Hassels : Fußball kennt keine Grenzen

Bei der SG Benrath-Hassels ist der iranische Flüchtling Mojtaba Zerehpoosh ab sofort spielberechtigt.

Mojtaba Zerehpooshs Augen leuchten. "Du bist ab sofort spielberechtigt", hat ihm seiner Trainer Andreas Kober mitgeteilt. Für den iranischen Flüchtling, der seit 14 Monaten in Düsseldorf lebt, ist die Welt vorübergehend in Ordnung. Vor Kurzem erst hat er mit der SG Benrath-Hassels Kontakt aufgenommen, um endlich wieder Fußball spielen zu können. "Fußball ist mein Leben", bekennt der 20-Jährige. Sein Heimatland Iran hat er 2015 verlassen müssen. "Aus persönlichen Gründen", wie er traurig verrät. Mehr möchte er nicht sagen. In Shiraz, seiner Heimatstadt, leben noch seine Eltern. "Wenn ich meiner Mutter jetzt per Handy mitteile, dass ich in Hassels Fußball spielen darf, dann ist sie sehr, sehr glücklich", weiß Mojtaba.

Die Flucht aus seiner Heimat in eine ungewisse Zukunft war gefährlich. Seit seiner Ankunft in Deutschland bemüht sich Zerehpoosh aktiv um seine Integration. An der ABC-Schule in Oberbilk hat er Integrationskurse besucht und Deutsch gelernt. Im Gespräch versteht er noch nicht jede Frage auf Anhieb, doch sprudeln die Antworten erstaunlich verständlich hervor. "Gott ist für mich wichtig", sagt Mojtaba. Wichtiger als Fußball sogar. Die Zugehörigkeit zur staatlich verordneten Religion im Iran, dem Islam, hat er abgelegt und konvertierte in Deutschland zum christlichen Glauben. In der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Christophstraße hat er Halt gefunden und Hilfe für den Alltag erfahren, insbesondere durch Anna Unkel, die ihn etwa bei Arztbesuchen und Behördengängen begleitet. Ein Glücksfall für Mojtaba.

Die BWL-Studentin an der Uni Düsseldorf ist von der Not und dem Leid der geflüchteten Menschen tief betroffen. "Ich musste helfen", sagt sie. Anders sei es ihr nicht möglich gewesen, die erschütternden Bilder, die sie in den Nachrichtensendungen sah, zu verarbeiten. "Seitdem ich mich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagiere, kann ich wieder gut schlafen", gesteht sie.

Integration von Flüchtlingen ist für die SG Benrath-Hassels nichts Neues, wie Kapitän Dennis Kronenberg unterstreicht. Mit Kingsley Annointing gehört seit zwei Jahren ein Flüchtling aus Ghana zum SG-Kader. Der Offensivakteur ist aus der Kreisliga-A-Formation kaum wegzudenken. "Fußball ist eine Sprache, die jeder versteht", unterstreicht Trainer Andreas Kober, dass durch das Miteinander beim Sport Integration zum Vorteil aller gelingen kann.

Noch wartet Mojtaba, der sich mit einem Freund in einer Wohnunterkunft in Hellerhof ein Zimmer teilt, auf sein Asylanerkennungsverfahren.

Bei den Hasselanern jedenfalls ist Mojtaba Zerehpoosh willkommen. "Ein Linksfuß", wie Kober freudig feststellt. Sein Talent hat Mojtaba schon als 15-Jähriger in der iranischen Jugendnationalmannschaft unter Beweis gestellt, wo er als variabler Mittelfeldspieler beispielsweise gegen China oder Katar im Einsatz war. Das Fußballgeschehen in der Bundesliga verfolgt Mojtaba aufmerksam im Fernsehen und drückt Rekordmeister Bayern München die Daumen. International hält er zu Real Madrid, wo er besonders für Marcello und Ronaldo schwärmt.

(RP)