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Düsseldorf: Auf dem Friedhof muss sich was ändern

Düsseldorf : Auf dem Friedhof muss sich was ändern

Veränderte Familienstrukturen, häufige Ortswechsel und keine finanzielle Beihilfe im Sterbefall sind die Ursachen, dass immer mehr Menschen alternative Bestattungsformen wünschen. Das betrifft auch den Heerdter Friedhof.

Eine zentrale Rolle im geplanten weitgespannten Grünnetz des linksrheinischen Stadtbezirks - wie im "Grünordnungsplan 2025" vorgesehen - spielt der Heerdter Friedhof. Denn Gräberfelder sollen sukzessive in Parks umgewandelt werden. Dabei geht es um den nördlichen Randbereich mit zwölf Gräberfeldern, der an das Gewerbegebiet Willstätter Straße grenzt. Eine weitere Option ist der Teil am Albertussee. "Dort werden schon seit acht, neun Jahren keine Gräber mehr verkauft", sagt Bestatter Andreas Düvel, stellvertretender Vorsitzender des Vereins Düsseldorfer Bestatter. "Nur Familien, die dort noch Gräber haben, dürfen in diesem Bereich weiter bestatten. So wird es wohl noch mindestens 30 Jahre dauern, bis der Teil in eine allgemeine Grünzone verwandelt werden kann."

Es ginge aber schneller, wenn die Stadt den Familien Angebote machen würde. Denn die Rückerwerbsquote liege bei 20 Prozent. "Etliche Familien wollen lieber ein Grab auf dem alten Teil." Das sei umso besser, weil dann inmitten der künftigen Grünzone am Albertussee ein Café, auch für Friedhofsgäste, gebaut werden könne.

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Woran liegt es nun, dass Friedhöfe nicht mehr so viele Reserveflächen vorhalten müssen? Düvel: "Die Menschen werden älter. 1968 sind in Düsseldorf 8000 Bürger gestorben, jetzt liegt die Zahl bei jährlich 6400 Toten, nur 5000 werden auch hier beerdigt." Grund: "Düsseldorf reagiert sehr spät und zögerlich auf die neue Bestattungskultur, doch die Friedhofsgebühren werden stetig erhöht, die nächste Aufstockung ist Anfang 2015 zu erwarten." So weichen die Familien in andere Gemeinden aus, die mit ihren Gebühren günstiger sind - beispielsweise Meerbusch.

Was sich hinter der neuen Bestattungskultur verbirgt, bringt Düvel auf den Punkt: "Veränderte Familienstrukturen, häufigere Ortswechsel, der Wegfall finanzieller Beihilfen im Sterbefall und nicht zuletzt steigende Friedhofs- und Grabpflegegebühren lassen die Nachfrage nach alternativen Bestattungsformen steigen." Zum Beispiel für ein Rasengrab. In Heerdt ist es im Gräberfeld 47 angelegt. Dabei handelt es sich um eine geschlossene grüne Rasenfläche, in der Mitte steht ein Solitär und drumherum sind Bänke angeordnet. Jeweils 38 Namen der Gestorbenen sind auf einer Grabplatte eingemeißelt.

Düvel: "Das Rasengrab kostet für die Sargbestattung mit Beisetzung und Grabpflege 2080,62 Euro, für die Urnenbeisetzung 1385,31 Euro - jeweils für die Dauer von 20 Jahren." Die Vielfalt der einzelnen Bestattungsformen ist groß, wenn auch in Heerdt noch überschaubar. Es gibt Reihen- und Wahlgräber für Urnenbeisetzungen, Einzelgräber für Sargbestattungen, Doppel- oder Tiefengräber, aber keine anonymen Grabstätten. "Anonyme Gräber halte ich für nicht human, weil daran kein Hinterbliebener teilnehmen kann", so Düvel. Diese Beisetzungsart gebe es nur auf dem Stoffeler Friedhof.

In Vorbereitung aber ist ein "Memoriam-Gräberfeld", das auf dem Südfriedhof schon angelegt ist und im Frühjahr in Betrieb genommen wird. Bei einem "Memoriam-Gräberfeld" hat jede Familie ein eigenes Grab für Sarg und Urne. Die Pflege übernimmt die Genossenschaft der Friedhofsgärtner. Düvel: "Es gibt schon Anfragen, aber was es kostet, steht noch nicht fest." Einer anderen Begräbniskultur gehören die "Kolumbarien" an, die als Friedhöfe der Moderne bezeichnet werden. Die Urne wird in der Nische einer Wand beigesetzt. In Düsseldorf ist es auf dem Friedhof Itter geplant. In Mönchengladbach gibt es diese Art der Urnenbestattung in der Grabeskirche St. Elisabeth mit Einzel- oder Gemeinschaftsgrabstätten.

(RP)