Hellerhof : Marmelade für Süd-Indien

Vor 37 Jahren reisten Rolf und Christina Lenk zur Taufe ihres Patenkindes nach Indien. Dass daraus eine Hilfsaktion entsteht, hätten sich die Hellerhofer dabei nicht träumen lassen. Seitdem verkaufen sie 1000 Gläser Marmelade im Jahr.

Die Regale im Keller sind gut gefüllt. Bis unter die Decke stapeln sich mehr als 500 Marmeladengläser, deren Inhalt in roten und gelben Farben leuchtet. Den süßen Aufstrich essen Rolf (74) und seine Ehefrau Christina (74) Lenk aber nicht selbst, sondern verkaufen ihn und spenden den Erlös der Dorfschule in dem kleinen Ort Gopalapuram.

Mehr als 500 Kinder haben derzeit in der Schule Platz. Sie wird seit 2014 weiter ausgebaut. Foto: Lenk

Seit zehn Jahren stellt das Ehepaar zu diesem Zweck Marmelade her; aber angefangen hat alles schon 1980. Damals waren Rolf und Christina Lenk zu Besuch in Süd-Indien, um die Taufe ihres Patenkindes mitzuerleben. Als sie auf einem Busbahnhof in Madras (heute Chennai) auf die Weiterfahrt warteten, kamen sie mit dem evangelischen Pastor Dhairiyanathan ins Gespräch. "Wir hatten auf dem Busbahnhof nicht mehr als 20 Minuten miteinander geredet", sagt Christina Lenk.

Dennoch war dies der Beginn einer Freundschaft, die sich über einen jahrelangen Briefwechsel hinweg entwickelte. Nach einigen Jahren fragte der Pfarrer vorsichtig an und bat das Ehepaar um Unterstützung, weil er eine Grundschule bauen wollte. "In weiten Teilen Indiens können Kinder nicht zur Schule gehen, weil sie auf dem Land wohnen und der Weg zur nächsten staatlichen Schule zu weit ist", erklärt Rolf Lenk. Das führt dazu, dass viele Kinder und Erwachse nicht lesen und schreiben können.

Die Lenks ließen sich nicht zweimal bitten. Gemeinsam mit Hilfe ihrer Gemeinde der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche und dem Erlös aus verschiedenen Aktionen, wie selbst hergestellten Adventskränzen und Halstüchern, die auf Basaren verkauft wurden, war es dem Pastor möglich, die Schule 1991 in dem 17 Kilometer von der Stadt Attur entfernten Dorf zu beziehen. "Die Schule befand sich in einem 40 Quadratmeter großen Mietshaus und war für die fünf Schulklassen, die dort unterrichtet wurden, schon bald zu klein", sagt Christina Lenk. Mit Hilfe des Ehepaares sowie der Gemeinde des Pastors und der Garather Gemeinde - seit 2003 offizielle Partnergemeinde von Attur - wurde ein etwa 10.000 Quadratmeter großes Grundstück gekauft und 1996 mit dem Bau einer neuen Schule begonnen. Diese leitet inzwischen Joshua Dhairiyanathan, der Sohn des Pastors. Mehr als 500 Kinder haben dort Platz. "Vor zehn Jahren sind wir dann auf die Idee gekommen, Marmelade herzustellen", sagt Christina Lenk. Sie haben einen großen Süßkirschen-Baum im Garten, der sehr viele Früchte trägt. Die Idee, daraus Marmelade zu machen und zum Verkauf anzubieten, war naheliegend. "Seitdem verkaufen wir mehr als 1000 Gläser jährlich", sagt die 74-Jährige.

Das Obst kommt aus den Gärten privater Spender oder von Händlern, wie dem Erdbeer-Bauern Bossmann aus Mohnheim. Die Gläser wiederum sammeln die Gemeindemitglieder. Mittlerweile bietet das Ehepaar 26 Sorten zum Verkauf an. Von der klassischen Erdbeermarmelade, über Kirsch-, Pfirsich-, oder Mirabellenmarmelade, bis hin zu gemischten Variationen ist für jeden Geschmack etwas zu finden. "Mit dem Erlös helfen wir, das Schulgebäude zu sanieren und neue Schulbusse zu kaufen", sagt Rolf Lenk. Den Aufstrich verkauft das Ehepaar auf Basaren in Düsseldorf und sonntags nach dem Gottesdienst vor der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche in Garath. Die Preise liegen zwischen einem und drei Euro, je nach Größe der Gläser.

Christina Lenk: "Wir können die ersten Früchte unserer Arbeit sehen: zwei der ehemaligen Schüler sind Piloten geworden, einer Ingenieur und eine Ärztin", fügt sie hinzu. Eine weitere unterrichtet als Lehrerin mittlerweile selbst an der Schule. Im Januar wollen sie wieder nach Indien. "Wir haben die Schule bis jetzt neun Mal besucht, 2014 das letzte Mal."

Ans Aufhören denken die Rentner nicht. "So lange wir können, werden wir weiter Marmelade kochen", versichert Rolf Lenk lachend und macht sich mit dem Korb voller saftiger Pfirsiche auf den Weg in die Küche.

(RP)