Oberbilk : Haus Kolvenbach steht leer

Nach 15 Jahren hat die Tanzschule Reichelt das Lokal im Südpark aufgegeben. Die Kosten für den Unterhalt des Gebäudes aus dem 19. Jahrhundert seien zu hoch. Viele örtliche Vereine suchen nun nach einem neuen Domizil.

Gut eineinhalb Jahre stand das Volksgarten-Restaurant leer, bis der Kabarettist Manes Meckenstock im April 2010 die Immobilie übernahm und ihr zu neuem gastronomischem und kulturellen Leben verhalf. Jetzt steht ein anderes Traditionslokal im Südpark leer: Haus Kolvenbach.

Das aus dem Jahr 1865 stammende Lokal mit großem Saal diente bis zuletzt zahlreichen örtlichen Vereinen wie etwa den Schützen als Festlokal. Zudem war die in der Nähe des Streichelzoos, geschützt gelegene Gastronomie gefragte Adresse für Hochzeitsfeiern wie auch Trauergesellschaften vom benachbarten Südfriedhof. Was nun aus dem Traditionslokal wird, das ebenso wie das Volksgarten-Restaurant der Stadt gehört, ist noch völlig offen.

"Ich habe das Haus Kolvenbach auch nur schweren Herzens aufgegeben", berichtet Sven Reichelt, der mit seiner gleichnamigen Tanzschule dort seit 15 Jahren ansässig war und neben seinem Kursangebot eine Gastronomie vorwiegend eben für Gesellschaften und Vereine vorhielt. "Aber die Situation im Südpark hat sich seit Buga-Zeiten verändert. Die Besucherfrequenz ist nicht mehr so wie früher und zum Haus Kolvenbach geht man nicht zufällig, sondern wenn, dann gezielt."

Gäste haben gefroren

Die laufenden Kosten seien zudem zuletzt nicht mehr tragbar gewesen: "Das Haus ist alt, es fehlt an einer vernünftigen Wärmedämmung, und die Heizkosten sind enorm. Dazu kommt die Pacht an die Stadt: Das sind mehrere Tausend Euro im Monat, denn das Objekt ist ja sehr groß und hat einen eigenen Parkplatz. Ich dachte immer, irgendwann kommt noch die Wende, aber da war einfach nichts mehr zu erwirtschaften." Im Sommer 2011 hat Reichelt mit Unterstützung der Stadt noch die Außenfassade renoviert. Seiner Ansicht nach müsste die Immobilie aber auch im Hinblick auf den energetischen Aspekt grundlegend saniert werden. "Es wird im Sommer nicht kalt und im Winter nicht warm. Die Leute haben nach den Beerdigungen zuletzt bei uns gefroren."

Reichelt hat sich nun in Hilden zu weit günstigeren Konditionen wie er sagt niederlassen können. Die umliegenden Vereine, die im Haus Kolvenbach gefeiert haben, müssen sich neu orientieren: So steht im Festkalender der Oberbilker Andreas-Hofer-Kompanie zwar noch als Adresse des Krönungsballs am 31. März das Haus Kolvenbach. Doch soll nun, wie Sprecherin Angie Becker berichtet, im Chapiteau" in Flingern gefeiert werden. Auch 2013 will man dort feiern, ebenso die Oberbilker Kompanie Freischütz. "Es tut uns leid, dass wir nicht mehr ins Haus Kolvenbach können", beichtet Schütze Josef Becker. "Es hat uns dort immer sehr gut gefallen." Nach seinen Angaben sind auch die 11. Grenadiere Oberbilk inzwischen auf Domizil-Suche. Laut Doreen Kerler, Leiterin des Amtes für Immobilienmanagement, wird eine Neuvermietung derzeit noch geprüft.

(RP)
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