Ungewöhnlicher Beruf : Exotische Wildtiere zum Anfassen

Friedrich Karl Schievelbusch präpariert seit 45 Jahren unterschiedlichste Tierarten und erweckt sie so zu neuem Leben. Das größte Exemplar war eine Giraffe, die er im Hof zusammensetzen musste.

Es ist ein Respekt einflößender Anblick: Mit weit aufgerissenem Maul steht ein Braunbär mitten im Raum, sein massiger Körper reicht fast bis zur Decke. Direkt neben ihm sitzt ein Löwe, der Besucher mit seinen großen Augen eindringlich anschaut. In der Werkstatt von Friedrich Karl Schievelbusch rücken Wildtiere aus Afrika und Asien in greifbare Nähe. Für den Tierpräparator ist dieser Umstand ein zentraler Teil seiner Arbeit: „Es geht darum, die Physiologie der Tiere, also ihre tatsächliche Größe, die Proportionen und Details wie das Fell erfahrbar zu machen“, erzählt der 60-Jährige. „Viele Menschen verlieren immer mehr den direkten Kontakt zur Natur. Die Präparate ermöglichen eine unmittelbare Anschauung, die sich nicht mit Filmaufnahmen und Fotos vergleichen lässt.“

Mit 15 Jahren begann Schievelbusch die dreijährige Ausbildung zum Präparator im Fachbereich Biologie und wagte bereits mit 20 den Schritt in die Selbstständigkeit. Sowohl Privatpersonen, als auch Museen und Schulen gehören seitdem zu seinem Kundenkreis, für den er heimische wie exotische Tiere präpariert. Diese Artenvielfalt bringt einige Herausforderungen mit sich: „Von Rehen bis zu Nashörnern habe ich schon an unterschiedlichsten Tieren in der Werkstatt gearbeitet“, erzählt Schievelbusch. „Das größte Präparat war auf jeden Fall eine Giraffe. Die musste in zwei Teilen präpariert und dann draußen auf dem Hof zusammengesetzt werden.“ Zwischen vier und 40 Stunden dauert der Präparationsprozess. Der Arbeitsablauf ist jedoch von der Größe und Tierart unabhängig: Die gegerbten Felle werden über Modelle aus Zwei-Komponenten-Schaum gezogen, akribisch angepasst und um Details wie Augen und das Gebiss ergänzt.

Neben handwerklichem Geschick muss man als Präparator noch einige andere Fertigkeiten mitbringen. „Man sollte ein anatomisches Grundwissen haben, sonst sieht ein Fasan am Ende aus wie eine Fledermaus“, sagt der Präparator mit einem Lachen. „Auch die künstlerische Gestaltung ist Teil der Arbeit.“ Um die Tiere möglichst lebensecht darstellen zu können, gehört das Reisen deswegen ebenso zu Schievelbuschs Beruf wie die Arbeit in der Werkstatt. „Ich war schon häufig in Afrika und Kanada, um die Bewegung und das Verhalten unterschiedlicher Arten genau zu beobachten. Das funktioniert nur in ihrem natürlichen Lebensraum“, sagt Schievelbusch. Die Regelungen für sein Handwerk sind von der Europäischen Union genau festgelegt. Während in Deutschland jagdbares Wild für den Privatgebrauch zur Präparation freigegeben ist, unterliegen die meisten anderen Tiere dem Artenschutzgesetz und dürfen somit nur zu Lehr- und Forschungszwecken präpariert werden.

Nach 45 Jahren im Beruf plant Schievelbusch, in gut zwei Jahren in den Ruhestand zu gehen. Ein Nachfolger für sein Geschäft hat sich bisher noch nicht gefunden. „Jedes Jahr werden in Deutschland nur zehn Leute im Bereich der biologischen Präparation ausgebildet, es gibt also nicht besonders viel Nachwuchs“, erklärt er. Ganz aufgeben möchte der Düsseldorfer sein Handwerk nicht: „Ich habe noch einige Exemplare zu Hause, die ich privat präparieren möchte. Es macht einfach Spaß, die Zeit zu investieren und am Ende ein tolles und lebensechtes Ergebnis vor sich zu haben.“

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