal schon schaffte es das Wasser bis vor ihre Haustüre. „Bis zur Hecke gegenüber kommt es oft“, sagt sie und zeigt auf die andere Straßenseite. Das ändert aber nichts an ihrer Begeisterung für Himmelgeist. Vor 45 Jahren zog sie in das Haus, das seit sechs Generationen der Familie ihres Mannes gehört. Schwer fiel ihr es ihr nicht. „Ich habe das nie als wegziehen empfunden; der Düsseldorfer Süden ist mein Zuhause“, meint die gebürtige Benratherin.

Ländlicher sei es früher gewesen, es gab mehr Bauern, frisches Gemüse und Eier um die Ecke. „Nur zum Metzger bin ich mit der Fähre nach Uedesheim.“ Im einstigen Saal der Gaststätte Zur Rheinfähre feierten damals schon die Närrischen Frauen. Sie sind heute eine Größe im „Dorf“ ebenso wie der Schützenverein. „Zum Feiern muss man Himmelgeist nicht verlassen“, meint Ulrike Michaelis lachend. Dreh- und Angelpunkt der Dorfgemeinschaft ist die Gaststätte in Alt-Himmelgeist. „Hier erzählt man miteinander und wenn man sich nicht kennt, lernt man sich hier kennen“, sagt die 70-Jährige. Ihre zweite Heimat ist der Kultur- und Sportverein Himmelgeist 1100. Seit sieben Jahren ist sie dessen Vorsitzende; der Verein lädt regelmäßig zum Jüchtlauf.

Darüber hinaus: Himmelgeist hat viel zu bieten: Schloss Mickeln mit seinem Park, die Nikolauskirche und der alte Pfarrgarten, die Wohnanlage Fronhof, der Meierhof, zählt Ulrike Michaels auf. Der Zusammenhalt und die lebendige Dorf-Gemeinschaft, präge Himmelgeist ganz besonders, betont sie. Beate Gostincar

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