Hassels : Problemsiedlung Thema im Ausschuss

Barbara Dully, Leiterin des Ernst-Lange-Hauses, berichtet aber auch von positiven Auswirkungen des Eigentümerwechsels: So habe dieser die Dienstags-Sprechstunde wieder aufleben lassen und sorge für mehr Sauberkeit.

Zwei Szenarien kommen Michaelo Damerow, Geschäftsführer des Düsseldorfer Mietervereins, in den Sinn, wenn er sich anschaut, wie der neue Eigentümer der Hochhaus-Siedlung Hassels-Nord derzeit agiert. Entweder hoffe dieser darauf, dass die Stadt für ihre Leistungsempfänger die erhöhten Mieten nach den - vor allem - energetischen Sanierungsmaßnahmen bezahlt.

Oder er setzt auf die aktuelle Wohnungsknappheit in der Landeshauptstadt und glaubt, dass die sanierten Wohnungen zahlungskräftigere Mieter anlocken. Denn Damerow hat schon einige Schreiben an die Mieter gesehen, in denen nach den Arbeiten die Mieten von derzeit 6,50 pro Quadratmeter zwischen drei bis fünf Euro steigen sollen.

Allerdings, da ist sich Damerow sicher, verkenne der Eigentümer die Wohnungssituation in der Siedlung. Das kann auch Jörg Schnorrenberger, Vorsitzender vom Ring deutscher Makler, nur unterstreichen: "Für elf Euro pro Quadratmeter bekommen sie schon eine sanierte Aktbauwohnung in Flingern oder eine Wohnung in einem der vielen entstanden Neubaugebiete." Warum also sollte jemand zu diesen Konditionen nach Hassels-Nord ziehen, einem Viertel aus den Anfängen der 1970er Jahre, in dem inzwischen dank des im September 2011 gegründeten Runden Tisches zwar vieles besser läuft, das aber weit entfernt ist von einer aufstrebenden Wohnlage.

Problem bei den angekündigten Arbeiten und den daraus resultierenden Mieterhöhungen ist, dass sich jeder einzelne Mieter wehren muss. Das Durchführen der Sanierungsarbeiten - bislang für die Hälfte der 1400 Wohnungen angekündigt - müsse jeder dulden, sagt Damerow, allerdings mit dem Hinweis, dass die dadurch steigende Miete für den Bewohner nicht zumutbar sei. Dafür hat der Mieterverein ein Schreiben entwickelt, dass die Anwohner nur noch ausfüllen und wegschicken müssen. In Absprache mit dem Wohnungsamt, auf die nach Sanierung wahrscheinlich eine hohe Zahl von erhöhter Mietkostenübernahme für Leistungsbezieher zukommen wird, sollen Architekten nachprüfen, ob alle durchgeführten Maßnahmen tatsächlich notwendig gewesen seien und welche tatsächlich auf die Miete umgelegt werden könnten. Anwohnerin Melitta Genßler berichtete unsrer Zeitung, dass ihre erst im Februar eingebauten neuen Fenster durch neue ersetzt werden sollen. Der Einbau einer neuen Wohnungstüre gehört zu den ganz normalen Instandsetzungspflichten eines jeden Hauseigentümers gegenüber seinen Mietern.

Die Maßnahmen in der Siedlung waren gestern Thema im Wohnungsausschuss. Dort berichtete Barbara Dully, Leiterin des Ernst-Lange-Hauses, dass man sich nach anfänglichen Schwierigkeiten nun im Kontakt mit dem neuen Verwalter, der IWG, befinde. So habe dieser beispielsweise die Dienstags-Sprechstunde wieder aufleben lasen, und Mieter hätten einen direkten Kontakt zum Hausverwalter bekommen: "Beim Vorgänger Centuria gab es nur eine Hotline." Außerdem habe der neue Verwalter den Hausmeisterservice verstärkt und sorge auch für mehr Sauberkeit im Quartier. Laut Dully ist ein Problem bei den Sanierungen, dass die Kommunikation zwischen den Arbeitern, dem Bauleiter und dem Eigentümer nicht stimme. In einigen Wohnungen dauere die Sanierung jetzt schon vier statt der besprochen zwei Wochen.

(RP)