Düsseldorf-Heerdt: Die Mittlerin zwischen den Kulturen

Schützenfest in Düsseldorf : Ein Traum wird (fast) wahr

Lijuan Heidenreich ist Regimentskönigin geworden, weil sie immer mal in einer Kutsche sitzen wollte. Wegen des Wetters stieg sie aber auf einen Mustang um.

Schon seit Jahren versuchen die Heerdter Schützen ihr Schützenfest mit Neuerungen oder besonderen Showgästen wie Michael Wendler interessanter zu machen. Auch in diesem Jahr gab es einige Überraschungen. Am Samstagnachmittag standen die Menschen auf dem Festplatz Schlange. Grund war das Fotoshooting für die Werbekampagne für das Schützenfest 2020. „So etwas machen wir das erste Mal. Jeder, ob Schütze oder nicht, kann mitmachen und das Werbegesicht fürs nächste Jahr werden“, so der 2. Schützenchef Lothar Gläser. Großen Erfolg feierte auch das einzigartige Schützen-Sticker-Sammelalbum.

Fleißig sammelten die Heerdter Bürger Bilder ihrer Schützen und ihres Stadtteils und veranstalteten auch auf dem Schützenfest eine Tauschbörse, um ihre Alben zu komplettieren. Zum ersten Mal hatten die Heerdter Schützen eine Frau an der Regimentsspitze. Als die Chinesin Lijuan Heidenreich 2012 ihren ersten Schützen-Festzug in Heerdt erlebte, war ihr sofort klar: „Ich will auch mal in so einer Kutsche beim Zug mitfahren.“ Also ließ sie sich von ihrer Nichte beim Grenadierzug „Dorfschwalben“ vorstellen, wo die Dolmetscherin seit 2015 Mitglied ist. Im letzten Jahr holte Heidenreich sich die Königswürde und wurde damit, nach Recherchen des Vereins, zur ersten chinesischen Regimentskönigin Deutschlands.

Auch wenn der Traum von der Kutsche gestern kurzfristig platzte: Der Zug wurde aufgrund des Wetters verkürzt und auf Pferde und Kutschen verzichtet. Für die Königskutschen wurden ein Ford Mustang Cabrio Baujahr 1965 und ein VW 181 Kurierwagen Baujahr 1970 eingesetzt. Auch eine holländische Marchingband war bei der Parade dabei.

Für Heidenreich geht ein Jahr voller Höhepunkte zu Ende. „Ich kann gar nicht sagen, was am schönsten war. Das ganze Jahr war toll“, meint sie. „Die Menschen haben mich überall von Herzen aufgenommen.“ Eine Erfahrung ist der 45-Jährigen aber besonders im Gedächtnis geblieben. „Ich bin Hobbyläuferin und wollte schon immer bei der Staffel beim Düsseldorfer Marathon mitlaufen, habe aber keine Mitläufer gefunden.“ Bei den Schützen fand sie gleich so viele Teilnehmer, dass es für drei Gruppen reichte. „Das war toll und wir waren richtig gut“, sagt sie. Ihre Zeit als Schützenkönigin war für Heidenreich die ideale Möglichkeit, die deutsche Kultur kennenzulernen und ihr Deutsch zu verbessern. „Ich habe auch viel über das Schützenwesen gelernt. Jetzt weiß ich zum Beispiel, was die Goldene Mösch ist.“ Wissen, das mittlerweile auch in China angekommen ist. „Ich habe Bilder von mir in Uniform und in den Fest-Kleidern nach Hause geschickt. Alle waren begeistert und haben mich über alles ausgefragt. Jetzt wissen sie genau über Schützenkönige, Krönungen und Festzüge Bescheid.“ Gleichzeitig bringt die Königin auch chinesische Kultur zu den Schützen. Ihre Ansprachen beginnt sie oft in ihrer Muttersprache. Bei festlichen Anlässen trägt sie traditionelle chinesische Kleider.

Auch wenn Heidenreich ein wenig traurig ist, dass jetzt alles vorbei ist, freut sie sich auch auf die Zeit nach ihrer Amtszeit. „Die Abkrönung ist sogar besser als die Krönung. Für mich ist das wie ein Neuanfang. Jetzt kenne ich alle aus dem Verein und bin mittendrin. Die Erfahrung wird mich mein ganzes Leben lang begleiten, solche Erinnerungen kann man nicht mit Geld kaufen.“

Es war das letzte Mal für die Heerdter Schützen, dass das große Fest im August gefeiert wird. Ab 2020 wird das Heerdter Schützenfest immer im Mai stattfinden. „Unser Fest lag bis jetzt überwiegend in den Sommerferien. Die Schützenfest-Termine von Lörick und Niederkassel liegen direkt an den Wochenenden vor uns. Da sind viele Menschen müde vom Feiern und hier ist nicht mehr so viel los. Also haben wir uns überlegt, den Termin an den Anfang der Schützensaison zu legen“, erzählt Lothar Gläser. Die meisten sehen die Verschiebung positiv. Einzig über das Wetter Anfang Mai machen sich manche Sorgen: „Aber Wetter ist ja immer“, lacht Gläser und schaut zum Himmel hoch. Regnen kann es auch im August. Die Verlegung bedeutet aber auch, dass der neue Regimentskönig nur ein kurzes Amtsjahr hat. Trotzdem hat sich ein Freiwilliger gemeldet. „Er wusste, was ihn erwartet und fand es gut“, so der 2. Chef.

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