Schulleitungen kämpfen für die Kinderbücherei Hassels

Hassels : Schulleitungen kämpfen für die Kinderbücherei

Die Kinderbücherei in Hassels soll organisatorisch bald von der Bücherei in Garath mitbetreut werden.

Den Ruhestand von Hedwig Lepique will die Stadt zum Anlass nehmen, die Kinderbücherei in Hassels neu aufzustellen. Lepique war seit 1995 in der Kinderbücherei tätig und hatte dabei mehr Einsatz und Herzblut an den Tag gelegt, als es ihre Stellenbeschreibung verlangt hätte. Sie hatte sich zum Prinzip gemacht, die Menschen da abzuholen, wo sie sind. Leseförderung, besonders in Stadtteilen wie Hassels und Reisholz, in denen viele Menschen leben, die im Verwaltungsdeutsch als bildungsfern angesehen werden, hielt sie für immens wichtig.

Der Stadtspitze ist jedoch der Sparansatz wichtiger: Im Rahmen des Konzepts „Verwaltung 2020“ sollen überall Stellen wegfallen. Und das betrifft bislang auch die Kinderbücherei In der Donk. Zum Jahresende 2020 soll sie einen Verbund mit der Bücherei in Garath eingehen. Die Leitung beider Standorte wird dann von Garath aus übernommen. Zudem soll es dann nur noch eine halbe Stelle für die Kinderbücherei geben. Laut Angaben der Verwaltung sollen die Öffnungszeiten in Hassels bei Urlaub oder Erkrankung von den Garather Büchereimitarbeitern organisiert werden. Damit, so rechnet die Verwaltung vor, könnten ab 2021 zwei halbe Stellen entfallen. Und dabei soll nach Angaben der Verwaltung die Medienausleihe trotzdem wie im bisherigen Umfang stattfinden.

Das sehen aber die Mitglieder der Bezirksvertretung (BV) 9 unisono ganz anders. Für die jüngste Sitzung des Gemiums gab es einen gemeinsamen Antrag von CDU, SPD und Grünen für die Haushaltsberatungen. Einstimmig forderten die BV-Mitglieder, dass der Stadtrat und der zuständige Kulturausschuss diese angedachte Stellenstreichung rückgängig machen. „Das Team der Kinderbücherei ist im Stadtteil durch die intensive Stadtteilarbeit gut vernetzt.“ Es gebe beste Kontakte zu den Schulen und Kitas in Hassels und Reisholz, zum Ernst-Lange-Haus der Diakonie und zum Bürgerhaus Reisholz.„Bei der Umsetzung der Stellenkürzungen kann die stadtteilorientierte Arbeit nicht in der bisher bekannten qualitativ hochwertigen Weise aufrechterhalten werden“, heißt es in der Begründung weiter.

Genau diese Befürchtung teilen die vier Leiterinnen der Grundschulen Am Köhnen und St. Elisabeth an der Buchenstraße in Reisholz sowie die städtische (Selma-Lagerlöff GGS) und die katholische (Hermann-Gmeiner-Grundschule) in Hassels. Gemeinsam haben sie einen Brief an Oberbürgermeister Thomas Geisel und den Kulturdezernenten Hans-Georg Lohe verfasst, der gestern an diese beiden raus gegangen ist.

In dem gemeinsamen Brief appellieren die vier Pädagoginnen an die Stadtspitze, die Entscheidung noch einmal zu überdenken. „Mit nur noch einer halben Stelle kann man dieses Angebot, was es derzeit in der Kinderbücherei gibt, nicht aufrechterhalten“, sagt Beate Grunewald-Woitscheck, Rektorin der Hermann-Gmeiner-Schule im Gespräch mit unserer Redaktion. Für sie ist diese Art der Leseförderung auch die Möglichkeit dafür zu sorgen, dass alle Schüler die gleichen Startchancen haben. „Wir besuchen mit unseren Klassen regelmäßig die Einrichtung, und es ist für die Kinder regelmäßig ein Höhepunkt im Schulalltag.“ Auch Barbara Dully, die das Ernst-Lange-Haus der Diakonie in Hassels-Nord leitet, unterstützt die Forderung der Schulleitungen: „Es ist wichtig, dass wir hier weiter solch ein Angebot mit einem niedrigschwelligen Zugang haben. Besonders auch für Menschen mit einem geringen Einkommen.“

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