Düsseldorf-Hassels : Das Ende einer Galerie

Im leerstehenden alten Pfarrhaus der Anbetungskirche werden seit 2018 Ausstellungen mit moderner Kunst gezeigt. Damit soll allerdings bald Schluss sein: Die evangelische Gemeinde plant die Zukunft des Geländes.

Das alte Pfarrhaus, das zur evangelischen Anbetungskirche gehört, fällt von außen kaum auf. Das Gebäude mit den weißen Wänden und dem roten Schindeldach liegt etwas zurückgesetzt an der Hasselsstraße. Im Inneren sieht es aus, als stünden Bewohner kurz vor dem Einzug: Ein paar Möbel stehen in den Zimmern, eine Kaffeemaschine in der Küche. Das Haus wirkt schlicht – zumindest in der Zeit, in der nicht moderne Kunstwerke an den Wänden hängen. Denn im Pfarrhaus in Hassels gibt es eine kleine Galerie, die den passenden Namen Altes Pfarrhaus trägt.

Ins Leben gerufen wurde sie von Jörgen Mainz im Rahmen einer Selbsthilfegruppe der Diakonie, der der arbeitsunfähige Frührentner angehört. „Es ging damals darum, einen finanziellen Beitrag für unsere Sozialtickets zu leisten“, erinnert sich Mainz. Das war im Herbst 2018. Im Oktober fand die erste Vernissage im Alten Pfarrhaus statt. Mit Erfolg: 20 der 24 gezeigten Kunstwerke wurden verkauft. Ein Teil des Erlöses ging an die Gemeinde, der das Pfarrhaus gehört, ein anderer Teil kam der Selbsthilfegruppe zugute. „Ich habe mich sofort entschieden: Ich mache weiter“, sagt Mainz. Seither organisiert er Ausstellung in dem Pfarrhaus. Seit seiner Kindheit hat sich Mainz für  Kunst interessiert, im Laufe der Jahre Kontakte in der Szene geknüpft. Mehrere Künstler haben ihre Werke seither in Hassels ausgestellt, die nächste Ausstellung ist für September geplant.

Diese könnte allerdings die letzte sein, denn die Zukunft der Galerie ist ungewiss. „Noch ist nicht entschieden, was mit dem Gebäude und dem Grundstück passieren soll; nach der Sommerpause soll das Presbyterium darüber entscheiden“, sagt Mainz. Ursprünglich wurde ein Verkauf des Grundstücks und ein Abriss des Hauses erwogen, es kam jedoch kein Vertrag zustande. „Jetzt sieht es so aus, als werde die Gemeinde das Pfarrhaus dauerhaft vermieten“, sagt Mainz. So oder so bedeutet es wohl, dass seine kleine Galerie zum Ende des Jahres ihre Unterkunft verliert. Der Galerist akzeptiert das. Wie und ob er seine Arbeit fortsetzen wird, weiß Jörgen Mainz allerdings noch nicht. „Die Gemeinde hat mir schon angeboten, andere Räumlichkeiten für die Ausstellungen zur Verfügung zu stellen“, sagt er. Allerdings sei der einzigartige Charme des ursprünglich als Wohnhaus gedachten Pfarrhauses nicht zu kopieren. „Es ist der Schnitt der Räume, man sieht genau, dass es sich hier um Wohn-, Ess- und Schlafzimmer handelt, auch wenn überall Kunstwerke hängen“, beschreibt Mainz seine einzigartige Galerie. Dabei war dem Kunstfreund die Qualität der ausgestellten Werke immer wichtiger als das Geld, das verdient wird. Im Alten Pfarrhaus waren unter anderem Werke von Immendorf-Schüler Joseph Sracic und der Frauenrechtlerin und Malerin Mariana Sellanes zu sehen.

Im September werden die Pop-Art-Kunstwerke von Peter Wolframm ausgestellt. Jörgen Mainz weiß nicht, ob es die letzte Ausstellung sein wird, die er für die Gemeinde organisiert, im Pfarrhaus geht es aller Wahrscheinlichkeit nach nicht weiter. „Ich konzentriere mich jetzt erstmal auf die nächste Ausstellung“, sagt Mainz. Aber er fügt hinzu: „Ich hoffe, dass wir das Projekt in irgendeiner Form beibehalten.“

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