Heerdt: Heerdter Schütze mit Leidenschaft

Heerdt: Heerdter Schütze mit Leidenschaft

Simon Mellmer ist Ehrenchef des Schützenvereins. Während seiner Amtszeit öffnete sich der Verein auch für Frauen.

Simon Mellmer hatte aufmerksam die RP gelesen. Der Artikel über das Schicksal des schwer erkrankten Stephan M. beeindruckte ihn so sehr, dass er sich spontan entschloss, zu helfen. Als Ehrenchef der Heerdter Schützen bat er seinen Verein, die Kosten von 150 Euro für die von Stephan M. angestrebte Ausbildung zum Ehrenamtlichen im Kinderhospiz zu übernehmen.

Klar, dass seine Bitte erfüllt wird, wie der amtierende Schützenchef Andreas Bahners bestätigt, denn Simon Mellmer hat den Heerdter Schützenverein 28 Jahre als erster Chef geführt. Seit 61 Jahren Schütze als Mitglied der sechsten Grenadiere mit Liebe zum Tambourcorps, ist Mellmer heute gemeinsam mit seiner Frau Liane Schirmherr der Heerdter Musikgruppe.

"Ich bin mit 14 Jahren in den Verein eingetreten", sagt Mellmer, der jüngst seinen 75. Geburtstag gefeiert hat. Ein waschechter Heerdter, der die Volksschule an der Heerdter Landstraße (heute Heinrich-Heine-Gemeinschaftsgrundschule) besuchte. "Unsere Schulleiterin war die Schwester des Rennfahrers Rudolf Caracciola", sagt er in Erinnerung an seine Kindheit an der Gustorfer Straße im damals noch beschaulichen Heerdt. "Um uns herum war nur Bauernland. Wir haben auf den Stoppelfeldern barfuß Fußball gespielt, um die Schuhe zu schonen", lacht er. Und im Baggerloch geplanscht, das es einst auf der Fläche des heutigen Freizeitparks gegeben habe.

Hineingeboren in eine Handwerkerfamilie, war klar, dass der junge Mellmer, dem Vater folgen und sich zum Stuckateur-Meister ausbilden lassen würde. Mit dem Ziel, nach der Meisterprüfung den väterlichen Betrieb zu übernehmen. "Ich bin herumgeflogen wie ein alter Hut", beschreibt er die Vielseitigkeit seines Berufes. Seine umtriebige Art, Freunde zu gewinnen und vor allem Netzwerke zu knüpfen, räumte so manchen Stein aus dem Weg. Gerne erinnert er sich an all' die, die ihn unterstützt haben: SPD-Ratsherr Karl-Josef Keil zum Beispiel: "Er ist auch ein Heerdter Junge und hat geholfen, wo er nur konnte", erinnert sich Mellmer, der nicht müde wird, weitere "gestandene Männer, die die Bodenhaftung nicht verloren haben", aufzuzählen: Simon Gatzweiler, die Ex-Bürgermeister Josef Kürten, Joachim Erwin. Auch auf seine Schützenfreunde habe er bauen können, vor allem auf seinen Vorgänger im Amt: Helmut Wolf. "Er hat mich sehr gefördert." Unter seiner Regie sei es gelungen, den Platz zwischen Brüsseler- und Pariser Straße nicht nur nach dem Brauereichef Gatzweiler zu benennen, sondern ihn auch an fünf Tagen im Jahr für die Schützen zu sichern. "Die Schützen haben Wasserleitungen gegraben und den Platz gepflastert. Alles wurde handgemacht."

Doch hat der ehrenamtliche Einsatz wie auch das anspruchsvolle Berufsleben Spuren hinterlassen. "Herz und Hüftprobleme zwangen mich ins Krankenhaus", stellt er nüchtern fest. Was ihn aber nicht davon abhält, auch als Senior noch ein Netzwerk an Mitarbeitern zu unterhalten, die noch kleine Aufgaben übernehmen. Denn so ganz loslassen, könne er noch nicht.

Stütze seines Lebens ist Ehefrau Liane, die einst ein Schreibwarengeschäft am Nikolaus-Knopp-Platz betrieb. "Sie steht immer an meiner Seite, ist mein bester Freund." Kein Wunder, sind die Beiden doch seit 58 Jahren zusammen. Kennengelernt haben sie sich in der Eifel, die noch immer ein mystischer Ort für sie ist. Nicht nur, weil dort alles begann, sondern weil sie sich in der ländlichen Idylle einen Schlupfwinkel eingerichtet haben. Während seine Frau in der kleinen Wohnung bleibt, beobachtet Mellmer als passionierter Jäger das Wild von Ansitz aus. "Die Ruhe dort ist wunderbar. Wenn ich wieder nach Heerdt komme, bin ich ein anderer Mensch." Das wissen dann auch die drei Töchter und sechs Enkelkinder zu schätzen. Eine große Familie, die sich gern im gemütlichen Haus der Eltern an der Waldnieler Straße trifft, wobei zum traditionellen Grünkohl-Essen stets auch Freunde und Bekannte eingeladen sind.

(RP)