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Analyse: Zwei Jahre Jugendarbeit im Provisorium

Analyse : Zwei Jahre Jugendarbeit im Provisorium

Viele Jahre harrte die Jugendfreizeitstätte "West-End" in den abbruchreifen Häusern Malmedyer Straße aus und wartete vergeblich auf einen Neubau. Das Grundstück wurde verkauft, die Kinder zogen aus und bekamen ein Übergangsquartier im Freizeitpark.

Die Jugendfreizeitstätte West-End hat sich inzwischen im Spielhaus des Heerdter Freizeitparks eingerichtet. Ein Provisorium, mit dem die Kinder und Jugendlichen etwa zwei Jahre zurechtkommen müssen, denn erst 2016/2017 können sie mit dem geplanten Neubau in Nachbarschaft zur Heinrich-Heine-Grundschule rechnen. Bis dahin müssen sie mit wenig Platz auskommen, weil das Spielhaus wegen seiner räumlichen Enge nur eingeschränkt nutzbar ist.

Obwohl die Leitung sich viel Mühe gibt, allen Kindern gerecht zu werden, musste sie die Angebote stark zurückschrauben. Es gibt aber Hoffnung auf eine baldige Ergänzung des Spielhauses durch eine Containeranlage für Kreativ- Medien-, Musik und Kochangebote, für die Hausaufgabenhilfe und als Rückzugsbereiche für Mädchen- und Jungengruppen. Wann die Kinder damit rechnen können, ist noch nicht bekannt.

Es grenzt aber fast an ein Wunder, dass nun doch die von der linksrheinischen Politik immer wieder geforderte Containeranlage in greifbare Nähe gerückt ist. Warum es plötzlich so schnell geht, ist allen ein Rätsel, wenn sich auch Erleichterung darüber breitmacht, dass sich die Stadt endlich der Kinder und Jugendlichen annimmt. Denn bereits Anfang 2000 wussten alle, dass der Jugendtreff West-End nicht an seinem angestammten Platz an der Malmedyer Straße bleiben kann. Denn die maroden Häuser, in denen zuletzt Asylbewerber wohnten, waren für den Abbruch freigegeben. Ein Investor interessierte sich für das Grundstück, und der Jugendtreff West-End sollte einen Neubau mit Namen "Haus des Kindes" auf dem Freizeitparkgelände bekommen.

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Dafür gab es schon eine Bauvoranfrage. Das Vorhaben scheiterte, weil Altlasten im Boden gefunden wurden. Und dann sprang auch noch der Investor von seinen Kaufabsichten für das Grundstück Malmedyer Straße ab. Was nun? Die allgemeine Ratlosigkeit endete, als die Politik 2009 beschloss, einen Teil des Schulgrundstücks, Ecke Heerdter Land- und Aldekerkstraße, aus der schulischen Zweckbindung auszuklammern, um dort einen zweigeschossigen Neubau fürs West-End zu realisieren. Zum Ausgleich bekam die Heinrich-Heine-Schule, die übrigens mit der Jugendfreizeitstätte kooperiert, einen Ersatzbau für die Offene Ganztagsschule auf dem eigenen Grundstück. Das sich träge hinziehende Verfahren um den Neubau fürs West-End bekam plötzlich Fahrt, als der Düsseldorfer Projektentwickler PDI das 11 500 Quadratmeter große Grundstück an der Malmedyer Straße kaufte und plante, nach Abriss der Altbauten, in denen der Jugendtreff immer noch ausharrte, 141 preisgünstige Wohnungen zu bauen.

Die Bezirkspolitiker drängten nun darauf, mit dem Geld aus dem Kaufpreis einen Neubau für die West-End-Kinder zu finanzieren. Vergeblich - das Vorhaben, seit Jahren auf die lange Bank geschoben, ruhte erneut. Pech für die Kinder, die am 5. September 2014 ihr angestammtes Domizil verlassen mussten. Dank Schulleiterin Annette Anner fanden sie Unterschlupf in der Heinrich-Heine-Schule.

Die linksrheinischen Bezirksvertreter erfuhren erst viel zu spät, am 25. September, dass die Stadt als Übergangslösung das Spielhaus gewählt und schon begonnen hatte, es umzubauen. So blieb ihnen nichts anderes übrig, als dem zuzustimmen. Allerdings erst nach hitziger Debatte, weil sie statt Spielhaus, stets für eine Containeranlage gestimmt hatten. Markus Loh (Grüne) "Die Kinder werden aus ihrem Domizil geschmissen ohne eine Alternative zu haben." Er beschuldigte die CDU- und FDP-Ratsfraktionen, versäumt zu haben, rechtzeitig die Weichen für den geplanten Neubau gestellt zu haben. Wenn auch etwas später als geplant, konnten die Kinder schließlich in ihr Provisorium Mitte November (dazwischen waren die Herbstferien) einziehen.

Jetzt geht es darum, den Neubau für den Jugendtreff auf dem benachbarten ehemaligen Schulgelände auch durchzusetzen - bevor das umgebaute Spielhaus und die zusätzlichen Container zur Dauereinrichtung werden. Die Stadt hat signalisiert, dass Anfang 2015 der längst fällige Ausführungs- und Finanzierungsbeschluss vorliegen werde. Damit könnte ein Baubeginn für's neue West-End im September 2015 sein - voraussichtlich, wie es einschränkend heißt.

(RP)