Die Kleingartenvereine „Am Alten Rhein“ und „Hellerhof“ im Düsseldrofer Stadtteil Hellerhof liegen unmittelbar nebeneinander. Ein Besuch im Grünen.

Kleingartenvereine im Düsseldorfer Süden : Ein Traum von einem Garten

Schrebergärten waren jahrzehntelang der wichtigste Erholungsort für viele Stadtbewohner. Beliebt sind die Gärten heute immer noch.

Von Anna Steinhaus

Schrebergarten – das klingt nach eingelegten Gurken, Hollywoodschaukeln, Wachstuchtischdecken mit Blümchenmuster und riecht ein bisschen nach Spießigkeit. Doch Schreber- und Kleingärten sind tatsächlich beliebter, als ihr Image vermuten lässt. 72 Kleingartenanlagen gibt es auf dem Stadtgebiet, zwei davon auch in Düsseldorfs südlichstem Stadtteil. Die Vereine „Hellerhof“ und „Am Alten Rhein“ liegen dort direkt nebeneinander.

Für Günther und Rosi Holz ist ihr Kleingarten ein Langzeitprojekt. Die Arbeit teilen sich die beiden. Foto: RP/Anna Steinhaus

Seit der Gründung beider Vereine in den 80er Jahren sind die Gartengrundstücke beliebt. Das kann Renate Gruhn, Vorsitzende des Vereins „Am Alten Rhein“, bestätigen. „Gerade im vergangenen Jahr mit dem heißen Sommer haben sich viele auf die Warteliste für einen Kleingarten setzen lassen“, sagt Gruhn. Darunter auch viele junge Familien, die den Schrebergarten und das damit verbundene Lebensgefühl wieder für sich entdeckt haben. Die meisten Besitzer sind über 80 Jahre alt und einige sind schon seit der Vereinsgründung vor 32 Jahren Mitglied. „Im Prinzip könnten es noch 20 Gärten mehr sein, die wären alle belegt“, sagt sie, „es gibt sehr viele Bewerbungen.“

 Wilhelm und Johanna Kartmann sind 1987 dem Verein „Hellerhof“ beigetreten. Ihr Häuschen haben sie selber gebaut. Foto: RP/Anna Steinhaus

Aber an diesem Februarmorgen befinden sich die meisten der Hellerhofer Gärten noch im Winterschlaf. Nur am Gartentörchen zu Parzelle Nummer zehn steht Renate Gruhn. Als Vorsitzende ist sie jeden Tag in der Gartensiedlung – auch im Winter. Ihr Mann Wilfried Gruhn werkelt unterdessen an einem Hängeschrank. „Unser Badezimmerschrank ist heruntergefallen“, sagt er und ergänzt: „Hier ist immer etwas zu tun, denn immer geht etwas kaputt“. Er lacht und stellt den Schrank weg. Denn dass „immer etwas zu tun ist“, schätzt das Ehepaar am Leben in der Laube.

Vor fünf Jahren haben sie das Grundstück, auf dem ein braunes Holzhäuschen steht, gekauft und sind dem Kleingartenverein „Am Alten Rhein“ beigetreten. Denn Wilfried Gruhn ging in Rente – die beiden suchten neue Aufgaben. Durch Renate Gruhns Schwester, die dort bereits einen Kleingarten besaß, lernten sie die Anlage kennen. „Ich würde verrückt werden, wenn ich nur in der Wohnung säße“, sagt Renate Gruhn, die ebenfalls seit einigen Jahren pensioniert ist. Und ihr Mann, erklärt sie weiter, der sei nun auch beschäftigt.

Auch Renate Gruhn hat schnell eine neue Aufgabe gefunden. Seit vier Jahren ist sie bereits Vorsitzende des Vereins, ein „Vollzeitjob“, wie sie sagt, ehrenamtlich, versteht sich. Sie ist die Ansprechpartnerin für insgesamt 61 Parzellen und kennt jedes Mitglied persönlich. „Nach zwei Monaten wusste ich, wie jeder heißt.“

Wenn im Sommer Hochbetrieb herrscht und sie eine Runde dreht, ist sie dann jedes Mal für mehrere Stunden verschwunden. „Ich trinke schon bewusst nichts, wenn mich Leute in ihren Garten einladen und trotzdem sitzen wir dann lange zusammen. Bis dann am späten Nachmittag mein Mann anruft und fragt, wo ich bleibe“, sagt die 69-Jährige und lacht.

Denn Kleingarten, das bedeutet auch Gemeinschaft. Wer eines der 300 Quadratmeter großen Grundstücke erwirbt, der wird auch Mitglied im Verein. Dazu gehört es auch, zehn Stunden Arbeit im Jahr zu verrichten, um die Wege instand zu halten und Bäume und Sträucher zu pflegen.

Auf dem Weg zum Vereinsheim, dem Herz des Kleingartenvereins, kommt ihr Rosi Holz entgegen: „Ich wollte gerade zu Dir“. Nichts Wichtiges, einfach ein bisschen quatschen. Sie und ihr Mann Günther sind insgesamt 20 Jahre Mitglied und Kleingartenbesitzer. Ihr Grundstück befindet sich einige Parallelstraßen weiter, direkt neben dem „Diebelsweg“, wie auf einem Schild zu lesen ist „Da wird nur Diebels getrunken“, erklärt die 64-Jährige schmunzelnd.

Das Holzhaus auf ihrem Grundstück ist rot gestrichen. „Schwedenrot“, wie sie sagt. Der Garten liegt dahinter: Gepflegtes Grün, sogar ein kleines Gartenhäuschen und Gewächshaus schmücken das Grundstück. Viel Herzblut hat das Ehepaar Holz in die Gestaltung ihres „Langzeitprojektes“, wie sie es nennen, gesteckt. Größere Arbeiten stehen jetzt nicht mehr an, soweit ist alles fertig. „Aber natürlich muss immer wieder etwas erneuert werden“, sagt Rosi Holz. „Frickelsarbeit“, nennen beide das. „Ich bin ein Naturmensch“, sagt Rosi Holz: „Wir sind hier, wenn es schneit, stürmt und regnet“. Ihre Schwester und ihr Neffe sind ebenfalls Mitglied bei „Am Alten Rhein“.

Mit den anderen Kleingartenvereinen habe man ein gutes Verhältnis, sagt Renate Gruhn. Neben den beiden Hellerhofer Vereinen gibt es noch zwei weitere Anlagen in unmittelbarer Nähe auf Monheimer Stadtgebiet. „Wir sprechen uns ab, wann wir unsere Feste haben. Dann besucht man sich gegenseitig. Mit Menschenkenntnis und ein bisschen Fingerspitzengefühl klappt alles“, sagt Renate Gruhn über die Nachbarschaft.

Nebenan, in der Anlage „Hellerhof“ genießen auch Wilhelm und Johanna Kartmann die ersten Sonnenstrahlen im Grünen. Das Ehepaar trat Ende der 80er Jahre dem Verein bei. „Hier war gar nichts“, sagen sie und meinen die Kleingartensiedlung. Nur Matsch. Alles haben sie selbstangelegt; auch das Haus hat Wilhelm Kartmann selbst gebaut. Maurer, das sei er nicht gewesen, so der 86-Jährige. „Aber der Mensch kann alles, wenn er will.“ Das Ehepaar hat eine Wohnung in Urdenbach. Doch im Sommer sind sie den ganzen Tag hier draußen im Grünen.

Mittlerweile hat das Ehepaar den Kleingarten an ihren Schwiegersohn und ihre Tochter abgegeben, die auch Vorsitzende von „Hellerhof 1983“ ist. „Wir sind hier nur die Gärtner“, sagt Wilhelm und lacht. „Die Bäume zu schneiden – das hält fit.“ Eine Nachbarin ruft drei Gärten weiter den Kartmanns etwas zu, die rufen freundlich zurück. „Hallo, alles in Ordnung?“ „Es ist wie auf dem Dorf hier“, sagt Wilhelm Kartmann, „man kennt sich einfach.“