1. NRW
  2. Städte
  3. Düsseldorf
  4. Stadtteile
  5. Hellerhof

Düsseldorf: Slacklining lernen im Hellerhofer Sportverein

Hellerhof : Mein erstes Mal auf der Slackline

Wie lernt man den Balanceakt? Unsere Autorin hat dazu einen Kursus beim Hellerhofer Sportverein besucht.

Wenn ich im Sommer in den Parks oder am Rhein Menschen gesehen habe, die sich mühelos über dieses wackelige Band bewegten, juckte es mich oft in den Füßen. Als die Slackline-Gruppe des Hellerhofer Sportvereins auf der Eichsfelder Straße fragte, ob ich Lust auf ein Probetraining habe, konnte ich natürlich nicht Nein sagen.

Otto Bremm begrüßt mich herzlich. Er und seine Frau Zdenka geben zusammen die Slackline-Kurse für Erwachsene. Trainiert wird heute im Vereinsheim, denn draußen regnet es heftig. Ich habe mich, in der Hoffnung, mich nicht allzu sehr zu blamieren, für den Seniorenkurs entschieden. Da wusste ich noch nicht, wie fit die Teilnehmer sind. Nach einem kurzen Aufwärmtraining legen sie direkt los. Einer nach dem anderen zeigen sie mir auf den erst mal parallel aufgestellten Slackracks ihre Trittsicherheit und Balance. Ich bin beeindruckt, schließlich ist der älteste Sportler, Herbert Balkenhol, schon 82 Jahre alt. Mit viel Humor korrigiert Bremm und gibt Tipps. Ich lerne: immer leicht die Knie beugen, den Körper aufrecht halten, nicht zu schnell gehen und mit den Füßen die Slackline spüren. Ganz wichtig ist es, sich mit den Augen einen Ankerpunkt zu suchen und nicht auf das Band zu schauen. Das fällt mir richtig schwer, aber die anderen Teilnehmer erinnern mich daran. Überhaupt sind die Mitglieder hilfsbereit. Man merkt, wie begeistert sie selber sind.

Kaum fühle ich mich etwas sicherer, kommt die nächste Herausforderung. „Das Training draußen ist noch viel schöner“, erzählt mir Renate Fuhrmann. „Da sind wir an der frischen Luft, und anstrengender ist es auch.“ Das will ich doch gleich mal testen. Mit Schirmen bewaffnet gehen Bremm und ich auf den Außenparcours. Wegen des Regens hat der Trainer nur eine von sieben Slacklines gespannt. Normalerweise geht die Gruppe bei Regen nicht raus. „Da könnte es auf den Bändern zu rutschig werden und Sicherheit geht immer vor“, erklärt Bremm. Für mich macht der 67-Jährige eine Ausnahme, damit ich den Unterschied zwischen drinnen und draußen merke. Schon optisch sind Unterschiede zu erkennen. Die Line ist höher aufgehängt und über dem Kopf ist noch mal ein Seil gespannt. Daran hängen unterschiedliche Bänder zum Festhalten.

Mit dem Schirm in der Hand schwungvoll auf die Line zu steigen, geht schon mal nicht. Also brauche ich die stützende Faust Bremms. Die werde ich auch nicht mehr loslassen, denn draußen zu laufen, ist wirklich weitaus schwieriger. Je näher es zur Mitte geht, desto mehr senkt sich das Band und wird immer wackeliger. Bin ich es oder das Band, das so zittert? „Wenn es zu sehr wackelt, bleiben Sie einfach stehen, gehen mehr in die Knie und drücken die Line nach unten. Dann wird es ruhiger“, rät mir der Trainer. Und es klappt, zumindest so lange ich stehenbleibe. Beim nächsten Schritt geht die Zitterei wieder los. Aber irgendwann wird es besser. Dann lädt mich Bremm zu kleinen akrobatischen Einlagen ein. „Machen Sie doch mal eine Kniebeuge.“ Ok, das geht – mit Hilfe natürlich. Aber das Sitzen auf einer Pobacke mit beiden Beinen auf dem Seil scheint mir unmöglich. Ich lande immer wieder in den Holzspänen, die zur Sicherheit unter der Line ausgelegt sind.

Richtige Akrobatik machen die Teilnehmer nicht. Dafür bräuchte man einen Trainer, der das selber gut beherrscht, meint Bremm. „So jemanden suchen wir dringend. Wir möchten das Angebot nämlich gerne für junge Leute öffnen und denen wird das Laufen auf der Slackline schnell zu einfach.“ Er hofft, bei Erwachsenen-Kind-Workshops am 12. Mai und am 19. Juni jemanden dafür zu finden.

Nach einer Stunde ist das Training vorbei. Das hält die fleißigen Teilnehmer aber nicht davon ab, munter weiter zu üben. Fuhrmann lässt sich von Bremm noch mal zeigen, wie man sich auf der Line umdreht. Volker Schwettmann übt, alleine auf das Slackrack zu steigen und das Gleichgewicht zu halten. „Jetzt kann ich nicht mehr, die Füße tun zu weh“ sagt er beim Absteigen.

Das kann ich gut nachvollziehen. Denn auch ich merke meine Fußgelenke. Das viele Ausbalancieren sind sie definitiv nicht gewohnt. „Es kann gut sein, dass sie morgen Muskelkater haben“, sagt mir Balkenhol. Zum Glück merke ich am nächsten Tag nur ein leichtes Ziehen in den unteren Waden und hätte eigentlich Lust, direkt wieder auf die Slackline zu steigen. Einmal die Strecke ohne Hilfe zu überwinden, das wäre schon was – für den Anfang.