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Düsseldorf: Ex-Knacki will beim Gang ins Gefängnis helfen

Peter William Meyer hat eine Biografie geschrieben : Ex-Häftling hilft anderen Strafgefangenen

Peter William Meyer (55) lebte viele Jahre mit seiner Familie in Hellerhof, bis er aufstieg und dann bis ganz unten fiel. Jetzt hat er eine Autobiografie geschrieben, einen „ultimativen Ratgeber zur Verschwendung von Talent“. Außerdem will er Menschen coachen, die ins Gefängnis müssen.

Peter William Meyer wurde in den USA geboren, war früher einmal ein Popstar und lebte auch schon als Obdachloser auf der Straße. Er studierte in New York, konsumierte Drogen, raubte Banken aus und verbrachte viereinhalb Jahre hinter Gittern. Das ist aber lange her. Nach unzähligen Kämpfen hat er seit zehn Jahren den Drogen und dem Alkohol abgeschworen. Zurzeit stellt sich der Musiker und ausgebildete Coach den Geistern seiner Vergangenheit. Er hat, wie er sagt, den „ultimativen Ratgeber zur Verschwendung von Talent“ zu Papier gebracht – seine Biografie.

Meyer ist Vater eines kleinen Jungen, immer noch Musiker und Deutschlands einziger Prison(Gefängnis)-Coach. Dass professionelle Hilfe für jene, die eine Haftstrafe antreten, ebenso überlebenswichtig ist wie für Gefangene, die entlassen werden, weiß der 55-Jährige aus eigener Erfahrung. Authentizität und Spiritualität sind für den Düsseldorfer die Pfeiler für sein Hilfsangebot. „Ich erkläre die Überlebensstrategie und die ungeschriebenen Regeln im Gefängnis“, erklärt Peter William Meyer. Und: „Ich helfe, dass sich Betroffene öffnen und ihre Haft als Prüfung, als Chance zur persönlichen Weiterentwicklung annehmen können.“ Er selbst habe dafür einst Engel gehabt und sie erkannt. „Wenn ich Philipp nicht getroffen hätte, wäre ich untergegangen“, erzählt er über einen, der ihn gerettet hat. Philipp (Name geändert) sei ein Schulkamerad gewesen, aus gutem Hause – und als berüchtigter Drogendealer weit oben in der Knast-Hierarchie. Das hat Meyer seine Zeit in Haft und die Schicksale der Menschen gelehrt – jeder kann diesen Weg gehen. „Die Fallhöhe ist riesig, das ist eine Vollbremsung im Leben“, sagt er über seinen eigenen Absturz. Deswegen coacht Peter William Meyer nun Menschen, die unheimliche Angst haben vor dem, was ihnen bevorsteht.

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„Als die Polizei damals ins Haus stürmte, dachte ich: Das war es jetzt für die nächsten zehn Jahre“, erinnert sich der langjährige Hellerhofer. Seine beiden Banküberfälle lagen zu diesem Zeitpunkt sieben Jahre zurück. Das erbeutete Geld war weg – ausgegeben für Gehälter seiner Mitarbeiter, Warenrechnungen, Miete und Schulden beim Finanzamt. Umstände, die ihm, kombiniert mit glaubhaften Zeugen und einem guten Anwalt, ein recht mildes Urteil einbrachten. „Nur“ viereinhalb Jahre. Den Gang in seine erste Zelle in der Ulmer Höh‘ werde er niemals vergessen, erzählt er. Allein sein Kopf-Kino habe ihn in Panik versetzt. „Da läufst du durch den vergilbten, tristen Gang in die dunkle Zelle. Du weißt nicht, was für ein Mensch da wartet“, erzählt er von seinen Ängsten. Dazu 500 Männer auf engstem Raum zusammengepfercht, niemand ist freiwillig da. Knast-Hierarchie und Verhaltenskodex. „Da stehst du erst einmal vor einem Abgrund“, erinnert er sich.

Egal was passiert, du musst immer wieder aufstehen, das ist die Devise von Peter William Meyer. Der Mann mit den Düsseldorfer Eltern kam in Kalifornien zur Welt. Als er sechs Jahre alt war kehrten die Eltern mit ihm zurück in die elterliche Heimat. Dank Vaters Erfolg als Unternehmer herrschte bald Wohlstand, und die Familie zog in ein eigenes Haus nach Hellerhof. Ende der 1970er Jahre tauchte Peter William Meyer in die Punk-Szene im Ratinger Hof ein. „Ich konnte drei Akkorde auf der Gitarre, hatte aber 1984 einen Vertrag bei der EMI in Paris “, scherzt er über sein Talent. Nach dem Abitur schwelgte er in Paris und London im Glamour und der Promi-Szene. „Dabei vergaß ich, dass ein Star auch mal arbeiten muss und verlor mich völlig in den Drogen“, bekennt Meyer. Als Nächstes eroberte er sich einen Studienplatz an der berühmten Kaderschiede für Filmschaffende in New York: der NYU Filmschool. Es sollte ein One-Way-Ticket sein, aber es kam anders. Kurz vor dem Abschluss flog er von der Schule – nicht etwa wegen Talentmangels, sondern wegen seiner kriminellen Energie. Seinen Eltern habe er immer vorgegaukelt: „Mir geht es gut“. Tatsächlich lebte der vielversprechende Kreative im eisigen New Yorker Winter auf der Straße und brauchte jeden Tag einen Schuss. Seine Rettung kam in Gestalt einer früheren Kommilitonin. Zurück zu Hause entschied der Vater, sein Filius müsse endlich etwas Vernünftiges lernen. Peter William Meyer lernte Kaufmann, stieg in das elterliche Unternehmen ein und übernahm es – das war sein Waterloo.

„Es war nicht mein Lebensentwurf“, stellt er rückblickend fest. Mit zwölf habe er seinen Eltern verkündet, dass er eines Tages alles einmal ausprobieren wolle. „Meine Eltern haben mich immer mit Liebe und Vertrauen verwöhnt, das Vertrauen habe ich maßlos ausgenutzt“, bedauert der 55-Jährige. Sein Vater erlebte den Untergang des Unternehmens und den seines Sohnes nicht. Seine Mutter sowohl die dramatische Verhaftung als auch den Freiheitsentzug. Aber seine Freiheit konnte Peter William Meyer nicht mehr mit ihr teilen.